Nattie über Selbstzweifel und warum der Goldberg-Kick für Bret Hart bis heute nachwirkt

Nattie blickt in die Kamera und spricht Klartext

Natalya gehört seit vielen Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten der WWE. Sie gewann Championship-Titel, stellte Langlebigkeitsrekorde auf und wird häufig als zukünftige Hall of Famerin bezeichnet. Dennoch machte sie in einem Interview deutlich, dass diese Erfolge ihr persönliches Empfinden nicht vollständig widerspiegeln.

Im Interview mit „Wrestling Life“ machte sie deutlich, dass Lob von außen und beruflicher Erfolg nicht automatisch zu innerer Erfüllung führen. Sie gab offen zu, über lange Zeit das Gefühl gehabt zu haben, eine bestimmte, stärkere Version ihrer selbst nicht vollständig ausgelebt zu haben. Wörtlich erklärte sie: „Diese Nattie jetzt – ich glaube, ich war es ihr schuldig, sie zum Leben zu erwecken, weil ich sie im Stich gelassen hatte. Ich glaube, ich hatte sie schon lange im Stich gelassen.“

Dabei stellte sie klar, dass sie ihre Karriere nicht herabwürdigen wolle. Sie erkenne an, wie ihre Laufbahn von außen betrachtet werde. Gleichzeitig betonte sie ihren Wunsch nach mehr kreativer Entfaltung: „Wenn ich es mir so anschaue – und das soll nicht heißen, dass die Figur Natalya keine großartigen Dinge geleistet hat. Viele Leute würden sagen: ‚Oh, sie ist eine Hall of Famerin der ersten Wahl. Sie hat all diese Dinge getan, all diese Erfolge in der WWE erzielt und eine unglaubliche Langlebigkeit gehabt.‘ Aber ich bin jemand, der es liebt, etwas aufzubauen, zu erschaffen und zu erfinden. Und ich fühlte mich sehr eingeengt.“

Die von ihr beschriebene „Nattie“ versteht sie nicht als Neuanfang, sondern als bewusste Kurskorrektur. Mit einer dunkleren und aggressiveren Ausrichtung möchte sie Aspekte ihrer Persönlichkeit in den Vordergrund rücken, die ihrer Ansicht nach bislang zu kurz kamen.

Der Goldberg-Kick und die Folgen für Bret Hart

Ein weiterer zentraler Punkt ihrer Aussagen betrifft den berüchtigten Vorfall zwischen Bret Hart und Goldberg bei WCW Starrcade 1999. Damals erlitt Bret Hart eine schwere Gehirnerschütterung, die letztlich zum Ende seiner aktiven Karriere führte.

In einem Gespräch bei „Wrestling Life with Ben Val“ las Natalya das Vorwort aus Bret Harts Buch „The Last Hart Beating“ vor. Darin hatte er ihr ursprünglich vom Wrestling abgeraten. Im Anschluss schilderte sie die nachhaltigen Auswirkungen der Verletzung auf ihren Onkel und die gesamte Familie: „Ich denke immer daran, wie sehr das Bret in vielerlei Hinsicht gebrochen hat, weil das Gehirn so empfindlich ist. Diese Verletzung hat ihn sehr mitgenommen – sie hat ihn einfach wirklich schwer verletzt.“

Sie machte deutlich, dass die Konsequenzen weit über das Karriereende hinausgingen: „Er erlitt dabei eine sehr schwere Hirnverletzung, die ihn nun für den Rest seines Lebens begleiten wird.“

Für sie steht dieser Moment exemplarisch für die körperlichen Belastungen, denen ihre Familie über Jahrzehnte ausgesetzt war. Sie zog Parallelen zu weiteren Schicksalen innerhalb der Hart-Familie: „Mein Vater starb ohne Vermögen und litt zudem an einer schweren Hirnverletzung. Mein Onkel Davey wurde nicht einmal 40 Jahre alt. Dynamite starb ebenfalls, körperlich stark gezeichnet und völlig mittellos. Deshalb habe ich mir immer vorgenommen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und am Ende nicht genauso zu enden.“

„Den Kreislauf durchbrechen“ als Lebensmotto

Für Natalya bedeutete dieser Gedanke, einen anderen Weg einzuschlagen als viele Mitglieder ihrer Familie. Nicht Ruhm oder Rekorde standen im Vordergrund, sondern das Ziel, die Strapazen des Geschäfts zu überstehen und dabei körperlich wie finanziell nicht zu zerbrechen.

Sie erläuterte, dass sich ihre Definition von Erfolg im Laufe der Zeit verändert habe: „Das Geheimnis des Gewinnens besteht nicht immer darin, die meisten Championships zu gewinnen, es bis zur WrestleMania zu schaffen oder den größten Vertrag der Welt zu bekommen. Darum geht es nicht. Es geht darum, sich selbst im Spiegel anzusehen und zu mögen, was man dort sieht. Das ist Gewinnen. Mit hoch erhobenem Kopf zu gehen, nicht pleite und nicht gebrochen.“

Nach fast zwei Jahrzehnten bei WWE betrachtet sie ihre Langlebigkeit und ihre körperliche Stabilität als ihre größte Errungenschaft. Die Erfahrungen rund um Bret Harts Verletzung sowie die gesundheitlichen und finanziellen Probleme ihres Vaters Jim Neidhart prägten ihren Blick auf das Geschäft nachhaltig.

Für Natalya geht es dabei weniger um Schuldzuweisungen, sondern um die langfristigen Konsequenzen und die Frage, wie man in einer körperlich intensiven Sportart bestehen kann, ohne sich selbst zu verlieren.

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