MJF hat in einem ausführlichen Auftritt bei The Ariel Helwani Show mehrere persönliche Standpunkte aufgegriffen. Der ehemalige AEW World Champion ordnete dabei sowohl eine kürzliche Auseinandersetzung mit TNA-Präsident Carlos Silva neu ein als auch seine Sicht auf zwei der größten Legenden des Wrestlings überhaupt. Mehrere seiner Aussagen werden seit der Veröffentlichung der Show kontrovers diskutiert und sorgen für klar erkennbare Positionsverschiebungen im Vergleich zu früheren Äußerungen.
Die Vorgeschichte zur Carlos-Silva-Auseinandersetzung
Hintergrund der Carlos-Silva-Episode war ein geplantes Match zwischen MJF und Nic Nemeth für die Independent-Promotion Create-A-Pro Wrestling. Das Match war ursprünglich für den 1. Mai 2026 angesetzt und wurde im April 2026 abgesagt, nachdem TNA-Präsident Carlos Silva eine neue Regelung etabliert hatte, die es TNA-Talenten untersagt, bei Independent-Veranstaltungen gegen AEW-Stars anzutreten.
Hintergrund der Regelung war die Sorge, dass AEW Collision während der Berichterstattung über das NCAA-College-Basketball-Turnier am 2. April 2026 zeitgleich mit TNA Impact ausgestrahlt werden könnte. Nach der Absage hatte MJF Silva öffentlich heftig kritisiert, ihm Lügen vorgeworfen und ihn sogar beleidigt.
MJFs neue Einordnung
Im Gespräch mit Ariel Helwani räumte MJF nun ein, möglicherweise überreagiert zu haben. Er habe inzwischen mehr über Silvas Hintergrund erfahren und sehe die Situation differenzierter. Silvas Sorge sei gewesen, dass AEW Collision absichtlich auf den TNA-Impact-Sende-Termin gelegt worden sei. Tatsächlich sei AEW jedes Jahr während der College-Basketball-Playoffs auf einen anderen Sende-Tag verschoben worden, namentlich auf den Donnerstag, was Warner Bros. Discovery eigenständig entschieden habe.
Silva habe von dieser Praxis nichts gewusst und sich dadurch beleidigt gefühlt, was zur Match-Absage führte. MJF gab zudem zu, ursprünglich frustriert gewesen zu sein, weil ihm ein Match gegen Nic Nemeth weggenommen wurde, auf das er sich gefreut hatte. Zudem habe die Absage allen finanziell Beteiligten Geld gekostet.
MJF zeigt sich nachsichtig
Trotz der ursprünglichen Wut zeigte sich MJF im Helwani-Gespräch nachsichtig. Er habe inzwischen positive Stimmen über Silva gehört. Backstage gelte der TNA-Präsident als guter Mensch, der sich gerade erst in das Wrestling-Geschäft einarbeite und vergleichsweise unerfahren in der Branche sei.
Carlos Silva wurde im Februar 2025 offiziell TNA-Präsident, nachdem er zuvor Führungspositionen bei MMA-Veranstaltern wie der Professional Fighters League und der World Series of Fighting innehatte. Vor seiner TNA-Tätigkeit war er Führungskraft bei Anthem Sports and Entertainment, dem TNA-Mutter-Unternehmen.
Der Bret-Hart-Komplex und die Goldberg-These
Ein zweiter zentraler Themenbereich des Helwani-Gesprächs war MJFs harter Angriff auf Bret Hart. Der ehemalige AEW World Champion erinnerte zunächst an seine berühmte Promo, die er beim ersten Double or Nothing im Jahr 2019 gegen Bret Hart gehalten hatte. Persönliche Probleme gebe es zwischen ihm und Hart nicht, betonte MJF. Allerdings griff er das öffentliche Verhaltensbild Harts der vergangenen Jahre scharf an.
Hart sei von Goldberg derart hart attackiert worden, dass er seine Karriere beenden musste. Seitdem rede er regelmäßig wirres Zeug, das in 99 Prozent der Fälle keinen Sinn ergebe. Damit positioniert MJF die berühmte Goldberg-Hart-Episode aus dem WCW Starrcade 1999 als zentrales Karriere-Ende und mögliche neurologische Ursache aktueller Hart-Aussagen.
Der Punch-Drunk-Vorwurf und die Größten-aller-Zeiten-Einordnung
MJF nannte Hart konkret punch drunk, also einen Boxer-Begriff für die langfristigen neurologischen Folgen wiederholter Kopf-Verletzungen. Gleichzeitig bezeichnete er den WWE Hall of Famer als einen der größten Wrestler aller Zeiten. „Gott segne ihn“, sagte MJF zudem, was die paradoxe Tonalität seiner Hart-Einordnung unterstreicht. Hart bleibe trotz der aktuellen Kritik ein Wrestling-Phänomen mit historischer Bedeutung, allerdings habe er eben mit den Konsequenzen seiner Ring-Karriere zu kämpfen.
Die Shawn Michaels Bevorzugung und die Argumente-Liste
Den eigentlichen Kernpunkt seiner Aussagen zu Bret Hart lieferte MJF anschließend, als er auf die jahrzehntealte Debatte zwischen Bret Hart und Shawn Michaels einging. Sein Urteil: Shawn Michaels war Bret Hart in fast jeder Hinsicht überlegen. MJF lobte Michaels als den besseren Redner, den athletischeren Ring-Wrestler, den spannenderen Auftritts-Performer und den insgesamt stärkeren Publikumsmagneten.
Bret Hart war in einer Zeit des Wrestlings erfolgreich, in der pure Ringarbeit auch ohne überragende Promo-Fähigkeiten ausreichte. Eine wirklich unvergessliche Promo, über die am nächsten Tag in der Schule gesprochen worden wäre, hat er jedoch nie abgeliefert. Damit positioniert sich MJF deutlich in der historischen Debatte um die erfolgreichere Wrestling-Karriere der 1990er Jahre.
