Torrie Wilson gehört zu den bekanntesten weiblichen Persönlichkeiten der WWE-Geschichte und wurde 2019 in die Hall of Fame aufgenommen. In einem neuen Interview bei SHAK Wrestling blickte sie auf die Anfangszeit ihrer Karriere zurück, die nicht nur von Rampenlicht, sondern auch von Herausforderungen hinter den Kulissen geprägt war.
Wilson war nie als klassische Wrestlerin vorgesehen. Ihre Verpflichtung erfolgte in einer Ära, in der WWE stark auf Entertainment, Glamour und Attraktivität setzte. Während viele Frauen wie Ivory, Lita oder Trish Stratus für ihre Wrestling-Fähigkeiten bekannt waren, wurde Wilson häufig in Rollen gebucht, die vor allem auf Showeffekte abzielten – etwa Bikini-Matches oder Segmente, die weniger mit sportlicher Leistung zu tun hatten.
Diese Umstände führten zu Spannungen in der Umkleidekabine. Wilson bestätigte, dass sie damals durchaus spürte, wie manche Kolleginnen frustriert waren, weil sie trotz ihrer Wrestling-Ausbildung in Szenarien eingesetzt wurden, die mit sportlichem Wettkampf wenig zu tun hatten. Besonders erinnerte sie sich an Ivory, die gemeinsam mit ihr und Stacy Keibler in ein Bikini-Match gesteckt wurde. Während viele heute darüber scherzen, habe sie den Ärger und die Frustration ihrer Kolleginnen damals sehr gut verstanden.
Konkurrenzdruck und Rivalitäten hinter den Kulissen
Wilson betonte, dass sie nie die Absicht gehabt habe, das Geschäft respektlos zu behandeln. Vielmehr habe sie jede Gelegenheit wahrgenommen, die sich ihr bot, auch wenn sie nicht genau wusste, welche Rolle sie im Unternehmen langfristig spielen sollte. Ihr Ziel sei es gewesen, ihre Chance zu nutzen – selbst wenn sie damals noch keine ausgebildete Wrestlerin war.
Sie erklärte aber auch, dass die Atmosphäre in WWE von einem harten Konkurrenzkampf geprägt war. Jeder habe um seinen Platz gekämpft, unabhängig von Sympathien oder persönlichen Beziehungen. „Selbst die nettesten Leute kämpfen letztlich um ihren Platz“, sagte sie. Diese permanente Wettbewerbssituation habe dafür gesorgt, dass Feindseligkeit und Spannungen unvermeidbar waren – egal, ob man ein erfahrener Wrestler oder eine neue Persönlichkeit im Programm war.
Damit beschreibt Wilson eine Dynamik, die viele ehemalige WWE-Stars bestätigen: Der Backstagebereich war ein Umfeld, in dem ständig Druck herrschte, sich durchzusetzen und sichtbar zu bleiben. Für Talente wie Torrie Wilson, die nicht in erster Linie durch Wrestling-Skills auffielen, bedeutete das eine zusätzliche Herausforderung.
Enthüllung einer nie realisierten Storyline
Neben diesen Einblicken sprach Wilson auch über eine Storyline, von der sie erst Jahre nach ihrem Karriereende erfuhr. Beim Lesen des Buches des früheren WWE-Writers Brian Gewirtz habe sie entdeckt, dass es einmal eine Idee gegeben habe, sie in einer Storyline nackt auftreten zu lassen.
„Das war das erste Mal, dass ich davon gehört habe“, erzählte Wilson. Diese Vorstellung habe sie entsetzt, auch wenn sie selbst nie offiziell mit einem solchen Vorschlag konfrontiert worden sei. Für sie sei klar gewesen, dass sie ein solches Szenario niemals akzeptiert hätte.
Die WWE Hall of Famer erklärte, dass sie während ihrer Karriere stets darauf geachtet habe, ihre eigenen Grenzen zu wahren. Immer wenn sie sich mit einer Szene unwohl fühlte, habe sie entweder klargestellt, dass sie diese nicht umsetzen würde, oder sie habe die Ausführung auf eine Art verändert, die für sie akzeptabel war.
Ein Balanceakt zwischen Unterhaltung und persönlichen Werten
Die Aussagen von Torrie Wilson zeigen, wie schwierig es war, in einer Ära zu bestehen, in der WWE immer wieder mit provokanten Storylines Schlagzeilen machte. Besonders Frauen standen dabei im Fokus von Segmenten, die nicht selten für Diskussionen sorgten. Während Kolleginnen wie Lita oder Trish Stratus ihre Wrestling-Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten, wurde Wilson häufig in Rollen eingesetzt, die eher auf äußerliche Attribute abzielten.
Trotz dieser Umstände habe sie immer versucht, ihre Würde zu bewahren und die Balance zwischen den Erwartungen des Unternehmens und ihren eigenen Prinzipien zu finden. Rückblickend gilt sie als eine der Persönlichkeiten, die in dieser herausfordernden Phase des Womens Wrestling ihren eigenen Weg gefunden haben.