Nach Anti-ICE-Chants bei AEW Grand Slam Australia: Eric Bischoff kritisiert Medienberichterstattung

Eric Bischoff vor Fans mit Anti-ICE Plakaten

Beim „AEW Grand Slam Australia“ am 14. Februar 2026 in der Qudos Bank Arena in Sydney kam es noch vor dem Main Event zwischen MJF und Brody King zu lautstarken „F*CK ICE“-Rufen aus dem Publikum. Die Chants begannen bereits während der Vorstellung der Wrestler und waren noch vor dem Eröffnungsgong in der gesamten Arena deutlich zu hören. Dadurch rückten die Reaktionen der Zuschauer ebenso stark in den Fokus wie das eigentliche Match.

Bereits am 4. Februar 2026 waren bei einer Ausgabe von AEW Dynamite in Las Vegas ähnliche Rufe vor einem Segment mit MJF zu hören. Laut Fightful Select fiel die interne Reaktion bei AEW auf diese Chants nicht negativ aus. Da die Sprechchöre inzwischen bei mehreren Veranstaltungen in den USA sowie international zu hören waren, entwickelten sie sich zu einem wiederkehrenden Gesprächsthema rund um die Promotion.

Unzensierte Ausstrahlung auf TNT und MAX

Die Veranstaltung in Sydney wurde in den USA nicht live ausgestrahlt. Zwischen dem Event in Australien und der späteren Ausstrahlung auf TNT sowie dem Streamingdienst MAX lagen mehr als zwölf Stunden. Dennoch wurden die Chancen in der aufgezeichneten Übertragung weder entfernt noch stummgeschaltet. Sie waren zu Beginn des Main Events deutlich zu hören.

Diese Entscheidung löste unmittelbar nach der Ausstrahlung eine breite Diskussion im Internet aus. Einige Zuschauer vertraten die Ansicht, dass Wrestling-Publikum schon immer frei und spontan reagiert habe und eine nachträgliche Bearbeitung künstlich wirken würde. Andere argumentierten, dass explizite Anti-ICE-Chants in einer landesweiten, aufgezeichneten Show eine Grenze überschreiten und unnötige Kontroversen erzeugen könnten.

Interne Reaktion bei AEW

Laut Fightful Select reagierte man bei AEW intern offenbar nicht überrascht auf die Geschehnisse. Dem Bericht zufolge waren bereits zu Beginn der Woche zahlreiche Talente abgereist, während viele andere für Dynamite nach Sacramento, Kalifornien, abreisten. Dadurch hätten mehrere Verantwortliche, darunter auch Tony Khan, von den kursierenden Gerüchten rund um Warner Bros. Discovery und Brody King zunächst nichts mitbekommen.

Zudem heißt es, dass mehrere AEW-nahe Quellen trotz des Veranstaltungsorts in Australien weiterhin mit „F*ck ICE“-Chants in Richtung Brody King gerechnet hätten – wir berichteten.

Innerhalb des Unternehmens sei man sich demnach bewusst gewesen, dass entsprechende Publikumsreaktionen auch bei einem internationalen Event möglich sind. Die Situation wurde offenbar nicht als unerwartete Zuspitzung wahrgenommen, sondern eher als Entwicklung, mit der man gerechnet hatte.

CNN greift Thema auf und bestätigt Beteiligung von Warner Bros. Discovery

Auch CNN berichtete in seiner Wirtschaftssektion über die Chants und deren mediale Wirkung. In dem Artikel wird Eero Laine, Theaterprofessor an der State University of New York in Buffalo mit Schwerpunkt Wrestling-Geschichte, zitiert. Laut CNN seien die „Anti-ICE“-Chants deshalb bemerkenswert, weil sie nicht unmittelbar mit der Storyline im Ring verbunden gewesen seien.

Der Beitrag beschreibt das Verhältnis zwischen WWE und AEW als „politisch gefärbte Rivalität“. Zudem wird in dem Artikel wörtlich festgehalten, dass Warner Bros. Discovery, der Mutterkonzern von CNN, eine Minderheitsbeteiligung an AEW hält.

Eine genaue Höhe dieser Beteiligung wurde nicht genannt. AEW-Präsident Tony Khan hatte in der Vergangenheit betont, dass er die vollständige Entscheidungsgewalt innerhalb des Unternehmens kontrolliere.

Eric Bischoff kritisiert CNN und Warner Bros. Discovery

In der Podcastfolge „83 Weeks“ äußerte sich Eric Bischoff deutlich zur Berichterstattung. Er stellte die Frage: „Warum sollte CNN, das zu Turner gehört, so was machen? Nach allem, was gerade so abgeht, musst du nur aufwachen, eine Tasse Kaffee trinken und dich mal umschauen, welche großen Firmen sich politisch engagiert haben und dann pleitegegangen sind. Öffentlich fertiggemacht, Börsencrashs – schau dir nur an, was mit Bud Light und Cracker Barrel passiert ist, schau dir an, was mit diesen amerikanischen Mainstream-Marken passiert ist, als sie beschlossen haben, Politik zu machen. Man muss nicht besonders klug sein, um zu erkennen, wie dumm das ist, es sei denn, es gibt einen Grund dafür.“

Weiter sagte er: „Was wäre überhaupt der Grund, diesen Artikel zu veröffentlichen? Weil Sie damit die Zuschauer dazu auffordern, sich zu beteiligen. Im Grunde genommen fordert Turner Broadcasting Sie damit auf, sich zu zeigen und sich gegen Trump zu stellen. Genau das haben Sie gerade getan. Das war die Absicht. Ob bewusst oder unbewusst, genau das ist passiert.“

Zur wirtschaftlichen Tragweite erklärte er sinngemäß, dass es aus seiner Sicht kaum nachvollziehbar sei, warum man ein solches Risiko eingehen sollte. Er stellte infrage, ob die Verantwortlichen tatsächlich so sehr an das AEW-Produkt glauben, dass sie mögliche negative Schlagzeilen und Auswirkungen auf den Aktienkurs akzeptieren würden, nur um eine Art „Wir gegen sie“-Erzählung im Wrestling-Fernsehen zu befeuern. Selbst eine bestehende Minderheitsbeteiligung rechtfertige seiner Ansicht nach kein derartiges Vorgehen, das er als kaum nachvollziehbar bezeichnete.

Er hinterfragte zudem den Zeitpunkt der Veröffentlichung und zeigte sich verwundert darüber, warum man ausgerechnet in der aktuellen Lage die eigene Unternehmensbeteiligung an AEW thematisiere. Angesichts der aus seiner Sicht derzeit angespannten weltweiten Situation und der wirtschaftlichen Unsicherheiten rund um Warner Bros. Discovery erscheine es ihm unverständlich, zusätzlichen Zündstoff zu liefern. Er verglich das Vorgehen sinngemäß damit, in einer ohnehin lodernden Situation bewusst noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, obwohl die weiteren Entwicklungen ungewiss seien.

Abschließend sagte Bischoff: „Es gibt immer noch Leute in sehr hohen Positionen, die wirklich dumme Entscheidungen treffen, weil sie keinen Bezug zum Publikum haben. Man kann in der Unterhaltungsbranche nicht erfolgreich sein, wenn man sein Publikum nicht kennt. Und wenn man glaubt, man sei so gut im Ring, dass man 50 % des Publikums verprellen kann und glaubt, das sei egal, dann hat man den Bezug zur Realität verloren. Und genau das passiert auf Unternehmensebene.“

Abschließend machte er deutlich, dass es sich aus seiner Sicht nicht um eine bloße Theorie handle, sondern um Entwicklungen, die man seiner Meinung nach aktuell vielerorts beobachten könne. Er warf Führungskräften großer Unternehmen vor, durch politisches Engagement und das Hineinziehen ihrer Marken in gesellschaftliche Kontroversen selbst erheblichen Imageschaden verursacht zu haben. Dabei gehe es, so seine sinngemäße Einschätzung, nicht um eine normale politische Diskussion, sondern um eine aufgeheizte Lage mit realen, teils gewaltsamen Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund stellte er infrage, warum ein Unterhaltungsunternehmen das Publikum indirekt dazu drängen sollte, sich auf eine Seite zu schlagen.

1 Kommentar

  1. Das Publikum hat sich bereits beteiligt. Nicht nur im Wrestling. MAGA hat gegen Bad Bunny bei der NFL revoltiert. MAGA hat sogar eine eigene Gegenshow auf die Beine gestellt. Ergebnis: 135:5 Millionen. Die 135 wohlgemerkt die höchste Einschaltquote einer Halbzeitshow aller Zeiten.

    Auch WWE verhält sich nicht Neutral: HHH lässt sich in Werbespot FÜR die Trump Administration vor den Karren spannen. Aber AEW/CNN sind plötzlich „dumm“ wenn sie sich politisch beteiligen?

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