MJF über AEW, sein WWE-Angebot und seine klare Haltung zu Anfeindungen

MJF steht ernst im Ring

MJF hat in einem Interview mit dem ehemaligen NFL-Profi Ross Tucker im Rahmen der Super Bowl Radio Row ausführlich über die Identität von All Elite Wrestling gesprochen, seine bewusste Entscheidung gegen WWE erläutert und zudem Stellung zu politischen Erwartungen an seine Person bezogen. Im Zentrum seiner Aussagen stehen Authentizität, Überzeugung und die klare Abgrenzung von politischen Rollenbildern, die er für sich selbst ablehnt.

Authentizität als Kern der AEW-Identität

MJF bezeichnete AEW als „massiv erfolgreich“ und beschrieb Tony Khan als Visionär, der eine Marktlücke erkannt habe. Seiner Darstellung zufolge habe Khan verstanden, dass es neben einem Marktführer wie WWE Raum für eine Alternative gebe. Er verglich die Situation mit bekannten Marken aus dem Cola- oder Fast-Food-Bereich, bei denen ebenfalls mehrere Anbieter nebeneinander existieren.

Nach MJFs Einschätzung habe sich dieses Konzept erfolgreich in Hollywood etablieren lassen. AEW veranstaltet inzwischen nahezu monatliche Pay-per-Views. Die wöchentlichen Formate Dynamite und Collision lägen regelmäßig in den vorderen Rängen der Kabel- und Streamingquoten. Als Beispiel für den internationalen Erfolg verwies MJF auf ein Stadion-Event im Wembley-Stadion mit rund 82.000 Zuschauern, das er im Main Event gewann.

Zur Abgrenzung von anderen Promotions nutzte er einen Vergleich aus der Gastronomie. Während andere Anbieter im Wrestling-Bereich seiner Einschätzung nach eher „Fast Food“ servierten, biete AEW „Gourmet-Burger“. Für ihn stehe dieser Vergleich sinnbildlich für ein hochwertigeres und authentischeres Produkt. Diese Authentizität sei ein zentraler Bestandteil des Erfolgs und entspreche Tony Khans ursprünglicher Idee für die Promotion.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sieht MJF in der Rolle des Publikums. AEW sei „die zuhörende Company“, in der Fans eine Stimme hätten. Als aktuelles Beispiel nannte er eine Ausgabe von Dynamite in Las Vegas, bei der ein „F*** ICE“-Chant im Publikum zu hören war. Er stellte heraus, dass AEW solche Reaktionen nicht zensiere, während andere Promotions in einer vergleichbaren Situation wohl eingreifen würden. Genau diese Offenheit mache AEW seiner Ansicht nach besonders – wir berichteten.

Warum MJF sich gegen WWE entschied

Im Gespräch mit Ross Tucker sprach MJF auch über den Wendepunkt seiner Karriere. Er erklärte, dass sein Aufstieg schneller verlaufen sei als bei den meisten Wrestlern. Zur Veranschaulichung zog er einen Vergleich mit dem Minor-League-System im Baseball und sagte wörtlich: „Vor AEW war ich im sogenannten Independent Circuit des professionellen Wrestlings tätig. Das ist nicht anders als im Baseball – es gibt Single A, Double A und Triple A. Man beginnt bei Single A, arbeitet sich zu Double A hoch, dann zu Triple A, und wenn man gut genug ist, spielt man in der Major League.“

Mit 19 Jahren unterschrieb er einen Vertrag bei Major League Wrestling. Dazu sagte er: „Mit gerade einmal 19 Jahren wurde ich bei einer Wrestling-Liga namens Major League Wrestling unter Vertrag genommen, was damals völlig ungewöhnlich war. Dort habe ich viele Championships gewonnen.“

Als er 22 Jahre alt war, lagen ihm laut eigener Aussage Angebote von WWE und AEW vor. Seine Entscheidung begründete er folgendermaßen: „Und dann, im Alter von 22 Jahren, kam WWE auf mich zu und bot mir einen Vertrag an, und AEW kam auf mich zu und bot mir einen Vertrag an. Und ich entschied mich für All Elite Wrestling, weil ich an das Leitbild von All Elite Wrestling glaube. Dort sollen die Besten wrestlen.“

Diese Wahl prägte seine weitere Karriere. Er entwickelte sich zu einem der prägenden Gesichter der Promotion und gewann später den World Title.

„Das ist nicht meine Aufgabe“ – MJF über politische Erwartungen

Neben seiner Karriere sprach MJF auch über antisemitische Anfeindungen in sozialen Medien. Er erklärte: „Ich glaube, der Antisemitismus ist derzeit so stark wie nie zuvor, zumindest seit ich lebe. Das ist sehr traurig, denn aufgrund von Entscheidungen, die von einer Regierung getroffen werden, der ich nicht angehöre – ich bin Amerikaner, werden jüdische Amerikaner auf der ganzen Welt angegriffen, weil eine Regierung auf der anderen Seite der Welt bestimmte Entscheidungen trifft. Wie kann das Sinn machen? Das macht es nicht.“

Weiter führte er aus: „Meiner Meinung nach ist es auch von Natur aus antisemitisch, wenn ich etwas poste und jemand unter den Kommentaren schreibt: ‚Free Palestine‘. Okay, toll. Ich freue mich, dass Sie etwas haben, das Sie unterstützen möchten, und es ist eine großartige Sache. Aber was hat das mit mir zu tun? Buchstäblich nichts.“

Er ergänzte: „Wenn etwas aufgrund einer Sache zur Sprache kommt, die kaum etwas mit mir zu tun hat, und die einzige Verbindung, die ich dazu habe, mein Judentum ist, dann ist das meiner Meinung nach von Natur aus antisemitisch.“

Zur Verdeutlichung sagte er außerdem: „Das wäre genauso, als würde ich etwas online posten und jemand, den ich nicht kenne, würde den Holocaust ansprechen. Das ist einfach seltsam. Ich habe mit dieser Situation oder diesem Szenario nichts zu tun.“

Abschließend machte er deutlich, dass er nicht als politisches Sprachrohr fungieren möchte: „Nun, wir könnten jetzt eine Stunde lang hier sitzen und darüber reden, was dort vor sich geht. Erstens möchte ich das nicht. Das ist nicht meine Aufgabe. Meiner Meinung nach wollen die meisten Menschen gar nicht wissen, was Profisportler über solche Dinge denken, denn im Moment denke ich, dass die Menschen vor allem Ruhe und Erholung von all dem schrecklichen Mist brauchen, der gerade in der Welt passiert.“

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