Vince McMahon aus nächster Nähe: Ex-WWE-CFO berichtet über zwölf gemeinsame Jahre

Vince McMahon steht grinsend im WWE Ring
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Vince McMahon wird von vielen Fans als lautstarker, dominanter und stets kontrollierender Chef wahrgenommen. George Barrios, der mehr als zwölf Jahre eng mit ihm zusammenarbeitete und später WWE-Co-Präsident wurde, zeichnet jedoch ein deutlich anderes Bild. In mehreren Interviews zur Veröffentlichung seiner Autobiografie sprach Barrios über seine Erfahrungen mit McMahon und die Person hinter dem bekannten TV-Charakter.

So reagierte Barrios auf das WWE-Angebot

George Barrios kam 2008 zur WWE, doch zunächst konnte er sich einen Wechsel überhaupt nicht vorstellen. Damals arbeitete er als Führungskraft bei der New York Times, als ihn ein Personalvermittler wegen einer offenen Position kontaktierte. Dieser beschrieb ein börsennotiertes Unternehmen mit solidem Umsatz, Gewinn und Sitz in Stamford, Connecticut.

Barrios zeigte zunächst Interesse, bis der Name des Unternehmens fiel. Als er hörte, dass es sich um WWE handelte, reagierte er nach eigenen Angaben mit Unglauben und fragte den Vermittler, ob dieser ihn auf den Arm nehmen wolle. Wie viele Menschen außerhalb der Wrestling-Branche betrachtete er WWE damals lediglich als Wrestling-Unternehmen und nicht als ernst zu nehmenden Konzern.

Erst nachdem er sich die Geschäftszahlen genauer angesehen hatte, änderte sich seine Sichtweise. Statt eines chaotischen Unterhaltungsbetriebs fand er ein profitables Unternehmen mit Wachstumspotenzial vor. Aus dem zunächst belächelten Angebot entwickelte sich schließlich einer der wichtigsten Karriereschritte seines Lebens.

Der Vince McMahon, den die Öffentlichkeit kaum kennt

Wer Vince McMahon nur aus dem WWE-Fernsehen kennt, erwartet meist einen lauten, dominanten und ständig präsenten Chef. Laut Barrios war die Realität jedoch ganz anders.

Im Podcast „The Two Man Power Trip of Wrestling“ beschrieb er McMahon als überraschend ruhigen, introvertierten und zurückhaltenden Menschen. In Meetings hat McMahon oft lange zugehört und sich nicht sofort zu Wort gemeldet. Für Barrios sei das anfangs sogar schwieriger gewesen als der Umgang mit einem besonders dominanten Vorgesetzten.

Während Barrios sich selbst als direkten und energiegeladenen Menschen beschreibt, sei McMahon eher das genaue Gegenteil gewesen. In einem weiteren Gespräch mit POST Wrestling erklärte Barrios, dass McMahon bewusst gewartet habe, bevor er seine Meinung äußerte.

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Dadurch wollte er verhindern, dass andere Teilnehmer ihre Ansichten an seiner Position ausrichteten. Erst nachdem alle gesprochen hatten, brachte er seine eigene Sichtweise ein. Barrios bezeichnete diese Eigenschaft als eine der wichtigsten Lektionen, die er von McMahon übernommen habe.

Ein emotionaler Abschied, mit dem niemand gerechnet hatte

Im Sommer 2019 beschlossen George Barrios und WWE-Co-Präsidentin Michelle Wilson, das Unternehmen zu verlassen. Als sie Vince McMahon über ihre Entscheidung informierten, erwarteten sie ein sachliches Gespräch und eine geordnete Übergabe.

Stattdessen erlebten sie einen emotionalen Moment, der Barrios bis heute in Erinnerung geblieben ist. McMahon erklärte, dass er die WWE über Jahrzehnte hinweg aufgebaut habe und dabei immer diejenigen habe mitziehen müssen, die mit ihm arbeiteten.

Anschließend habe McMahon mit Tränen in den Augen gesagt, dass Barrios und Wilson in den vergangenen zehn Jahren diejenigen gewesen seien, die ihn mitgezogen hätten. Für Barrios war dies eines der größten Komplimente seiner gesamten Karriere.

Die ursprünglich geplante Übergangsphase von rund sechs Monaten kam allerdings nie zustande. Im Januar 2020 entschied McMahon überraschend, die Zusammenarbeit sofort zu beenden. Seine Begründung lautete sinngemäß: Wenn eine Entscheidung getroffen wurde, sollte man das Pflaster direkt abreißen.

Warum Barrios trotz der Vorwürfe zurückkehrte

Nachdem Vince McMahon 2022 infolge der Berichte des Wall Street Journal über Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens als WWE-Chef zurückgetreten war, kehrte er Anfang 2023 in das Unternehmen zurück. Im Zuge dieser Rückkehr holte er auch George Barrios und Michelle Wilson wieder in den Verwaltungsrat.

Barrios erklärte gegenüber POST Wrestling, dass ihm die Vorwürfe bekannt gewesen seien. Er habe sich jedoch zunächst nicht intensiv damit beschäftigt, da die meisten Vorwürfe nach seinem Verständnis entweder vor seiner WWE-Zeit oder nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen stattgefunden hätten.

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Nach der später eingereichten Klage von Janel Grant habe er sich rechtlich beraten lassen, um die Situation besser zu verstehen. Anschließend sei er zu dem Schluss gekommen, dass er mit seiner Rückkehr in das Board of Directors leben könne.

Barrios betonte dabei ausdrücklich, dass seine Entscheidung nicht auf persönlicher Loyalität gegenüber McMahon basiert habe. Er sehe sich nicht als Loyalisten. Vielmehr habe er seine Entscheidung auf Grundlage seiner eigenen Erfahrungen und Überzeugungen getroffen, auch wenn andere Menschen dies möglicherweise anders beurteilen würden.

Autobiografie blickt auf Karriere und WWE-Wandel zurück

Viele dieser Geschichten schildert Barrios in seiner neuen Autobiografie „Sometimes Wrong but Never in Doubt: How a Cuban Kid from Queens Transformed WWE“, die im Juni 2026 erschienen ist.

Darin beschreibt er seinen Weg vom Sohn kubanischer Einwanderer in Queens bis an die Spitze eines der größten Unterhaltungsunternehmen der Welt. Als Barrios 2008 als Finanzvorstand zur WWE kam, erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 400 Millionen US-Dollar. Als er die WWE Anfang 2020 verließ, hatte sich das Unternehmen zu einem globalen Medienkonzern entwickelt.

Das Buch behandelt deshalb nicht nur die Entwicklung der WWE, sondern auch Barrios‘ persönlichen Karriereweg und die Erfahrungen, die er während seiner Zeit an der Seite von Vince McMahon gesammelt hat.

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