Passend zur Veröffentlichung seiner neuen Peacock-Dokumentation meldet sich Shawn Michaels mit persönlichen Einblicken zurück. Im Interview mit Big Gold Belt Media erklärt der WWE Hall of Famer, warum „The Heartbreak Kid: Becoming Shawn Michaels“ keine klassische Karriere-Chronologie liefert, weshalb sein umstrittenes Crown-Jewel-Match von 2018 fehlt und welche Philosophie seine Arbeit mit den jungen Talenten bei NXT prägt.
Ein Film über Erlösung statt Karriere-Rückblick
Michaels macht deutlich, dass die Dokumentation bewusst einen anderen Weg einschlägt, als es Fans vielleicht erwarten würden. Statt die sportlichen Glanzlichter seiner Laufbahn erneut in den Mittelpunkt zu rücken, öffnet der Film die Tür zu Kapiteln, die in bisherigen Produktionen über den Heartbreak Kid kaum Raum gefunden haben. Im Zentrum stehen seine persönlichen Brüche und das langwierige Ringen um Wiedergutmachung.
Nach eigener Aussage habe sich das Projekt kaum noch um die reine Wrestling-Karriere gedreht, sondern vielmehr um sein privates Umfeld, um Erlösung und um die Rückkehr zu Menschen, die er einmal verletzt habe. Besonders wichtig seien ihm die Gespräche gewesen, in denen er ehemalige Weggefährten um Verzeihung gebeten und diese auch erhalten habe. Den anschließenden Prozess der Versöhnung und des gemeinsamen Neuaufbaus von Beziehungen ordnet Michaels als emotionalen Kern der Produktion ein. So kitschig es auch klingen möge, darin liege für ihn der wahre Mehrwert gegenüber früheren Werken. Seinen Ruf als Showstopper und Ausnahme-Performer halte er dagegen für längst ausführlich dokumentiert.
Selbstzweifel vor der Produktion
Der Hall of Famer gab offen zu, dass er dem Projekt zunächst mit einer gewissen Skepsis begegnet sei. Über ihn existieren bereits zahlreiche Produktionen, weshalb er sich fragte, worin überhaupt der Mehrwert einer weiteren Dokumentation liegen könne. Seine eigene Geschichte habe er dabei keineswegs kleinreden wollen, doch das Gefühl, vieles sei bereits erzählt, blieb hängen. Genau dieser Gedanke habe seine Haltung zu Beginn geprägt.
Die Antwort auf seine Zweifel entstand letztlich durch die inhaltliche Verschiebung hin zu NXT und seiner aktuellen Rolle in der WWE. Während der Produktion habe er sich ganz bewusst herausgehalten und die kreative Linie den Filmemachern überlassen, da diese sein Feld besser beherrschten als er selbst. Mit einem Augenzwinkern fügte Michaels hinzu, dass er im fertigen Film sogar auf Material gestoßen sei, das er zuvor nie gesehen habe. Künftig, so scherzte er, müsse er wohl aufmerksamer sein, sobald Kameras in der Nähe seien.
Warum das WWE Crown Jewel Match fehlt
Für Aufsehen sorgt die Entscheidung, das umstrittene Comeback-Match von Shawn Michaels bei Crown Jewel 2018 vollständig auszuklammern. Das Duell gehört zwar zu den meistdiskutierten Momenten seiner späten Karriere, gilt für viele jedoch nicht als eines seiner prägenden oder wichtigsten Matches, sondern eher als kontroverses Spätkapitel. Auf die direkte Nachfrage, ob das Match in der Doku hätte auftauchen sollen oder intern besprochen wurde, blieb Michaels knapp. Ihm seien dazu keine Gespräche bekannt. Zudem passe das Match nach seiner Einschätzung nicht zum Konzept der Dokumentation, weil dort bewusst sein Privatleben und nicht seine Wrestling-Karriere im Vordergrund stehe.
Im Fokus standen laut Michaels seine persönliche Entwicklung und die Versöhnung mit früheren Weggefährten, nicht das erneute Aufwärmen einzelner Matches. Gerade in einer harten Branche sei es alles andere als selbstverständlich, zurückzukehren, um Verzeihung zu bitten, und diese auch zu erhalten. Dass seine Kollegen ihm diese Tür geöffnet hätten, habe den Wiederaufbau der Beziehungen erst möglich gemacht.
Aus dieser Entwicklung zieht er heute seine zweite Chance, die ihn zurück zu den jungen Stars bei NXT führt. Diese Gelegenheit nutzt er nach eigener Aussage, um der Branche etwas zurückzugeben, die ihm viel geschenkt habe. Darin sieht er den eigentlichen Mehrwert der Doku, während seine Verdienste als Showstopper und Performer bereits umfassend festgehalten seien.
Prominente Stimmen und NXT im Fokus
Zu Wort kommen in der Dokumentation unter anderem Triple H, The Undertaker, Kevin Nash und Bret Hart. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Michaels‘ heutiger Rolle bei NXT und darauf, wie er dort die nächste Generation prägt. Genau dieser Fokus gab den Ausschlag, dass er sich auf das Projekt einließ.
Virale Popkultur-Momente ohne eigenes Zutun
Parallel zur Veröffentlichung sorgt der 60-jährige Michaels seit Monaten immer wieder für Aufsehen außerhalb des klassischen Wrestling-Bereichs. Ob Deontay Wilders Nachstellung seines legendären Abschieds von Ric Flair bei einem Boxkampf in Anlehnung an WrestleMania 24 oder die Kooperation mit Sexyy Red bei NXT. Mit der eigenen Wirkung auf solche Crossover-Momente hat er selbst eigener Aussage zufolge wenig zu tun: „Ich bin jetzt fast 61 und der uncoolste Typ auf der ganzen Welt. Glaubt mir, meine Familie kann euch bestätigen, dass ich so gar nicht [cool] bin.“
Seine wichtigste Aufgabe bei NXT
Wie diese Zukunftsarbeit im Alltag konkret aussieht, machte Michaels besonders deutlich. Im WWE Performance Center stehe für ihn nicht die reine sportliche Formung der Talente im Vordergrund, sondern der Mensch, der sich hinter dem angehenden Superstar verberge. Aus seiner Sicht bestehe die eigentliche Aufgabe darin, aus den jungen Talenten gute Menschen zu machen, statt sie ausschließlich auf die Rolle als bestmögliche Profi-Wrestler zu trimmen.
Er schilderte, dass sich ein großer Teil seiner täglichen Arbeit mit Themen befasse, die abseits der Kamera stattfinden. Viele seiner Schützlinge seien sehr jung, hätten ihr Elternhaus erst kürzlich verlassen und stünden vor der Herausforderung, sich an einem neuen Lebensmittelpunkt zurechtzufinden. Genau an dieser Stelle setzt Michaels nach eigener Aussage an, indem er ihnen dabei hilft, die alltäglichen Hürden dieser Umbruchphase zu meistern.
Verschiedene Wege zum Ziel
Um die Vielfalt moderner Wrestling-Karrieren zu veranschaulichen, verwies Michaels auf Drew McIntyre und Cody Rhodes. Beide Karrieren zeigen, dass ein Umweg oder eine Phase außerhalb der WWE keine Sackgasse bedeuten muss: „Nicht jeder hat denselben Weg eingeschlagen wie ich, der darin bestand, mit 23 in die WWE zu kommen und dort großzuwerden. Man muss vielleicht einmal weggehen, aber das bedeutet nicht, dass es vorbei ist. Es gibt viele verschiedene Wege, um zum gleichen Ziel zu gelangen.“
Führung durch Vorbild statt Predigt
Einen kurzen persönlichen Einblick gab Michaels auch zu seinem christlichen Glauben, der seinen Führungsstil prägt. Er lebe seine Überzeugungen lieber, statt darüber zu reden. Zugleich grenzte er seine Rolle mit gewohnter Selbstironie klar ab: Für die Erlösung der Talente sei er nicht zuständig, das sei Jesus vorbehalten, während er selbst genug damit zu tun habe, nicht über die eigenen Füße zu stolpern.
Sein eigentliches Ziel als Kreativchef von NXT formuliert er entsprechend schlicht. Er möchte den Talenten Unterstützung in schwierigen Lebensphasen anbieten und sie im Zweifel an die richtigen Ansprechpartner weiterleiten:
„Wenn Sie in bestimmten Bereichen Ihres Lebens Schwierigkeiten haben, möchte ich Ihnen dabei helfen, sofern Sie sich dabei wohlfühlen. Wenn ich Ihnen nicht helfen kann, möchte ich Sie an Menschen weitervermitteln, die das können und weitaus kompetenter sind als ich.“
Hinterlasse jetzt einen Kommentar