Michael Cole erlebt WWE aus einer Perspektive, die den Zuschauern meist verborgen bleibt. Im Gespräch mit Bobby Burack von OutKick gab er Einblicke in seine Zukunftspläne, seinen veränderten Arbeitsalltag und eine wieder aufgelebte Freundschaft.
Michael Cole möchte möglichst bis 65 kommentieren
Cole hat eine persönliche Orientierung für seinen späteren Abschied vom Kommentatorenpult: Er würde gerne bis zum Alter von 65 Jahren weitermachen. Einen genauen Rücktrittstermin nannte er jedoch nicht. Sein mehrjähriger WWE-Vertrag ermöglicht es ihm zunächst, noch einige Zeit im Unternehmen zu bleiben.
„Ich möchte das Rentenalter erreichen. Ich würde gerne bis 65 kommen, wenn ich kann“, erklärte Cole. Wichtiger als eine bestimmte Zahl ist ihm allerdings die Qualität seiner Arbeit. Deshalb habe er mit Paul Levesque, seinem Vorgesetzten Lee Fitting und seinen Produzenten bereits darüber gesprochen, dass er ehrliche Rückmeldungen erwartet.
„Wenn sie glauben, dass ich in irgendeiner Weise nachlasse, möchte ich das wissen. Denn ich möchte aufhören, solange ich noch auf der Höhe meines Könnens bin.“ Cole will verhindern, dass Kollegen aus Rücksicht auf seine Gefühle schweigen und er selbst den richtigen Zeitpunkt für seinen Abschied verpasst.
Er habe sowohl im Wrestling als auch im übrigen Sport erlebt, dass Kommentatoren weit über ihre besten Jahre hinaus am Mikrofon geblieben seien. Für sich selbst wünsche er sich einen anderen Abschluss: „Ich möchte, dass die Leute beim Abschied denken: Er war ein verdammt guter Kommentator. Ich möchte nicht dafür in Erinnerung bleiben, dass ich kaum noch durch eine Show gekommen bin.“
Er empfinde seine Arbeit jedoch noch als erfüllend. Ob Countdown-Show oder Matchkommentar: Sobald die rote Kameraleuchte angeht, hat er Spaß. Sollte dieses Gefühl verschwinden, wäre das für ihn auch ein Grund, aufzuhören.
Weniger Führungsaufgaben, weiterhin viele Reisetage
Seinen Arbeitsalltag hat Cole bereits vor einiger Zeit verändert. In den ersten 26 oder 27 Jahren bei WWE hat er neben seinen Auftritten zahlreiche weitere Aufgaben übernommen. Dazu gehörten die Produktion von Live-Veranstaltungen, zeitweise die Verantwortung für die WWE-Website und über mehr als zehn Jahre die Leitung des Kommentatorenbereichs.
„Vor ein paar Jahren habe ich entschieden, dass ich nur noch als Talent arbeiten möchte“, erläuterte er. Die Abgabe seiner Führungsaufgaben ist damit keine neue Entwicklung. Neu schilderte Cole jedoch ausführlicher, wie sehr dieser Schritt seine Belastung reduziert habe. Eine große Herausforderung sei geblieben: das Reisen.
Für das vergangene Jahr schätzte Cole seinen Aufenthalt unterwegs auf etwa „200 bis 230 Tage“. Zu den regulären Fernsehwochen kämen zusätzliche Tage rund um Premium Live Events und längere Auslandsreisen. Eine internationale Veranstaltung könne bedeuten, dass er gleich eine ganze Woche von zu Hause entfernt sei.
Auch zwischen den Reisen endet seine Arbeit nicht. Vor dem OutKick-Gespräch habe er vier Stunden Sprachaufnahmen für WWE 2K absolviert und bereits an zwei weiteren Tagen daran gearbeitet. Hinzu komme die Vorbereitung auf Übertragungen. Gerade für Money in the Bank seien zahlreiche Statistiken und historische Informationen zu recherchieren.
Warum Cole sich bei manchen Matches überraschen lässt
Gründliche Vorbereitung bedeutet für Cole allerdings nicht, jedes Ergebnis vorher kennen zu müssen. Seine Kenntnis der geplanten Matchausgänge beschrieb er ungefähr mit „fifty-fifty“. Manchmal benötige er die Informationen, um dem Publikum die Richtung einer Geschichte vermitteln zu können. In anderen Fällen verzichte er bewusst darauf, damit seine unmittelbare Begeisterung die Übertragung prägen könne.
Als Beispiele nannte er Brock Lesnars Sieg über den Undertaker bei WrestleMania und Seth Rollins’ späteren WrestleMania-Cash-in. Beide Entwicklungen habe er vorher nicht gekannt.
Aus seiner Sicht eignen sich die Money in the Bank Premium-Live-Events besonders dafür, sich überraschen zu lassen. Er ordnet die Veranstaltung inzwischen nahezu auf eine Stufe mit Royal Rumble und Survivor Series ein. Entscheidend sei die Möglichkeit, dass der Gewinn des Koffers eine Karriere grundlegend verändern könne.
Mit CM Punk knüpfte Cole an die frühere Freundschaft an
Ein weiteres Thema war sein Verhältnis zu CM Punk. Während seiner ersten WWE‑Zeit seien sie eng befreundet gewesen. Nach Punks Abschied hätten sie jedoch über längere Zeit kaum miteinander gesprochen. Cole beschrieb das als eine Eigenheit des Wrestling-Alltags: Menschen könnten während der gemeinsamen Arbeit sehr eng verbunden sein und nach einem Wechsel jahrelang den Kontakt verlieren.
Auf Punks Rückkehr habe er sich gefreut, auch wenn er zunächst nicht gewusst habe, wie Punk auftreten und wie die Umkleide reagieren würde. Seine eigene Erfahrung seit dem Comeback falle positiv aus: „Ich hatte keine Probleme mit ihm. Wir sprechen ständig miteinander, und es ist fast so, als hätten wir keinen einzigen Tag verpasst.“
Cole räumte ein, dass Punk während seiner Abwesenheit auch Bemerkungen über ihn gemacht habe. Welche Aussagen er meinte, führte er nicht näher aus. Er wolle daraus jedoch keinen dauerhaften persönlichen Konflikt machen.
„Du kannst nicht nachtragend sein. Wenn du in unserem Geschäft alles persönlich nimmst, wirst du nicht bestehen“, erklärte Cole. Für ihn zähle, gemeinsam erfolgreich zu arbeiten, Zuschauer zu unterhalten und seine Familie versorgen zu können. Frühere Meinungsverschiedenheiten stehen seiner heutigen Zusammenarbeit mit Punk nach eigener Darstellung nicht im Weg.
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