Die jüngste Entlassungswelle der WWE könnte noch nicht abgeschlossen sein. Am 24. April wurden rund 25 Talente aus dem Main Roster, NXT und dem Performance Center entlassen, darunter Aleister Black, Zelina Vega, Kairi Sane, die Motor City Machine Guns, Apollo Crews, Santos Escobar, Zoey Stark, Alba Fyre und das gesamte Stable Wyatt Sicks. Auf der NXT-Seite trifft es elf bislang bestätigte Namen: Andre Chase, Dante Chen, Tyra Mae Steele, Tyson Dupont, Tyriek Igwe, Malik Blade, Luca Crusifino, Chris Island, Sirena Linton, Trill London und Carlee Bright. Doch laut einem aktuellen Bericht von Bryan Alvarez ist diese Liste möglicherweise nicht das Ende der Geschichte.
Bryan Alvarez deutet weitere Performance-Center-Cuts an
Bei „Wrestling Observer Live“ gab Alvarez einen Hinweis, der die Situation neu einordnet. Ihm sei am Freitag mitgeteilt worden, dass intern eine größere Liste von NXT-Talenten im Umlauf gewesen sei als bislang öffentlich kommuniziert. Die bisher bekannten Namen würden demnach möglicherweise nur einen Teil der ursprünglichen Planung abbilden.
Alvarez verwies darauf, dass im Performance Center sehr viele Talente unter Vertrag stünden und die WWE laufend neue Engagements abschließe. Daraus zog er den Schluss, dass die Entwicklungs-Cuts mit der Welle vom 24. April vermutlich noch nicht abgeschlossen seien. Endgültig bestätigt ist diese Vermutung nicht, doch sie deckt sich mit den Aussagen mehrerer hinter den Kulissen aktiver Quellen.
Carlee Bright bricht eigene Entlassung selbst
Ein gutes Beispiel für die laufende Dynamik der Entlassungswelle ist Carlee Bright. Ihr Name war ursprünglich nicht in der ersten öffentlichen Liste enthalten, ehe sie selbst über Social Media Klarheit schaffte. Bright, die mit bürgerlichem Namen Kennedy Cummins heißt, gab ihre Entlassung kurz vor der Premiere von WWE LFG Season 3 bekannt. Trotz des Cuts wird sie in der dritten Staffel der Reality-Show weiterhin zu sehen sein. Bei der WWE stand sie seit 2022 unter Vertrag und war zuletzt vor allem auf der Evolve-Bühne aktiv, nachdem sie zuvor an der Seite von Kendal Grey kurz im NXT-Fernsehen aufgetaucht war.
Doppelte Begründung für die NXT-Cuts
Mehrere Berichte liefern parallel eine klare Erklärung für die Entlassungswelle im Entwicklungsbereich. Bodyslam und Fightful Select nennen übereinstimmend zwei zentrale Gründe.
Erstens habe die WWE eine ganze Reihe neuer Talente unter Vertrag genommen, deren Verpflichtungen offiziell noch nicht angekündigt wurden. Eine neue Generation an Performance-Center-Signings stehe demnach in den Startlöchern, was im Gegenzug Platz im Roster verlange. Zweitens hätten einige der entlassenen Wrestler innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters nicht jene Entwicklung gezeigt, die das Unternehmen erwartet habe. Beide Faktoren zusammen erklären, warum die Welle nicht punktuell, sondern flächendeckend ausfiel.
Andre Chase: Nie für das Main Roster vorgesehen
Eine besondere Tonart bekam die Geschichte durch das Schicksal von Andre Chase, der lange als Identifikationsfigur einer wachsenden NXT-Fangemeinde galt. Bryan Alvarez lieferte eine bemerkenswerte Hintergrundinformation. Ihm sei mitgeteilt worden, dass Chase bei seiner Verpflichtung intern als fleißiger Worker eingestuft worden sei, der jüngeren Talenten beim Lernen helfen sollte. Eine Beförderung in das Main Roster habe nie auf der Agenda gestanden.
Diese Einordnung deckt sich vollständig mit dem, was Chase in seinem Abschiedsvideo (siehe hier) selbst offenlegte. Bei seiner Vertragsunterzeichnung sei ihm sehr deutlich gemacht worden, dass er nie im Fernsehen zu sehen sein werde und auch nie ein Superstar werden würde. Seine Aufgabe bestehe darin, sein Wissen an eine jüngere Generation weiterzugeben.
Wie die Fans die ursprüngliche Planung umschrieben
Trotz dieses internen Skripts entwickelte sich Chase zu einem festen Bestandteil der NXT-Show. Dafür dankte er den Fans ausdrücklich. Er erklärte, dass sich seine Rolle dank deren Unterstützung verändert habe. Plötzlich hätten ganze Arenen „Chase U” gechantet und mit den Händen das gleiche Wort geformt. So wurde aus einer ursprünglich kleinen Rolle eine größere mit Merchandise, einer Action-Figur und einem prominenten Auftritt in der WWE-2K-Reihe.
Im selben Atemzug verwies Chase auf die Erfolge, die er trotz der ursprünglich engen Rollenvorgabe gemeinsam mit dem Publikum erreicht habe. Er gewann zweimal die NXT Tag Team Championship, eine Leistung, die er sehr deutlich seinen Anhängern zuschrieb. Sein Abschied klang dennoch zuversichtlich. Das Kapitel seiner WWE-Karriere sei abgeschlossen, sein Kapitel im professionellen Wrestling jedoch noch lange nicht zu Ende.
Karriere-Eckdaten und nächster Halt
Chase ist im Wrestling-Geschäft kein Unbekannter. Er begann seine Karriere im Independent-Bereich bereits 2008, arbeitete unter anderem für Ring of Honor und TNA und kam 2021 zur WWE. Nach der Auflösung der ursprünglichen Chase-U-Formation im April 2025 verlor er seine prominente Erzählachse. Zuletzt fungierte er als Mentor von Uriah Connors und Kale Dixon, bevor er am 27. Januar 2026 zum letzten Mal für die WWE im Ring stand.
Seinem Abschiedsvideo fügte er eine konkrete Information für Veranstalter hinzu. Ab Juni stehe er für Buchungen, Signings und Seminare zur Verfügung. Damit zeichnet sich ein zügiger Wechsel in die Independent-Szene oder zu einer anderen Promotion ab, sobald seine Sperrfrist endet.
Sperrfristen und Free-Agent-Status
Diese Sperrfrist ist je nach Vertragstyp unterschiedlich. Talente vom Main Roster bleiben nach einer Entlassung 90 Tage lang unter Wettbewerbsverbot, während NXT-Talente nur 30 Tage gebunden sind. Sollte ein Vertrag schlicht nicht verlängert worden sein, also keine reguläre Entlassung vorliegen, ist die jeweilige Person sofort Free Agent. Diese Unterscheidung ist für die kommenden Wochen entscheidend, weil mehrere namhafte Akteure in dieser Phase entscheiden werden, wo sie ihre Karriere fortsetzen.
Santos Escobar als Sonderfall
Eine zusätzliche Facette betrifft Santos Escobar. Er war trotz einer laufenden Verletzung mit anstehender Reha entlassen worden, ein Schritt, der gegen die frühere WWE-Politik verstößt, verletzte Talente bis zur Genesung im Roster zu halten. Sean Ross Sapp wies bei Fightful Select darauf hin, dass mit Karl Anderson, BJ Ray und Ridge Holland zuletzt mehrfach Akteure trotz Verletzung entlassen oder nicht verlängert wurden. Auch Zoey Stark fällt in diese Kategorie. Sie hatte sich im Mai des Vorjahres einen Riss von Kreuzband und Innenband zugezogen und war erst kurz vor ihrer Entlassung wieder freigegeben worden.

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