Triple H prägt das heutige WWE-Produkt stärker als je zuvor, doch seine Position unterscheidet sich offenbar deutlich von der seines Vorgängers. Neue Aussagen ehemaliger und aktueller Weggefährten betreffen dabei sowohl seine Möglichkeiten innerhalb der heutigen Konzernstruktur als auch kreative Vorstellungen aus früheren Jahren.
John Morrison sieht klare Unterschiede zwischen Triple H und Vince McMahon
Im Interview mit Sportskeeda sprach John Morrison über die heutige WWE-Führung und verglich Triple Hs Stellung mit der früheren Machtposition von Vince McMahon. Seiner Ansicht nach verfügt der aktuelle Chief Content Officer nicht über dieselben Freiheiten, die McMahon über viele Jahre besaß. Morrison erklärte, Vince McMahon habe innerhalb der WWE praktisch ohne vergleichbare Kontrollmechanismen Entscheidungen treffen können. Wenn er für eine Show kurzfristig eine besonders aufwendige oder kostspielige Idee umsetzen wollte, war das laut Morrison möglich.
Als bewusst überspitztes Beispiel nannte er einen mit Milch beladenen Lastwagen samt entsprechender Technik. Wollte McMahon eine solche Idee umsetzen, konnte ihn nach Morrisons Darstellung niemand daran hindern. Triple H befinde sich dagegen unter dem Dach von TKO und müsse sich an andere finanzielle und unternehmerische Strukturen halten. Morrison geht deshalb davon aus, dass Triple H nicht eigenständig entscheiden könne, für eine spontane Idee beispielsweise 100.000 Dollar auszugeben.
Triple H würdigt Shawn Michaels und The Undertaker
Triple H selbst sprach unterdessen in einem neuen WWE-Vlog über zwei langjährige Weggefährten, die inzwischen wichtige Aufgaben hinter den Kulissen übernommen haben. Shawn Michaels verantwortet als Senior Vice President of Talent Development Creative seit Jahren maßgeblich die Ausrichtung von NXT. The Undertaker arbeitet inzwischen ebenfalls intensiv außerhalb des Rings und bezeichnete seine Aufgabe bei AAA selbst als Head of Creative. WWE führt ihn offiziell als Executive Producer der mexikanischen Promotion.
Triple H erklärte, dass es für ihn etwas Besonderes sei, ehemalige Wrestler seiner Generation in solchen Positionen zu erleben. Ihre Körper würden ihnen zwar nicht mehr erlauben, dieselben Leistungen wie früher im Ring zu erbringen, ihr über Jahrzehnte aufgebautes Wissen könnten sie nun jedoch an jüngere Talente weitergeben.
Michaels hob er für seine Arbeit bei NXT hervor und erklärte, dieser habe die Show auf ein anderes Niveau gebracht. Beim Undertaker verwies Triple H auf dessen Aufgabe, AAA und Lucha Libre in Mexiko weiterzuentwickeln. The Undertaker hatte zuvor selbst erklärt, dass AAA unter seiner kreativen Leitung bewusst nicht wie Raw, SmackDown oder NXT aussehen solle. Die traditionelle Lucha-Libre-Identität soll erhalten bleiben und stärker mit langfristigen Geschichten verbunden werden.
Wie lange Triple H bereits selbst versucht, einzelnen Bereichen innerhalb von WWE eine eigene Identität zu geben, zeigt auch ein Rückblick auf seine ursprünglichen Pläne für die Cruiserweight-Division.
Drew Gulak erinnert an Triple Hs ursprüngliche Cruiserweight-Idee
Drew Gulak sprach zuletzt über diese Pläne und erinnerte sich im „Certified Mark Show“-Podcast an die Entstehung des Cruiserweight Classic im Jahr 2016. Grundsätzlich war bereits aus früheren Interviews bekannt, dass Triple H die Cruiserweight-Division deutlich sportlicher präsentieren wollte als das damalige WWE-Hauptprogramm. Gulak nannte jetzt weitere Einzelheiten zu den ursprünglichen Überlegungen.
Demnach sollte bereits die optische Darstellung klar signalisieren, dass ein Cruiserweight-Match beginnt. Bei entsprechenden Begegnungen auf Raw war vorgesehen, die Beleuchtung der Halle lila zu färben. Vor den Matches sollten sich die Wrestler die Hand geben, während Siege und Rankings eine deutlich größere Bedeutung erhalten sollten. Triple H habe nach Gulaks Erinnerung ein Produkt geplant, das stärker wie ein eigener Sport innerhalb von WWE wirken sollte. Dabei seien auch Einflüsse von EVOLVE sowie Elemente des traditionellen britischen Wrestlings mit Runden vorgesehen gewesen.
Die Cruiserweights sollten damit bewusst einen Kontrast zum restlichen WWE-Programm bilden, ohne dieses ersetzen zu wollen. Gulak erklärte, dass sich dieser Ansatz stark verändert habe, nachdem Vince McMahon die Kontrolle über die wöchentliche Show übernommen habe. Aus dem erfolgreichen Cruiserweight Classic entstand schließlich 205 Live. Zahlreiche Bestandteile der von Gulak beschriebenen ursprünglichen Vorstellung wurden in dieser Form jedoch nicht dauerhaft umgesetzt.
Triple H richtet klare Worte an Dragon Lee
Auch im Umgang mit aktuellen WWE-Talenten war Triple H zuletzt in einem Vlog zu sehen. Nach Dragon Lees Match gegen Chad Gable in Mexico City lobte er den Mexikaner zunächst für seine Leistung, warnte ihn aber zugleich vor zu häufigen riskanten Aktionen. Den Table Bump aus dem Match solle Lee für besondere Gelegenheiten aufheben. Triple H begründete dies damit, dass er ihn langfristig und nicht nur für kurze Zeit bei WWE benötige.
Die Aussage fiel zu einem Zeitpunkt, an dem Dragon Lees Vertragssituation bereits öffentlich thematisiert wird. WWE soll ihm laut früheren Berichten einen neuen Vertrag anbieten wollen. Eine Vertragsverlängerung wurde bislang jedoch nicht bekannt gegeben.