Im Fall um die Festnahme von Ludwig Kaiser in Florida liegen mittlerweile zwei vollkommen unterschiedliche Versionen des mutmaßlichen Vorfalls vor. Während der Haftbefehl auf einer Schilderung des Beschwerdeführers basiert, beschreibt eine neue Veröffentlichung einen ganz anderen Hintergrund. Klar ist nur eines: Eine Aufzugsfahrt in seinem Apartmentkomplex in Orlando hat juristische Folgen für den WWE-Star.
Was laut Haftbefehl im Aufzug passiert sein soll
Dem Haftbefehl-Ermittlungsbericht, der mehreren US-Medien vorliegt, zufolge soll sich der Vorfall am 23. April 2026 gegen 18:30 Uhr in den Paramount on Lake Eola Apartments in Orlando ereignet haben. Der Beschwerdeführer Richard Reap gab gegenüber der Polizei zu Protokoll, dass er den Aufzug betreten habe und kurz darauf von einem ihm unbekannten weißen Mann und einer ihm unbekannten weißen Frau begleitet worden sei.
Während der Aufzugsfahrt sollen sich die beiden in einer Weise verhalten haben, die Reap dem Bericht zufolge so beschrieb: „Unbeherrscht intim“. Hinter dem unbekannten Mann steht laut den Ermittlungen Ludwig Kaiser, dessen bürgerlicher Name Marcel Barthel lautet.
Streit im zwölften Stock und sichtbare Verletzungen
Im zwölften Stock soll Reap den Aufzug verlassen und das Paar zur Rede gestellt haben. Dem Ermittlungsbericht zufolge sagte er: „Bitte benimm dich anständig.“ Unmittelbar danach soll Kaiser ihn dem Bericht zufolge mehrfach geschlagen, zu Boden gestoßen und mit weiterer Gewalt bedroht haben.
Der eintreffende Polizeibeamte stellte am Hinterkopf von Reap eine große frische Kratzwunde sowie Rötungen fest, die nach Einschätzung der Polizei zu einer kürzlich erfolgten Auseinandersetzung passen.
Das Überwachungsmaterial aus dem zwölften Stock soll zudem einen weißen Mann zeigen, der Reap außerhalb des Aufzugs schlägt und schubst. Reap identifizierte Kaiser anschließend in einer Fotogegenüberstellung eindeutig als seinen Angreifer.
Gegendarstellung von Raj Giri rückt eine ICE-Drohung in den Mittelpunkt
Eine völlig andere Version des Vorfalls hat der Wrestling-Journalist Raj Giri veröffentlicht. Demnach befand sich Kaiser im Aufzug nicht mit einer unbekannten Frau, sondern mit seiner Freundin Andrea Bazarte, die als TV-Moderatorin im spanischsprachigen Bereich von WWE und AAA arbeitet. Beide hätten im Aufzug Zuneigung gezeigt, dabei aber kein auffälliges Verhalten an den Tag gelegt.
Reap soll während der Fahrt nichts gesagt haben. Erst nach dem Verlassen des Aufzugs im zwölften Stock soll Reap eine Bemerkung in Richtung Bazarte gemacht haben, die sich auf die US-Einwanderungsbehörde ICE bezog. Giri zitiert die Äußerung wie folgt: „Du musst verdammt noch mal etwas Respekt zeigen, bevor ich die Einwanderungsbehörde wegen dieser B*tch rufe.“
Danach sei Kaiser aus dem Aufzug gegangen und es sei zu einer Rangelei gekommen. Laut Giri seien dabei keine Schläge ausgetauscht worden.
Festnahme erst Wochen später nach Rückreise aus Mexiko
Wegen des Vorfalls wurde ein Haftbefehl gegen Kaiser ausgestellt. Davon erfuhr er laut übereinstimmenden Berichten am 19. Mai, als er sich aus beruflichen Gründen in Mexiko aufhielt.
Am 20. Mai kehrte er nach Orlando zurück und stellte sich den Behörden. Er wurde festgenommen, im Orange County Corrections registriert und gegen eine Kaution in Höhe von 1.000 US-Dollar wieder auf freien Fuß gesetzt. Er weist die Vorwürfe zurück und hat schriftlich „nicht schuldig” plädiert. Der Anklagepunkt lautet „leichte Körperverletzung“.
Auflagen, Reise-Antrag und keine Vorstrafen
Im Rahmen der gerichtlichen Auflagen darf Kaiser keinen Kontakt zum mutmaßlichen Opfer aufnehmen und muss einen klaren räumlichen Abstand einhalten. Außerdem darf er weder Waffen besitzen noch unter Alkoholeinfluss oder dem Einfluss nicht verschriebener Substanzen stehen.
Sein Anwaltsteam hat zusätzlich einen Antrag gestellt, dass Kaiser auch während des laufenden Verfahrens weiterhin beruflich reisen darf, da er als international tätiger Wrestler auf Auftritte in den USA und weltweit angewiesen sei. In dem Antrag wird zudem hervorgehoben, dass Kaiser keine Vorstrafen hat und bereit ist, an allen Gerichtsterminen teilzunehmen.
Folgen für AAA-Programm und das Mask vs. Mask Match am 30. Mai
Erste Auswirkungen auf den Terminkalender gibt es bereits. AAA hat einen geplanten Auftritt im Rahmen der Veranstaltung „Serenata para El Grande Americano“ in Mexiko-Stadt abgesagt. Trotz der laufenden Ermittlungen steht Kaiser aber weiterhin im Aufgebot für ein zentrales Match. Am 30. Mai soll er bei der AAA-Show „Noche de los Grandes“ als El Grande Americano in einem Mask vs. Mask Match auf Chad Gable treffen. Weder die WWE noch die AAA haben sich bisher öffentlich zur Festnahme, zur angeblichen ICE-Drohung oder zum weiteren Status von Kaiser geäußert.
Da derzeit zwei sehr unterschiedliche Versionen kursieren, dürfte die Aufmerksamkeit darauf gerichtet sein, ob Überwachungsvideos, weitere Zeugenaussagen oder das Verfahren selbst für mehr Klarheit sorgen.

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