Roman Reigns war der jüngste Gast im WWE-Podcast „What’s Your Story? With Steph McMahon“. Gemeinsam mit Stephanie McMahon sprach er ausführlich über seine Karriere, seine persönliche Lebensphilosophie und die Ratschläge, die er vom ehemaligen WWE-Vorsitzenden Vince McMahon erhalten hat.
Das Interview deckte viele Themen ab – von seiner Zeit als polarisierender Babyface-Charakter über seine Rolle als Familienmensch bis hin zu seinen gesundheitlichen Herausforderungen. Reigns gewährte dabei nicht nur Einblicke in seine Wrestling-Laufbahn, sondern sprach auch über persönliche Werte und seine Zukunft.
Vince McMahons prägende Ratschläge
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Beziehung von Reigns zu Vince McMahon. Obwohl er weniger direkte Zeit mit McMahon verbrachte als frühere Stars wie Hulk Hogan, Steve Austin oder Dwayne „The Rock“ Johnson, habe er von ihm entscheidende Lektionen gelernt.
McMahon habe ihm zwei besonders wichtige Ratschläge gegeben. Der erste bezog sich auf die Balance zwischen Beruf und Privatleben. Reigns erinnerte sich: „Er hat mir immer gesagt: ‚Du musst präsent sein, wenn du nach Hause gehst.‘“ Diesen Hinweis nahm er sich zu Herzen. Heute fällt es ihm schwer, von seiner Familie getrennt zu sein, wenn er für WWE unterwegs ist.
Der zweite Ratschlag drehte sich um Innovation und Timing. McMahon habe ihm erklärt, dass man seiner Zeit immer ein Stück voraus sein müsse, jedoch nie zu weit. „Ein wenig voraus, aber niemals zurück“, zitierte Reigns seinen Mentor. Dieser Grundsatz wurde für ihn zu einer Leitlinie für Kreativität, Geschäft und seine persönliche Entwicklung.
McMahons Rückzug aus WWE
Das Gespräch fand vor dem Hintergrund statt, dass Vince McMahon seit Anfang 2024 nicht mehr für WWE oder die Muttergesellschaft TKO Group Holdings tätig ist. McMahon trat als Executive Chairman zurück, nachdem die ehemalige WWE-Mitarbeiterin Janel Grant eine Klage eingereicht hatte.
Die Vorwürfe in dieser Klage sind schwerwiegend und beinhalten Anschuldigungen von emotionalem Missbrauch, sexuellen Übergriffen und Sexhandel. McMahon hat die Vorwürfe zurückgewiesen und angekündigt, sich vor Gericht zu verteidigen. Der Rücktritt markierte einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der WWE, da McMahon über Jahrzehnte hinweg die prägende Figur des Unternehmens war.
Für Reigns haben die Ratschläge, die er in seiner Karriere von McMahon erhielt, dennoch Bestand. Er machte deutlich, dass er diese Werte weiterhin in seine Arbeit und sein Privatleben einfließen lässt.
Die schwierige Babyface-Ära
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews war Reigns’ Zeit als Babyface. Nachdem er 2015 und in den darauffolgenden Jahren von WWE als Topstar aufgebaut wurde, reagierten die Zuschauer bei TV-Shows häufig mit Ablehnung und Buhrufen.
Reigns stellte jedoch klar, dass die Situation komplexer gewesen sei. Bei nicht im Fernsehen übertragenen Live-Events habe er oft die Unterstützung des Publikums gewonnen. Er glaubt, dass die negativen Reaktionen im Fernsehen vor allem aus einem kreativen Missverständnis resultierten. WWE habe sich nicht immer der Stimmung der Zuschauer angepasst.
In dieser Phase lehnte Reigns oft Textzeilen ab, die ihm zu einfach oder abgedroschen wirkten. Er wollte sich bewusster und auf einem höheren Niveau ausdrücken. Seiner Ansicht nach sollte seine Kommunikation intelligenter klingen und nicht nur so wirken wie typische Sprüche, die man auf der Straße hört. Gerade im familienfreundlichen PG-Programm war es für ihn eine persönliche Herausforderung, trotzdem kluge und anspruchsvollere Worte zu wählen.
Familie und Zukunftspläne
Ein immer wiederkehrendes Thema des Gesprächs war Reigns’ Familie. Der „Original Tribal Chief“ machte deutlich, dass er seine Karriere nicht auf Kosten seiner Liebsten führen möchte. Sein Ziel sei es, sowohl im Wrestling als auch in Hollywood erfolgreich zu sein, ohne sich für einen der beiden Wege entscheiden zu müssen.
Er erklärte, dass er sich vorstellen könne, parallel an einem Film mitzuwirken und zugleich bei einem großen WWE-Premium-Live-Event anzutreten. „Ich werde immer ein WWE-Superstar sein. Ich werde immer Roman Reigns sein“, stellte er klar.
Im Vergleich zu John Cena betonte Reigns, dass er andere Prioritäten setze. Cena habe offen eingeräumt, seine erste Ehe für die Karriere geopfert zu haben. Reigns erklärte, dass er diese Entscheidung für sich niemals treffen würde, da seine Familie für ihn an erster Stelle stehe.
Gesundheitliche Rückschläge und der Kampf gegen Leukämie
Besonders bewegend war Reigns’ Schilderung seiner gesundheitlichen Vergangenheit. Bereits während eines Trainingslagers bei den Minnesota Vikings wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert. Die Ärzte hatten bei einer Untersuchung eine stark erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen festgestellt.
Reigns gab zu, dass er die Diagnose damals zunächst verdrängte, da er voll auf seine Football-Karriere fokussiert war. In dieser schwierigen Zeit habe seine Mutter den größten Teil der Belastung getragen. „Gott sei Dank hatte ich sie“, sagte er.
Diese erste Diagnose war nicht die einzige Herausforderung, mit der er umgehen musste. Auch während seiner aktiven Wrestling-Karriere wurde seine Leukämie später erneut bekannt, als er 2018 eine längere Pause einlegte. Sein offener Umgang mit der Krankheit machte ihn zu einer wichtigen Stimme für Betroffene und brachte ihm weltweit Anerkennung ein.
Glaube und Unterstützung
Im Podcast kam auch Reigns’ enger Freund und früherer Teamkollege Calvin Johnson zu Wort. In einer Videobotschaft beschrieb Johnson Reigns als einen Mann des Glaubens, der durch seine Überzeugungen die Kraft gefunden habe, große Hindernisse in Siege zu verwandeln.
Reigns betonte, dass sein Glaube für ihn von größter Bedeutung ist. Er nannte ihn ‚alles‘ und erklärte, dass es für ihn wichtig sei, an etwas Größeres zu glauben. Dieser Glaube gebe ihm Halt und diene ihm wie ein fester Wegweiser, an dem er sich in allen Lebenssituationen orientieren kann.