WWE hört auf die Fans: Nick Khan zieht bei der Kritik jedoch eine klare Grenze

Nick Khan im Podcast

WWE bekommt heute unmittelbarer denn je mit, wie Zuschauer auf Shows, Storylines und geschäftliche Entscheidungen reagieren. Präsident Nick Khan hat nun ausführlich erklärt, welchen Stellenwert diese Stimmen innerhalb des Unternehmens tatsächlich haben und wo für ihn die Grenze zwischen berechtigter Kritik und einer zu starken Orientierung an sozialen Netzwerken liegt.

Nick Khan: WWE hört auf Kritik, will sich davon aber nicht treiben lassen

Im Gespräch mit „The Varsity“ wurde Khan darauf angesprochen, dass Wrestling-Fans bekannt dafür seien, ihrer Unzufriedenheit besonders laut Ausdruck zu verleihen. Der WWE-Präsident widersprach dem grundsätzlich nicht, stellte allerdings infrage, wie repräsentativ solche Reaktionen tatsächlich für die gesamte Zuschauerschaft sind.

Khan verglich soziale Netzwerke mit den früher verbreiteten Kommentar- und Beschwerdekarten in Restaurants oder bei Fluggesellschaften. Dort hätten sich Menschen ebenfalls häufiger gemeldet, wenn etwas schlecht gelaufen sei, während zufriedene Kunden wesentlich seltener das Bedürfnis verspürt hätten, ihre positive Erfahrung schriftlich festzuhalten.

Das bedeutet nach Khans Darstellung allerdings nicht, dass WWE Kritik grundsätzlich ignoriert. Wenn das Unternehmen in den Beschwerden einen berechtigten Punkt erkenne, könne reagiert und etwas verändert werden. Problematisch werde es aus seiner Sicht erst dann, wenn Unternehmen jede besonders laute Online-Reaktion als repräsentatives Meinungsbild behandeln und ihre Entscheidungen ständig daran ausrichten. Genau diesen Weg wolle WWE nicht gehen.

Triple H erhält von Nick Khan eine besonders deutliche Rückendeckung

Stattdessen setzt Khan auf das Führungsteam, das WWE für die jeweiligen Bereiche zusammengestellt hat. Besonders deutlich fiel dabei seine Einschätzung von Paul „Triple H“ Levesque aus. Khan bezeichnete ihn als den seiner Meinung nach besten kreativen Verantwortlichen im gesamten Wrestling. Seine Aussage bezog sich damit ausdrücklich nicht nur auf WWE, sondern auf die gesamte Branche.

Siehe auch  The Rocks WrestleMania-Status bekommt ein neues Update

Für Khan ist dieses Vertrauen ein wesentlicher Grund dafür, warum WWE nicht nach jeder negativen Reaktion in den sozialen Medien seine kreative Richtung verändern sollte. Verantwortliche wie Triple H würden genau dafür bezahlt, langfristige Entscheidungen zu treffen und ein Gesamtprodukt zu entwickeln.

Gleichzeitig lobte Khan auch WWEs Live-Events-Team sowie den Bereich Merchandise und Consumer Products. Die wirtschaftliche Entwicklung von WWE und anderen Unternehmen unter dem TKO-Dach wertet er als Beleg dafür, dass diese Strukturen grundsätzlich funktionieren.

Das bedeute jedoch nicht, dass WWE unverändert weitermachen könne. Khan betonte, dass erfolgreiche Unternehmen ihre Arbeit ständig weiterentwickeln und hinterfragen müssten. Entscheidend sei, dafür die richtigen Personen an den wichtigen Stellen zu haben.

Auch WWE kann laut Khan nicht jede Woche eine „Killer Show“ liefern

Im weiteren Verlauf sprach Khan über die enormen Erwartungen, die Fans an große Sport- und Entertainmentmarken stellen. Er nannte die New York Yankees, die Los Angeles Lakers und die Dallas Cowboys als Beispiele. Bei solchen Marken wird praktisch jedes Spiel an den höchsten Maßstäben gemessen. Aus seiner Sicht befänden sich WWE und UFC in einer vergleichbaren Situation.

Fans erwarteten deshalb häufig, dass jede einzelne Show eine außergewöhnliche Veranstaltung sein müsse. Für Khan ist das allerdings kein realistischer Anspruch. Er verwies auf die NFL, wo eine komplette Saison teilweise als Enttäuschung betrachtet werde, wenn eine Mannschaft am Ende nicht den Super Bowl gewinnt. Im tatsächlichen Geschäfts- und Sportalltag gebe es jedoch ständig Erfolge und Misserfolge.

Auch WWE wird deshalb Shows, Matches oder Entscheidungen haben, die besser funktionieren als andere. Entscheidend sei für Khan das Verhältnis im Gesamtbild. Ein erfolgreiches Unternehmen müsse langfristig mehr richtige als falsche Entscheidungen treffen. Aus unternehmerischer Sicht verwies er dabei auch auf die Entwicklung von TKO und dessen Aktienkurs als einen möglichen Gradmesser dafür, ob sich die Gesamtheit dieser Entscheidungen auszahlt.

Siehe auch  Nikki Storm startet nach WWE neu und verfolgt bereits große Pläne hinter den Kulissen

ESPN-Probleme zeigen, wann WWE Fan-Kritik durchaus ernst nimmt

Interessant wird Khans Haltung vor allem durch den Kontext, in dem die Diskussion überhaupt entstand. Im Gespräch ging es ursprünglich um WWEs Partnerschaft mit ESPN und die Verfügbarkeit der Premium Live Events über ESPN Unlimited.

Zum Start der Zusammenarbeit hatten sich zahlreiche Fans darüber beschwert, dass der angekündigte Zugang über bestehende TV-Anbieter nicht überall wie erwartet funktionierte. Unter anderem fehlten zunächst entsprechende Vereinbarungen mit Comcast und YouTube TV.

Diese Situation führte zu erheblicher Kritik und später sogar zu einer Klage, in der WWE vorgeworfen wurde, Fans hinsichtlich des Zugangs zu den Premium Live Events über ESPN in die Irre geführt zu haben. WWE hat diese Vorwürfe nicht als zutreffende Darstellung anerkannt.

Khan machte nun deutlich, dass sich die Vertriebssituation inzwischen verändert habe. Die ursprünglich noch fehlenden Vereinbarungen mit Comcast und YouTube TV seien mittlerweile abgeschlossen worden. Damit verfüge WWE nach seiner Einschätzung nun über die Verbreitung, die man sich zu Beginn der ESPN-Partnerschaft gewünscht habe.

1 Kommentar

  1. Dieses Problem mit der Kritik kann ich gut nachvollziehen … Auch ich habe hier schon mehrfach meinen Unmut geäußert, wenn mir etwas von der Show (egal ob WWE oder AEW) nicht gefallen hat.
    Aber hier zu schreiben, dass mir ein Match, Show oder PLE gefallen hat, mache ich selten.

    So kann nur das Bild aufkommen, dass hier nur Leute sind, die meckern. Die Personen, denen die Shows gefallen, kommentieren dann mit „Schau es halt nicht“ und dann wird nach freier Meinungsäußerung geschrien.

    Die Kommentare sind selten positiv und die meisten haben das Ganze wahrscheinlich nicht mal gesehen (zB „Wenn ich das hier lese, langweilige Show“ oder „Cody hat gegen Reigns gewonnen – vorhersehbar und langweilig“ – by the way: Die letzten 5 Minuten des Matches waren absolut nicht langweilig)

    Aber meckern ist halt einfacher, weil die Leute, wenn sie es lesen, sich bestätigt fühlen und Positives wird meist auch nicht angenommen und ebenfalls negativ kommentiert. Daher kann ich Khan und die WWE verstehen, wenn sie ihren Stiefel machen (und nicht alles gefällt mir, deswegen schaue ich nicht alles)

Kommentare sind deaktiviert.