Steve Austin über kreative Einschränkungen bei WWE, verlorene Freiheit am Mikrofon und seinen schwierigen Weg nach dem Karriereende

Steve Austin sitzt auf einem Stuhl im Ring und liefert eine lautstarke Promo

Stone Cold Steve Austin hat im Gespräch mit Dale Earnhardt Jr. bei Dirty Mo Media erneut eindrücklich beschrieben, wie radikal sich die WWE in den frühen 2000er-Jahren verändert hat. Als er im Jahr 2000 nach seiner schweren Nackenoperation zurückkehrte, bemerkte er sofort, dass sich die Arbeitsweise hinter den Kulissen völlig gewandelt hatte. Für Austin war diese Entwicklung ein Schock. Er erinnerte sich daran, dass er während seiner Pause erstmals ein vollständig vorformuliertes Promo-Skript in die Hand gedrückt bekam. Für ihn war diese Situation sinnbildlich für das, was danach folgte.

Austin erklärte, dass die Attitude-Ära damals etwas von dem „Wilden Westen“ gehabt habe. Er schilderte, dass die Shows damals unvorhersehbar waren, viel improvisiert wurde und die Aktionen sich erst im Ring oder live im Segment entwickelten. Dies sei ein entscheidender Teil der Kreativität gewesen. Laut Austin wurden diese Freiheiten nach und nach durch ein stärker kontrolliertes System ersetzt. Er erinnerte sich genau daran, wie sich der Ton der Show veränderte, als mehr große Sponsoren ins Unternehmen kamen und die WWE versuchte, ein saubereres, professionelleres Produkt zu präsentieren.

Austins Sicht auf geskriptete Promos und den Verlust von Authentizität

Besonders eindringlich beschrieb er die Situation, in der ihm erstmals ein Skript überreicht wurde. Mit seinen Worten machte er deutlich, wie fremd ihm das damals erschien. Er erklärte, dass er nicht danach arbeiten könne, was jemand für ihn aufschreibe. Vielmehr habe er immer aus dem Bauch heraus gesprochen und spontan reagiert, vor allem, wenn jemand versucht habe, ihn verbal herauszufordern.

Seine Arbeit basierte laut Austin immer darauf, echte Emotionen zu zeigen. Er betonte, dass er „aus dem Herzen, dem Bauch und dem Gefühl“ heraus arbeite und erst im Anschluss entscheide, wie er diesen Impuls verbal umsetze. Eine Promo sei für ihn kein auswendig gelernter Text, sondern eine natürliche Reaktion auf eine Situation. Er beschrieb, dass man sich damals im Ring gegenseitig verbal herausforderte, sich „fertig machte“ und gleichzeitig half, dadurch stärker und glaubwürdiger zu wirken. Dies sei laut Austin Teil der geschäftlichen Grundlage gewesen, denn nur so verkaufe man Tickets und ziehe die Zuschauer in die Geschichte hinein.

Weiter erläuterte Austin, dass die heutige WWE deutlich durchgeplanter wirke. Die Promos seien freundlicher, stärker kontrolliert und bis ins kleinste Detail organisiert. Dieser Prozess nehme den Charakteren ihre Spontaneität und damit ein Stück von dem, was sie glaubwürdig und einzigartig macht. Er fasste es schließlich mit dem Satz zusammen, dass in seiner aktiven Zeit niemand etwas geprobt habe. Man sei einfach hinausgegangen und habe es gemacht.

Die schwere Phase nach seinem Karriereende

Neben seiner kritischen Sicht auf die kreative Entwicklung der WWE sprach Austin im Interview sehr offen über die Zeit nach seinem Karriereende im Jahr 2003: Aufgrund schwerer körperlicher Probleme – darunter eine Rückenmarksprellung, die ihn zeitweise zum Tetraplegiker machte – musste er seine Karriere abrupt beenden. Die Auswirkungen dieser Verletzungen begleiten ihn bis heute, denn er erklärte, dass er weiterhin mit neurologischen Problemen kämpft.

Er gab zu, dass das Ende seiner Karriere ihn „wie ein Güterzug“ getroffen habe. Er sagte, dass er lange Zeit nicht damit umgehen konnte, dass er nicht mehr in den Ring zurückkehren würde. Da er zu diesem Zeitpunkt erst 38 Jahre alt war, empfand er die Situation als besonders bitter. Er stellte deutlich heraus, dass er nicht nur die finanziellen Möglichkeiten verlor, die eine Weiterführung seiner Karriere mit sich gebracht hätte. Viel schwerer wog für ihn der Verlust des Gefühls, Teil der Wrestling-Welt zu sein, vor einem Publikum zu stehen und den Adrenalinschub zu spüren, der seinen Alltag viele Jahre lang bestimmt hatte.

Er beschrieb, wie er sich nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn in eine Phase der Orientierungslosigkeit begab. Er erklärte, dass er etwa drei Jahre lang „getrunken, gejagt, gefischt und eine Menge dummer Sachen gemacht“ habe. Seine Offenheit machte deutlich, dass er in dieser Zeit nach einer neuen Richtung suchte und versuchte, das Gefühl des Verlustes zu kompensieren.

Der Wendepunkt und der Versuch, ein neues Leben aufzubauen

Ein besonders persönlicher Moment war Austins Schilderung einer Situation, in der er sich eines Morgens im Badezimmer im Spiegel betrachtete und erkannte, dass sein Lebensstil ihn auf einen gefährlichen Weg geführt hatte. Er berichtete, dass dieser Augenblick seine Einstellung veränderte und ihm klarmachte, dass er sein Leben nicht auf diese Weise weiterführen könne.

Da ein erneuter Antritt im Wrestling ausgeschlossen war, musste Austin überlegen, wie er sein Leben neu strukturieren wollte. Er erklärte, dass er nicht zu seinem alten Beruf zurückkehren wollte. Vor seiner Wrestling-Karriere hatte er als Gabelstaplerfahrer gearbeitet und war dankbar für die Erfahrungen, die er dort gemacht hatte. Doch nach dem Leben als einer der größten Stars der Branche konnte er sich eine Rückkehr in ein normales Arbeitsumfeld nicht vorstellen.

Er entschied sich, nach Los Angeles zu ziehen, wo er bei Diamond Dallas Page unterkam. Er gab offen zu, dass diese Zeit dennoch schwierig war. Er erzählte, dass er und Page ein Jahr lang viel tranken und kaum Fortschritte machten. Gleichzeitig begannen sie, kleinere Filmprojekte anzunehmen. Austin bezeichnete diese Produktionen in seinem typischen Tonfall scherzhaft als „Low-Budget-Filme“, während andere sie eher als „Independent-Filme“ bezeichnen würden. Trotz des Humors in dieser Aussage wurde klar, dass diese Projekte für ihn eine Übergangsphase darstellten, in der er langsam wieder Struktur fand.

Die Rückkehr zur WWE in neuer Form

Eine entscheidende Wendung kam, als die WWE ihn kontaktierte und ihm die Moderation der Sendung „Tough Enough“ anbot. Für Austin war dies ein wichtiger Moment, da er so wieder mit dem Geschäft in Kontakt kam, das er so lange geprägt hatte. Er erklärte, dass er sich unmittelbar nach seinem Karriereende bewusst von der Branche distanziert hatte, da er es nicht ertragen konnte, etwas zu sehen, das er selbst nicht mehr ausüben durfte. Erst durch den zeitlichen Abstand wurden die Wunden kleiner und er fühlte sich bereit, anderen Talenten auf eine neue Art zu helfen.

Austin sagte, dass ihm die Arbeit bei „Tough Enough“ „sehr geholfen“ habe und ein bedeutender Schritt gewesen sei, wieder ein Ziel zu finden. Anstatt selbst zu kämpfen, konnte er sein Wissen weitergeben und junge Talente anleiten. So fand er einen neuen Platz innerhalb der Wrestling-Welt, ohne sich erneut körperlich zu gefährden.

Nach dieser Erfahrung nahm Austin weitere Projekte in Angriff. Er moderierte eigene TV-Formate, baute eine Biermarke auf und betrieb erfolgreich einen Podcast, in dem er mit anderen Sportlern und Entertainern Geschichten teilte. Dort konnte er seine typischen Anekdoten und seinen unverwechselbaren Stil einbringen, die ihn bereits während seiner aktiven Karriere auszeichneten. Sein späterer Kommentar, er habe „getrunken, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und nebenbei gewrestelt“, zeigte mit Humor und Ehrlichkeit, durch welche Phasen er gegangen war.

1 Kommentar

  1. die Attitude-Ära war die beste Zeit die Ich erlebt habe leider wurde Raw damals nur auf Premiere gezeigt aber dank Netflix kann man die Erinnerungen zurückholen

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