Staatsanwaltschaft verweigert Freilassung von Liv Morgans mutmaßlichem Stalker

Dante Chen und Liv Morgan

Im Fall von Shawn Chan, einem kanadischen Staatsbürger, der beschuldigt wird, den WWE-Star Liv Morgan über Monate hinweg gestalkt zu haben, zeichnet sich eine klare Linie der Strafverfolgungsbehörden ab. Nachdem Chans Verteidiger im August 2025 einen Antrag gestellt hatten, die Untersuchungshaft zu überprüfen, reagierte die Staatsanwaltschaft mit einer deutlichen Antwort. Sie forderte, dass Chan bis zum Beginn seines Prozesses, der für November 2025 angesetzt ist, ohne Möglichkeit auf Kaution inhaftiert bleibt.

Die Anwälte des Angeklagten hatten vorgeschlagen, Chan in einer Einrichtung der Heilsarmee unterzubringen, wo er bis zum Prozess unter Aufsicht leben könne. Für die Staatsanwaltschaft war dieser Vorschlag jedoch nicht akzeptabel. Sie argumentierte, dass es keine geeigneten Bedingungen gebe, die Chans Erscheinen vor Gericht sicherstellen könnten. Insbesondere die Gefahr einer Flucht sei erheblich.

Gründe für die Ablehnung

In ihrem Antrag bezeichnete die Staatsanwaltschaft Shawn Chan als akute Gefahr für die Gesellschaft. Seine Vorgeschichte und die Umstände des aktuellen Falls machten deutlich, dass er ein hohes Risiko darstelle. Die Behörden verwiesen darauf, dass Chan keinerlei familiäre oder berufliche Verbindungen in Florida habe. Er sei ausschließlich in die Vereinigten Staaten gereist, um Liv Morgan aufzusuchen und sie einzuschüchtern.

Die fehlenden sozialen und wirtschaftlichen Bindungen in den USA würden eine mögliche Freilassung zusätzlich riskant machen. Chan verfüge über keine Arbeitserlaubnis und habe keine legale Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt in den Vereinigten Staaten zu bestreiten. Stattdessen bestehen seine engen Verbindungen ausschließlich in Kanada, was ihn nach Ansicht der Staatsanwaltschaft prädestiniere, sich dorthin abzusetzen, sollte er freigelassen werden.

Darüber hinaus wiesen die Ermittler auf Unstimmigkeiten im Verhalten des Angeklagten hin. Während er bei seiner ersten Anhörung noch angegeben hatte, keine psychischen Probleme zu haben, erklärte sein Anwalt inzwischen, dass eine Untersuchung seiner Zurechnungsfähigkeit eingeleitet worden sei. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei dies ein zusätzlicher Faktor, der gegen eine Entlassung spreche.

Ablauf der Ereignisse

Die Ermittlungen zeigen ein genaues Bild von Chans Handlungen im Frühjahr 2025. Am 26. Mai reiste er von Scarborough in der kanadischen Provinz Ontario nach Orlando, Florida. Bei der Einreise am Flughafen erklärte er den Zollbeamten, dass er im WWE Performance Center untergebracht sei. Diese Angabe war nachweislich falsch, da das Performance Center keine Wohnmöglichkeiten bietet.

Nur wenige Tage nach seiner Ankunft begab sich Chan zu Liv Morgans Wohnhaus. Dort hielt er sich über Stunden auf, umrundete das Grundstück, betrat den Hinterhof und nahm eine auf der Veranda liegende Luftpistole an sich. Außerdem hinterließ er eine handschriftliche Notiz. In dieser schrieb er unter anderem, er sei „der Typ, mit dem ihr alle auf einer Spieleplattform online Kontakt habt“ und er wolle nur einen „freundlichen Besuch“ abstatten. Der Tonfall der Nachricht wirkte jedoch beunruhigend, da Chan gleichzeitig betonte, dass er sich fälschlicherweise wie ein Stalker dargestellt sehe.

Festnahme und Anklage

Am 3. Juni 2025 wurde Shawn Chan im WWE Performance Center verhaftet. Sicherheitskräfte hatten ihn zuvor auf den Überwachungsaufnahmen von Liv Morgans Anwesen erkannt und die Behörden verständigt. Das FBI nahm Chan noch am selben Tag in Gewahrsam.

Am 25. Juni 2025 folgte die offizielle Anklage. Ihm werden Stalking sowie ein Verstoß im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt in einem anderen Bundesstaat vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Aktueller Status

Seit seiner Festnahme sitzt Chan im Pasco County Detention Center in Connerton, Florida, ein. Zuvor war er in Hernando County untergebracht gewesen. Das Gericht wird im Laufe des Novembers darüber entscheiden, ob er bis zum endgültigen Urteil in Haft bleiben muss oder ob doch noch eine Freilassung unter Auflagen möglich ist. Nach dem Antrag der Staatsanwaltschaft deutet jedoch vieles darauf hin, dass Chan bis zum Prozessbeginn in Gewahrsam bleibt.

Die Auseinandersetzung um die Inhaftierung zeigt, wie ernst die Behörden die Bedrohungslage für Liv Morgan einschätzen. Der Fall unterstreicht zudem die wachsende Problematik von Stalking im Umfeld prominenter Persönlichkeiten, insbesondere im Wrestling-Bereich, wo Fans regelmäßig direkten Zugang zu Stars bei öffentlichen Veranstaltungen haben.