All Elite Wrestling steht seit Jahren im Mittelpunkt einer anhaltenden Debatte über kreative Freiheit und kreative Kontrolle. Im Battleground Podcast von iHeartRadio nahm Tony Khan erneut ausführlich Stellung zu der Frage, wie kreative Entscheidungen innerhalb des Unternehmens tatsächlich getroffen werden. Dabei widersprach er deutlich der weitverbreiteten Annahme, dass Wrestler bei AEW eigenständig über ihre Charaktere oder Storylines bestimmen.
Khan stellte klar, dass es bei AEW keine geteilte kreative Kontrolle gebe und die letztendliche Entscheidungsgewalt ausschließlich bei ihm liege. Wörtlich erklärte er: „Es gibt keine kreative Kontrolle. Nur ich habe sie.“ Gleichzeitig betonte er, dass dieser Umstand nicht bedeute, dass Ideen der Talente ignoriert würden oder das kreative Umfeld autoritär geprägt sei.
Zusammenarbeit als zentrales Element des AEW-Prozesses
Nach eigenen Angaben versteht Khan den kreativen Prozess bei AEW als stark kooperativ angelegtes System. Wrestler, Trainer und Mitarbeiter seien ausdrücklich eingeladen, Ideen einzubringen und gemeinsam an Konzepten zu arbeiten. In diesem Zusammenhang sagte er: „Und es gibt viel Freiheit, mit den Mitarbeitern, Trainern und Wrestlern zusammenzuarbeiten und Ideen zu entwickeln. Und ich bin einer der kooperativsten Menschen auf diesem Planeten.“
Khan erklärte weiter, dass viele Missverständnisse aus der Gleichsetzung von kreativer Mitarbeit mit kreativer Kontrolle resultierten. Die Möglichkeit, Vorschläge einzubringen, werde häufig fälschlich als Entscheidungsgewalt interpretiert. Tatsächlich liege die Verantwortung für das Endprodukt jedoch bei ihm, um eine klare Linie und konsistente Ausrichtung des Programms sicherzustellen.
Erfahrungen außerhalb des Wrestlings als Grundlage
Zur Untermauerung seiner Führungsphilosophie verwies Khan auf seine Tätigkeit außerhalb des Wrestlings. Insbesondere seine Arbeit im Bereich der Sportdatenanalyse habe ihm gezeigt, dass Zusammenarbeit und zentrale Entscheidungsstrukturen miteinander vereinbar seien. Er führte dazu aus: „Auf diese Weise konnte ich in mehreren Sportarten erfolgreich sein und das weltweit führende Unternehmen für Sportanalyse-Engineering aufbauen, True Media, das 29 der 30 Major League Baseball-Teams betreut. Und das einzige Team, das wir nicht betreuen, kauft es aus eigener Tasche.“
Mit dieser Aussage wollte Khan verdeutlichen, dass erfolgreiche Projekte seiner Ansicht nach auf einem offenen Ideenaustausch basieren können, ohne die Notwendigkeit klarer Führungsverantwortung aufzugeben.
Kreative Neuausrichtung und persönliche Verantwortung ab 2025
In einem weiteren Interview bei Unlikely with Adrian Hernandez ging Khan auf einen entscheidenden Schritt ein, den er eigenen Angaben zufolge im Jahr 2025 vollzogen habe. Er erklärte, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bewusst dafür entschieden habe, die vollständige kreative Leitung von AEW selbst zu übernehmen und sich nicht mehr auf kollektive Bookingprozesse zu stützen.
Dazu erklärte er, dass dieser Entschluss rund um die Feiertage gefallen sei und mit einem persönlichen Rückblick zusammenhing. Fünf Jahre nach dem letzten vergleichbaren Moment habe er sich erneut einen Vorsatz gesetzt, den er bereits Ende 2019 gefasst hatte, nämlich, sich künftig stärker zu fokussieren und sich intensiver einzubringen. Khan machte deutlich, dass er zwar schon zuvor stark involviert gewesen sei, jedoch erkannt habe, dass eine klarere persönliche Steuerung der kreativen Ausrichtung notwendig geworden sei.
Er beschrieb seinen Ansatz damit, dass er sich zwar bereits stark engagiert habe, aber davon überzeugt sei, es noch besser machen zu können. Anstatt weiterhin viele verschiedene Personen gemeinsam an Entwürfen arbeiten zu lassen, habe er sich entschieden, die Planung künftig selbst zu übernehmen und Woche für Woche eine klare Richtung vorzugeben, wie sich die jeweilige Show inhaltlich entwickeln soll.
Laut Khan machte sich die Umstellung sofort bemerkbar. Er erklärte, dass er zu Beginn des letzten Jahres mehrere konkrete Veränderungen vorgenommen habe und bereits im Januar 2025 den Eindruck gehabt habe, dass AEW eine echte Wende geschafft habe. Diese positive Entwicklung habe seiner Ansicht nach das gesamte Jahr über angehalten.
Kritik an Inhalten und sinkenden Zuschauerzahlen
Trotz Khans positiver Einschätzung stehen diese Aussagen im Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung vieler Fans und Beobachter. Die Einschaltquoten von „AEW Dynamite” und „AEW Collision” sind im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, während zugleich die inhaltliche Ausrichtung des Produkts verstärkt kritisiert wurde. Insbesondere die extremen TV-Segmente mit Jon Moxley sowie die brutalen Momente von Darby Allin wurden kontrovers diskutiert.
Diese Szenen sorgten für erhebliche Gegenreaktionen und warfen Fragen nach Verantwortung und Zielgruppenansprache auf. In diesem Zusammenhang äußerte sich auch der ehemalige WWE-Autor Vince Russo in seinem Podcast Ready with Russo äußerst kritisch.
Deutliche Warnungen von Vince Russo
Russo bezeichnete die genannten Inhalte als leichtsinnig und warf Khan vor, mit der kreativen Eskalation die Zukunft des Unternehmens zu gefährden. Wörtlich erklärte er: „Mann, kann nicht solche Sachen zeigen und dann Tony Khan sagen lassen: ‚Oh, wir versuchen, unsere Ticketpreise familienfreundlich zu halten.‘ Genau das, Tony, wird dich ruinieren.“
Darüber hinaus warnte Russo vor möglichen Konsequenzen für AEWs Geschäftsbeziehungen, vorwiegend mit Warner Bros. Discovery und der Streamingplattform HBO Max. Er führte aus: „Es reicht schon, wenn ein Elternteil oder eine Gruppe darauf hinweist: ‚Der Eigentümer des Unternehmens, Tony Khan, ein Milliardär und Sohn von Shad Khan, hat diese Aussage getroffen … und schaut euch seine Show an.‘ Das ist mangelnde Verantwortung.“
Er ergänzte: „Du bist auch deinen Partnern ausgeliefert. Wenn Max wegen solcher Dinge aussteigt, bist du wirklich in einer schlechten Lage. Du kannst nicht hier sitzen und vorgeben, als gäbe es keine Parameter.“
Tony Khans Verteidigung des familienfreundlichen Anspruchs
Ungeachtet der Kritik bekräftigte Khan mehrfach öffentlich, dass AEW weiterhin ein familienfreundliches Produkt sein solle. In diesem Zusammenhang sagte er: „Die Ticketpreise von AEW sind sehr familienfreundlich gestaltet, und das war von Anfang an so. Jeder, der von Anfang an bei AEW dabei war, wird Ihnen bestätigen, dass wir stets darauf bedacht waren, die Ticketpreise für die Fans erschwinglich zu halten. Insbesondere wollten wir Familien und junge Fans zu den Shows bringen und sie für Fans aller Hintergründe und Altersklassen zugänglich machen.”
Diese Aussage steht weiterhin im Spannungsfeld zu den gezeigten Inhalten, die von Teilen der Fan-Community und ehemaligen Branchenvertretern als schwer vereinbar mit diesem Anspruch wahrgenommen werden.