Nach schwerer Verletzung: Big E spricht über Rücktritt, New-Day-Storyline und seine Zukunft

Big E spricht ins WWE-Mikrofon

Der frühere WWE Champion Big E hat sich nach seiner schweren Nackenverletzung endgültig aus dem aktiven Wrestling zurückgezogen. In mehreren Interviews sprach er über die Gründe für diese Entscheidung, über kreative Entwicklungen rund um The New Day und über seine aktuelle Rolle bei WWE abseits des Rings.

Der Genickbruch von 2022 und die Entscheidung zum Karriereende

Fast vier Jahre sind vergangen, seit Big E zuletzt ein Match bestritten hat. Der ehemalige WWE Champion erlitt im Jahr 2022 eine schwere Nackenverletzung, nachdem er bei einer Ausgabe von Friday Night SmackDown in einem Tag Team Match gemeinsam mit Kofi Kingston gegen Sheamus und Ridge Holland antrat. Während des Matches führte Ridge Holland außerhalb des Rings einen Suplex aus, bei dem Big E auf seinem Nacken landete und sich das Genick brach. Seit diesem Vorfall hat er kein Match mehr bestritten.

Der heute 40-Jährige bestätigte Anfang Februar über seine sozialen Medien offiziell seinen Rücktritt vom aktiven Wrestling. In seiner Botschaft erklärte er seinen Fans, dass es „ein unermessliches Geschenk war, für euch alle auftreten zu dürfen“. Auch wenn er sich aus dem Ring zurückgezogen hat, bleibt er dem Unternehmen weiterhin verbunden und tritt gelegentlich bei ausgewählten WWE-Veranstaltungen auf.

In einem Interview mit „The Takedown“ von Sports Illustrated erläuterte Big E, dass seine Entscheidung, sich aus dem Ring zurückzuziehen, bereits kurz nach der Verletzung gefallen sei.

„Für mich war das, besonders als ich mir zum ersten Mal das Genick gebrochen hatte, wirklich kein großes Thema“, erklärte er. „Ich hatte keine Schmerzen, ich hatte überhaupt keine Gehirnerschütterung, ich hatte keine wirklichen Nervenprobleme. Ich dachte mir: ‚Okay, das wird schon wieder.‘ Und sie sagten mir zunächst, ich glaube, es waren acht Wochen mit einer Halskrause, und dann sollte es wieder gut sein.“

Im weiteren Verlauf stellten die Ärzte jedoch fest, dass es sich um eine sogenannte Jefferson-Fraktur handelte. Dabei handelt es sich um einen Bruch des ersten Halswirbels, der schwerwiegende Folgen haben kann: „Mein C1 war an zwei Stellen gebrochen, und wenn das passiert, heilt der C1 oft wie Knorpel. In diesen Lücken bildet sich also Knorpel, anstatt dass es zu einer Verknöcherung kommt und sich neuer Knochen bildet“, erklärte er.

„Nachdem ich mit [Dr. Juan Uribe] und einigen anderen Ärzten gesprochen hatte, flehte mich der Arzt fast an: ‚Hey, bitte, auch wenn Sie grünes Licht bekommen, Sie sind fit, Sie dürfen wieder in den Ring steigen, bitte überdenken Sie das noch einmal.‘“

Big E berichtete außerdem, dass der behandelnde Arzt erleichtert reagierte, als er seine Entscheidung zum Rücktritt äußerte: „Und als ich ihm sagte: ‚Ich glaube, ich neige definitiv dazu, aufzuhören‘, atmete er fast buchstäblich erleichtert auf. Bei jemandem, der das schon so lange macht und viel mehr über Wirbelsäulen und Nacken weiß als ich, habe ich definitiv darauf gehört.“

Eine Karriere mit großem Erfolg und körperlichen Belastungen

Bevor Big E überhaupt in das Wrestlinggeschäft einstieg, hatte seine Zeit im College Football und im Powerlifting bereits Spuren hinterlassen. Im Jahr 2009 unterschrieb er schließlich bei WWE und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem der bekanntesten Stars des Unternehmens.

Als Mitglied von The New Day gewann er gemeinsam mit Kofi Kingston und Xavier Woods acht Tag Team Championships. Im Jahr 2021 erreichte er einen weiteren Meilenstein, als er die WWE Championship gewann. Neben diesen Erfolgen wurde Big E auch WWE Grand Slam Champion.

Trotz seiner erfolgreichen Karriere musste er bereits vor der COVID-Pandemie mehrere Verletzungen verkraften. Gleichzeitig begann er zu beobachten, welche langfristigen körperlichen Folgen viele Veteranen des Sports tragen mussten: „Man sieht so viele Veteranen, Legenden, rund um WrestleMania, oft trifft man dort viele Leute, die man das ganze Jahr über nicht sieht. Und Mann, das ist ernüchternd. So viele von ihnen, die noch gar nicht so alt sind, kämpfen mit Schmerzen. Sie sind eindeutig nicht sehr mobil. Sie benutzen Gehhilfen, um sich fortzubewegen“, erklärte er.

Diese Eindrücke führten letztlich zu einer klaren Erkenntnis: „Und Mann, sagte ich mir, so sehr ich meine Karriere auch liebe, so sehr ich es auch liebe, Sportler zu sein, ich spiele wirklich mit meiner Gesundheit.“

Kritik am kreativen Verlauf der New-Day-Storyline

Neben seinem Rücktritt sprach Big E auch über eine viel diskutierte Entwicklung innerhalb der New Day Storyline. Das Trio gehörte über viele Jahre zu den beliebtesten Gruppierungen der WWE, doch am 2. Dezember 2024 kam es in einer Ausgabe von Monday Night Raw zu einem überraschenden Wendepunkt.

Während Xavier Woods und Kofi Kingston darüber sprachen, ob sie weiterhin als The New Day auftreten würden, kehrte Big E erstmals seit seiner Verletzung ins WWE-TV zurück. Während seiner Genesung bot er seinen Teamkollegen an, sie als Manager zu unterstützen. Woods und Kingston lehnten dieses Angebot jedoch ab und vollzogen erstmals seit acht Jahren einen Heel Turn.

Der Segment sorgte für große Aufmerksamkeit, wurde jedoch später von vielen Fans kritisiert, weil die Storyline nicht konsequent weitergeführt wurde. In seinem Interview erklärte Big E, dass er diese Kritik nachvollziehen könne: „Ich halte diese Kritik für sehr berechtigt“, erklärte er. „Kreativität ist bekanntlich ein Geben und Nehmen. Und ich bin nur ein Teil davon. Es sind noch viele andere Leute daran beteiligt. Das Kreativteam hat mir nur die allgemeine Idee vorgestellt, und ich dachte zunächst, dass ich zumindest in der Lage sein würde, nicht den Staffelstab weiterzugeben, aber wenn Kofi und Woods mit einem anderen Team zusammenarbeiten würden, könnte ich ihnen meinen Segen geben.“

Eine weitere Idee seinerseits war es, rund um den Royal Rumble eine eigene Wendung einzubauen, mit der er die beiden sogar noch übertrumpfen könnte. Er führte jedoch aus, dass eine Storyline mit einem Wrestler, der nicht in den Ring zurückkehren könne, schwierig sei: „Denn ich stimme zu, dass es keinen Sinn macht, diese Storyline weiterzuverfolgen oder Spannung mit jemandem aufzubauen, der nicht zurückkommt. Das verwirrt die Fans nur. Aber ich dachte mir, wenn wir das schon machen, gibt es vielleicht eine Möglichkeit, wie ich die Fackel an jemand anderen weitergeben oder ihm meinen Segen geben oder sagen kann: ‚Ich stehe hinter dir‘ oder was auch immer.“

Auch im Rückblick versteht Big E die Kritik vieler Fans an der fehlenden Auflösung der Geschichte: „In der kreativen Küche gibt es viele Köche, und wir hatten das Gefühl, dass wir das Beste aus dem gemacht haben, was uns gegeben wurde, und ja, so ist es auch ungefähr gelaufen.“

Im weiteren Verlauf erklärte er, dass er zahlreiche Reaktionen gesehen habe, nachdem klar wurde, dass eine Rückkehr von ihm nicht möglich sein würde. Viele Fans hätten sich gefragt, weshalb eine Storyline so stark auf eine Person ausgerichtet werde, die letztlich gar nicht zurückkehrt, und ob es in der Geschichte überhaupt noch eine Form von Konsequenz oder Vergeltung geben werde.

Big E betonte, dass er diese Sichtweise absolut verstehen könne. Aus seiner Perspektive sei die Kritik berechtigt, und er habe die entsprechenden Rückmeldungen der Fans wahrgenommen. Er finde es vollkommen legitim, dass Zuschauer diese Fragen stellen und die Situation entsprechend bewerten.

Warum Big E derzeit keine feste Kommentatorenrolle bei WWE anstrebt

Obwohl Big E nicht mehr aktiv im Ring steht, bleibt er weiterhin Teil der WWE. Seit seinem Rückzug aus dem Wrestling tritt er regelmäßig bei Pre- und Post-Show-Formaten rund um die Premium Live Events auf und ist damit weiterhin im WWE-Programm präsent.

Viele Fans haben sich dafür ausgesprochen, dass Big E dauerhaft als Kommentator eingesetzt werden könnte. Diese Möglichkeit wurde auch innerhalb der WWE diskutiert. Der ehemalige Champion erklärte jedoch, dass er aktuell nicht bereit sei, wieder dauerhaft auf Tour zu gehen: „Das ist möglich. Ich denke, das hängt von den Umständen ab. Ich muss sagen, dass ich momentan nicht wirklich bereit bin, über einen längeren Zeitraum jede Woche unterwegs zu sein. Gott segne all die Menschen, die zu mir gekommen sind oder sogar Tweets an die WWE geschickt haben mit der Bitte: ‚Lasst ihn kommentieren. Er hat es verdient, Kommentator zu sein.‘“

Innerhalb der WWE haben sich mehrere Personen für ihn eingesetzt, darunter auch der langjährige Kommentator Michael Cole: „Hört her, ich wurde schon mehrfach von Leuten innerhalb des Unternehmens angesprochen, Leuten, die sich für mich eingesetzt haben. Michael Cole war definitiv jemand, der mir zur Seite stand, und ich bin sehr dankbar für all die netten Dinge, die er über mich gesagt hat.“

Ein wichtiger Grund für seine Zurückhaltung ist für Big E der intensive Reiseplan bei WWE. Während seiner aktiven Karriere war er über viele Jahre nahezu jede Woche unterwegs und arbeitete häufig mehrere Shows pro Woche. Damals habe er dieses Leben als junger Wrestler sehr genossen und jede Gelegenheit genutzt, im Ring zu stehen.

Mit der Zeit habe sich seine Perspektive jedoch verändert. Heute schätzt er vor allem die Stabilität und die freie Zeit außerhalb des Tourlebens. Besonders seit Beginn seiner Beziehung mit seiner Verlobten genieße er es, auch längere Zeit am Stück zu Hause verbringen zu können und nicht mehr ständig unterwegs zu sein.

Big E bleibt WWE dennoch weiterhin verbunden

Auch ohne eine Vollzeitrolle hinter dem Kommentatorenpult bleibt Big E weiterhin Teil der WWE. Seine Einsätze bei Premium Live Events ermöglichen es ihm, weiterhin Kontakt mit den Talenten und dem Locker Room zu halten: „Ich bin sehr dankbar für diese Gelegenheit, Teil der Vor- und Nachberichterstattung zu den PLEs zu sein. Ich finde es toll, dass ich dadurch weiterhin im Umkleideraum bleiben und die Jungs und Mädchen sehen kann. Außerdem liebe ich es, so viele junge Talente auf ihrem Weg zu unterstützen.“

Neben seinen WWE-Auftritten arbeitet Big E außerdem an Projekten außerhalb des Wrestlings. Unter anderem ist er an Formaten rund um den NFL Draft beteiligt und arbeitet mit dem Datenanalyse-Unternehmen SūmerSports zusammen.

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