WWE: Unreal sorgt für großes Aufsehen – hinter den Kulissen, vor der Kamera und in der Wrestling-Welt – doch nicht jeder ist begeistert

Die neue Netflix-Dokuserie „WWE: Unreal“ gewährt tiefe Einblicke in den kreativen Prozess der WWE – und sorgt intern wie extern für Aufsehen. Während viele Fans über die emotionale Darstellung und die überraschenden Wendungen staunen, wird hinter den Kulissen diskutiert, wie viel von dem Gezeigten echt ist und wie viel davon gezielt inszeniert wurde. Selbst erfahrene WWE-Produzenten wurden von einigen Entwicklungen kalt erwischt.

John Cenas Kehrtwende: Sogar das Produktionsteam war überrascht

Besonders großes Aufsehen erregte John Cenas plötzlicher Heelturn, der in Episode vier der Serie thematisiert wird. Laut Fightful Select wusste selbst das Produktionsteam von „Unreal“ nicht im Voraus von dieser dramatischen Wendung. Damit reiht sich Cenas Kehrtwende in die Kategorie jener WWE-Momente ein, die so streng geheim gehalten wurden, dass nicht einmal die Menschen, die das Geschehen dokumentieren sollten, eingeweiht waren. Diese Strategie erinnert an die überraschende Rückkehr von CM Punk bei der Survivor Series 2023.

Die Produzenten, die sich zunächst Sorgen darüber machten, wie die Show die WWE repräsentieren würde, zeigten sich im Nachhinein sehr zufrieden mit dem Endergebnis. Vor allem die Inszenierung des Royal Rumble und andere emotionale Höhepunkte kamen gut an, obwohl nicht alle Szenen spontan entstanden sind.

Der Umgang mit Realität und Inszenierung sorgt für Diskussionen

Einige Szenen von „WWE: Unreal“ waren laut internen Berichten gezielt inszeniert. So wurde beispielsweise die gesamte Women’s Division gebeten, nach dem Royal-Rumble-Sieg von Charlotte Flair in die Umkleide zu kommen, um ihr zuzujubeln. Den Talenten wurde jedoch nicht gesagt, dass diese Szene für die Netflix-Serie gedacht war. Auch das virale Promo-Duell zwischen Charlotte Flair und Tiffany Stratton wird intern diskutiert. Zwar gibt es Spekulationen, dass es inszeniert war, bestätigt wurde dies bislang von niemandem.

Derartige Eingriffe in die Darstellung werfen Fragen auf, wie viel der gezeigten Inhalte tatsächliche Realität und wie viel davon durch Produktionsentscheidungen beeinflusst ist. Auch ein WWE-Produzent gab zu, dass er nach den ersten Trailern befürchtete, die Serie würde eher eine „Work-Shoot“-Richtung einschlagen. Letztlich zeigte er sich jedoch erleichtert und zufrieden mit dem finalen Produkt.

WWE-Stars sprechen ungefiltert – ohne Drehbuchvorgaben

Trotz der bekannten Kontrolle über TV-Inhalte und Promos innerhalb der WWE, berichten mehrere Talente, dass sie bei den Dreharbeiten zu „Unreal“ kaum Einschränkungen hatten. Sie durften frei sprechen, Themen offen ansprechen und ihre Meinung äußern. Lediglich bei einigen sprachlichen Formulierungen gab es allgemeine Vorgaben. Ein Wrestler merkte mit einem Augenzwinkern an, dass ihm erst beim Anschauen aufgefallen sei, wie oft das Wort „f*ck“ hinter den Kulissen gesagt werde.

Diese Offenheit führte dazu, dass sich viele Superstars intensiver mit der Produktion beschäftigten als sonst. Während viele Wrestler sich ihre eigenen TV-Auftritte normalerweise nicht ansehen, zeigten sich diesmal zahlreiche Talente interessiert daran, wie sie in „Unreal“ dargestellt werden. Die interne Bewerbung der Serie habe zusätzlich dazu beigetragen, dass die Neugier auf die Show ungewöhnlich hoch war.

Positive Resonanz bei WWE – aber auch kritische Stimmen von Veteranen

Hinter den Kulissen herrscht weitgehend Zufriedenheit mit dem Ergebnis der ersten Staffel. WWE-Verantwortliche sind laut Fightful Select erfreut über die positive Resonanz aus der eigenen Belegschaft. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen, besonders von langjährigen Wrestling-Veteranen. So äußerte Bully Ray im Podcast „Busted Open Radio“ Bedenken darüber, wie stark der Vorhang zur Realität hinter dem Wrestling gelüftet wurde.

Ray verwies auf die zunehmende Tendenz, das Business vollständig offenzulegen, und warnte davor, dass irgendwann nichts mehr übrig sein könnte, worauf das Wrestling wieder aufbauen könne. In seinen Worten sei das Wrestling ein Zyklus, und wenn man jedes Geheimnis preisgebe, bleibe beim Neustart keine Magie mehr übrig. Er forderte sogar einen branchenweiten Dialog darüber, wie weit man künftig gehen wolle, um das Wrestling-Business zu schützen.

„WWE: Unreal“ markiert einen historischen Schritt

Die Netflix-Serie „WWE: Unreal“ stellt einen bedeutenden Einschnitt in der Darstellung des professionellen Wrestlings dar. Noch nie zuvor gewährte eine TV-Produktion einen derart offenen Blick auf interne Prozesse und kreative Entwicklungen, ohne die Talente selbst mit Skripten zu kontrollieren. Die Mischung aus emotionaler Nähe, überraschenden Momenten und dokumentarischer Darstellung trifft den Nerv vieler Fans – aber auch auf eine empfindliche Stelle bei Traditionalisten innerhalb der Branche.

Die gesamte erste Staffel von „WWE: Unreal“ ist seit dem 29. Juli 2025 auf Netflix verfügbar.