Neue, bislang ungeschwärzte Dokumente aus der laufenden Aktionärsklage gegen WWE geben Einblick in interne Gespräche aus dem Jahr 2023. Im Zentrum stehen Paul „Triple H“ Levesque und seine Bedenken bezüglich seiner kreativen Rolle während der Rückkehr von Vince McMahon. Gleichzeitig wird deutlich, welche Bedeutung Nick Khan für Levesques Position innerhalb des Unternehmens hatte.
Die nun veröffentlichten WhatsApp-Nachrichten stehen im Zusammenhang mit der Fusion von WWE und UFC zur TKO Group Holdings und zeigen, wie angespannt die Situation hinter den Kulissen war.
Hintergrund der Klage und Veröffentlichung der Nachrichten
Wie erstmals von Brandon Thurston für Post Wrestling berichtet wurde, sind die Nachrichten Teil eines laufenden Rechtsstreits von WWE-Aktionären. Diese werfen dem Unternehmen vor, dass der Fusionsprozess zugunsten von Endeavor beeinflusst worden sei, obwohl andere Angebote vorgelegen hätten.
Die vorgelegten Nachrichten stammen aus Gesprächen zwischen Levesque und Khan, die am 11. September 2023 beginnen, also unmittelbar vor der offiziellen Fusion. Sie zeigen, dass Levesque Khan als wichtigen Vertrauten betrachtete und regelmäßig in strategische Überlegungen einbezog.
Angespannte Stimmung vor der TKO-Fusion
Bereits am Vorabend der Fusion machte Levesque seine Unsicherheit deutlich. In einer Nachricht an Khan schrieb er: „Wie läuft’s bisher? Mann, ich bin heute total angespannt … Morgen ist der große Tag, ich rechne mit dem Schlimmsten.“
Khan reagierte mehrfach auf diese Nachricht, entfernte seine Antworten jedoch später wieder. Dieses Vorgehen zog sich durch den gesamten veröffentlichten Schriftverkehr. Laut seinen eigenen Angaben kann er sich heute nicht mehr an den Inhalt dieser Antworten erinnern.
Am selben Tag informierte Levesque darüber, dass McMahon Kontakt aufgenommen habe, um über geplante Entlassungen zu sprechen, die im Zuge der Fusion umgesetzt werden sollten. In diesem Zusammenhang schrieb er: „VKM (Vincent Kennedy McMahon). Übrigens muss ich mich morgen mit euch allen wegen der Talent-Veröffentlichungen treffen, die mit den Unternehmensveröffentlichungen zusammenfallen. Danke.“
Kurz darauf wandte er sich erneut an Khan und bat um Rückmeldung bezüglich eines möglichen Gesprächs mit Ari Emanuel: „Ich bin mir zwar SICHER, dass du diese Schei*e für heute hinter dir lassen möchtest … Bitte lass mich wissen, wenn du mit AE sprichst.“
Dankbarkeit gegenüber Nick Khan am Tag der Fusion
Am 12. September 2023, dem Tag der offiziellen Fusion, richtete Levesque eine ausführliche Dankesnachricht an Khan. Darin brachte er zum Ausdruck, wie entscheidend dessen Unterstützung für seine Karriere gewesen sei:
„Nick, ich wollte mir vor dem ganzen Trubel heute nur einen Moment Zeit nehmen, um DANKE zu sagen!!!!! Danke, dass du uns so weit gebracht hast … ohne dich wäre ich schon längst weg. Ich schätze dich und alles, was du getan und durchgemacht hast … Und ich schätze unsere Freundschaft … Sie bedeutet mir alles, Danke und herzlichen Glückwunsch.“
Khan antwortete darauf mit den Worten: „Du bist mein Mann. Du hast mich hierhergebracht. Ich möchte, dass wir das 20 Jahre lang machen und dann Schluss machen. Ich schätze und bewundere dich.“
Im Anschluss leitete Levesque eine Nachricht von McMahon weiter, in der ein Treffen angesetzt wurde: „Nur zur Info Guten Morgen! VKM möchte für heute um 16 Uhr ein persönliches Treffen mit dir, Bruce und Ed zum Thema „Personalrichtlinien“ vereinbaren.“
Sorgen über McMahons Einfluss auf kreative Entscheidungen
Weitere Nachrichten aus dem Dezember 2023 zeigen, dass Levesque weiterhin besorgt war, McMahon könne erneut Einfluss auf kreative Prozesse nehmen. Am 9. Dezember schrieb er: „Der Sicherheitsdienst hat mir gerade mitgeteilt, dass VKM am Montag bei Cleveland TV zu Gast sein wird. Was hat es damit auf sich ??????“
Obwohl Nick Khan auch auf diese Nachrichten mehrfach reagierte, blieben seine konkreten Antworten letztlich nicht erhalten, weil er sie später wieder löschte. Dadurch ist zwar nicht mehr vollständig nachvollziehbar, was er im Einzelnen geschrieben hatte, doch der Verlauf des Austauschs macht deutlich, dass das Thema nicht nur zwischen ihm und Paul Levesque besprochen wurde. Vielmehr spricht die Kommunikation dafür, dass parallel auch Gespräche mit Ari Emanuel und weiteren Entscheidungsträgern im Hintergrund liefen. Der Eindruck entsteht, dass die Angelegenheit auf mehreren Ebenen behandelt wurde und intern bereits verschiedene Personen eingebunden waren.
In einer späteren Nachricht machte Paul Levesque sehr deutlich, wie unzufrieden er mit einem Gespräch mit Emanuel war. Er erklärte, dass seine Enttäuschung mit zunehmendem Nachdenken über dieses Gespräch gewachsen sei. Aus seiner Sicht habe sich inhaltlich nichts verändert, da man offenbar weiterhin an einem Punkt feststecke, an dem lediglich angedeutet werde, dass man eingreifen könnte, falls nötig. Er stellte dabei klar den Unterschied heraus zwischen einer halbherzigen Haltung nach dem Motto, man werde versuchen, Einfluss zu nehmen oder Grenzen zu setzen, und einer klaren, endgültigen Entscheidung, die Situation vollständig zu beenden. Für ihn wirkte es so, als würde das Problem nicht gelöst, sondern lediglich hinausgezögert und immer wieder vertagt werden.
Um eine eindeutige Klärung herbeizuführen, zog Levesque in Betracht, zusätzlich Mark Shapiro einzubeziehen, in der Hoffnung, auf diesem Weg eine verbindliche und endgültige Lösung zu erreichen.
Diskussionen über Meetings und kreative Kontrolle
Im weiteren Verlauf der Gespräche äußerte Paul Levesque zunehmend die Sorge, dass zuvor getroffene Vereinbarungen rund um Vince McMahon schrittweise aufgeweicht werden könnten. Seiner Einschätzung nach entfernte man sich von der ursprünglich klaren Linie, die vorsah, dass McMahon keinen Einfluss mehr ausüben sollte. Stattdessen schien sich die Haltung wieder in Richtung eines Kompromisses zu entwickeln, bei dem gelegentliche Auftritte bei Shows oder eine punktuelle Beteiligung akzeptiert würden. Dazu könnten auch vereinzelte Kommentare oder sogar längere Meetings gehören, was aus seiner Sicht einen deutlichen Rückschritt gegenüber der ursprünglichen Vereinbarung darstellen würde.
Zusätzlich brachte Levesque eine konkrete Entwicklung zur Sprache, die seine Bedenken verstärkte. Er berichtete, dass Vince McMahon offenbar eine E-Mail mit einem Drehbuch direkt an Emanuel geschickt habe. Diese Information sorgte für Irritation, woraufhin Khan zunächst Zweifel äußerte und ankündigte, die Situation telefonisch zu klären. Kurz darauf relativierte er die Lage jedoch und erklärte, dass die betreffenden Personen bereits informiert seien und es daher nicht notwendig sei, diese Inhalte erneut zu versenden.
Am selben Abend sprach Levesque noch ein weiteres mögliches Problem an, das sich aus einer geplanten Reise ergeben könnte. Er wies darauf hin, dass McMahon am Vormittag im selben Flugzeug sitzen würde, in dem auch CM Punk eingeplant sei. Vor dem Hintergrund der bekannten Spannungen stellte er die Frage in den Raum, ob diese Konstellation potenziell zu Schwierigkeiten führen könnte.
Rücktritt von Vince McMahon im Jahr 2024
Die veröffentlichten Nachrichten geben einen detaillierten Einblick in die internen Spannungen rund um die kreative Kontrolle und die Unternehmensführung während der TKO-Fusion. Sie zeigen, dass Levesque sowohl Unsicherheiten bezüglich seiner eigenen Rolle als auch konkrete Bedenken hinsichtlich eines möglichen Einflusses von McMahon hatte.
Am 26. Januar 2024 trat McMahon schließlich von seinem Amt zurück. Hintergrund waren Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens, die im Rahmen eines laufenden Zivilverfahrens von Janel Grant erhoben wurden.
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