Zukunft der WWE-Bibliothek: ESPN oder YouTube als neue Heimat? – Eric Bischoff zum neuen Deal: „Die WWE wird im Mainstream noch stärker verankert sein“

WWE, ESPN und YouTube Logo

Die Zukunft der WWE-Inhalte in den USA steht vor einem großen Umbruch. Im März 2026 endet die Partnerschaft zwischen WWE und Peacock, die seit 2021 alle Premium-Live-Events übertragen hat. An ihre Stelle tritt ein milliardenschwerer Vertrag mit ESPN. Der Deal, der auf eine Summe von 1,625 Milliarden Dollar beziffert ist, umfasst die Übertragung aller Premium-Live-Events auf dem neuen Direct-to-Consumer-Streaming-Dienst von ESPN.

Für ESPN ist dieser Schritt mehr als nur eine Erweiterung des Sportangebots. Laut ESPN-Vorsitzendem Jimmy Pitaro handelt es sich um eine strategische Entscheidung, die nicht nur den eigenen Sportkalender füllt, sondern auch helfen soll, die Abwanderung von Abonnenten zu reduzieren. Damit verbunden ist die Erwartung, dass WWE flexibel in der Terminplanung agieren wird, um den Anforderungen von ESPN gerecht zu werden. Für die WWE selbst eröffnet sich durch die Reichweite von ESPN eine neue Möglichkeit, das eigene Produkt einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Die offene Frage der historischen Bibliothek

Während die Premium-Live-Events ab 2026 fest bei ESPN beheimatet sein werden, bleibt die Zukunft der historischen Bibliothek unklar. Diese umfasst Tausende Stunden Material, darunter legendäre Matches, Shows und Storylines aus den Archiven von WWE, WCW und ECW. Laut einem Bericht von Fightful Select gibt es innerhalb des Unternehmens die Überlegung, die Inhalte künftig auf YouTube anzubieten.

Die Theorie besagt, dass WWE auf diese Weise eine größere Reichweite erzielen und durch ein mögliches Premium-Modell auf YouTube auch zusätzliche Einnahmen generieren könnte. Ein entscheidender Vorteil: Bereits heute hat WWE fast alle jemals produzierten Inhalte in ein YouTube-Backend hochgeladen, um urheberrechtliche Zwecke abzudecken. Damit wäre ein technischer Übergang relativ unkompliziert.

Eine von Fightful zitierte Quelle erklärte, dass WWE mit dieser Strategie „über archivierte Inhalte neue Fans gewinnen“ könne. Gleichzeitig behält sich das Unternehmen jedoch die Option vor, bei einem besonders lukrativen Angebot eines anderen Streaming-Dienstes die Richtung zu ändern.

ESPN zeigt Interesse an den Archivrechten

Auch ESPN selbst hat bereits signalisiert, dass man die historische Bibliothek gerne vollständig erwerben würde. In einem Interview im „Press Box“-Podcast von The Ringer erklärte ESPN-Chef Jimmy Pitaro, dass sein Unternehmen stets an Inhalten mit dieser Reichweite und Qualität interessiert sei. Zwar besitzt ESPN durch den neuen Vertrag die Archivrechte für die selbst übertragenen Veranstaltungen, doch das Ziel ist klar: Zugang zur gesamten Geschichte der WWE.

Sollte ESPN tatsächlich die komplette Bibliothek erwerben, hätten Fans die Möglichkeit, Jahrzehnte von Wrestling-Geschichte an einem Ort zu erleben. Von den goldenen Tagen der WWF über die legendären Schlachten in der WCW bis hin zu den prägenden Momenten der ECW – alles wäre für künftige Generationen leichter zugänglich und zentral abrufbar.

Eric Bischoff über die wirtschaftlichen Folgen

Während viele Fans in erster Linie auf die Frage schauen, wo sie in Zukunft die historischen Inhalte sehen können, betrachtet Eric Bischoff, ehemaliger WCW-Präsident, den Deal aus einer anderen Perspektive. In seinem „83 Weeks“-Podcast erklärte er, dass der ESPN-Vertrag für WWE in erster Linie eine enorme geschäftliche Chance darstellt.

Seiner Ansicht nach verstärkt die Partnerschaft die Präsenz der WWE im Mainstream erheblich. Für Bischoff liegt der größte Vorteil nicht in den Shows selbst, sondern in der Wirkung auf Sponsoren und Werbekunden. Viele Unternehmen hätten bisher gezögert, in WWE-Werbung zu investieren, doch die Verbindung mit ESPN könne dieses Bild nachhaltig verändern.

Bischoff prognostiziert, dass WWE durch die neue Reichweite und die mediale Positionierung bei ESPN einen deutlichen Anstieg der Werbe- und Sponsoring-Einnahmen verzeichnen wird. Er erwartet, dass dies in den kommenden Quartalsberichten des Unternehmens sichtbar wird. „Beobachten Sie, was mit ihren Werbeeinnahmen passiert, wenn sie ihre Zahlen veröffentlichen“, so Bischoff.

Die Weichenstellung für die Zukunft

Mit dem Wechsel zu ESPN und der ungeklärten Zukunft der WWE-Bibliothek steht das Unternehmen vor einer entscheidenden Weichenstellung. Während die Premium-Live-Events ab 2026 klar positioniert sind, bleibt offen, ob die jahrzehntelange Wrestling-Geschichte künftig bei ESPN oder YouTube – oder möglicherweise bei einem ganz anderen Anbieter – beheimatet sein wird.

Für die Fans bedeutet dies Spannung und Ungewissheit zugleich. Fest steht jedoch, dass WWE mit dem ESPN-Deal einen weiteren Schritt in Richtung Mainstream und wirtschaftliche Stabilität gemacht hat. Die Entwicklung rund um die Bibliothek dürfte in den kommenden Monaten eines der meistdiskutierten Themen im Wrestling bleiben.