Jim Johnston prägte über Jahrzehnte den Klang von WWE und schuf einige der bekanntesten Entrance Themes der Wrestling-Geschichte.
In neuen Interviews blickte der ehemalige WWE-Komponist nicht nur auf seine außergewöhnliche Arbeitsweise zurück, sondern äußerte sich auch kritisch zur aktuellen Präsentation bei WWE und AEW. Zudem beantwortete er die Frage, ob er noch einmal für seinen früheren Arbeitgeber tätig werden könnte.
Jim Johnston sieht ein Problem bei WWE und AEW
Im Gespräch mit „The False Face“ erklärte Johnston, dass ihn ein Großteil der heutigen Entrance-Musik bei WWE und AEW nicht überzeuge. Dabei richtet sich seine Kritik ausdrücklich nicht gegen die Wrestler selbst. Nach seiner Einschätzung gibt es in beiden Promotions zahlreiche Talente mit dem Potenzial, erheblich größere Stars zu werden.
Das Problem liege vielmehr in ihrer Präsentation. Viele Themes würden für Johnston zu ähnlich klingen und nur wenig darüber vermitteln, welcher Charakter gleich zum Ring kommt. Dadurch gehe ein wichtiger Bestandteil verloren, der früher dazu beigetragen habe, Wrestler bereits vor ihrem eigentlichen Auftritt unverwechselbar erscheinen zu lassen.
Johnstons Anspruch war stets, dass Zuschauer innerhalb der ersten Sekunden erkennen sollten, wessen Entrance begonnen hat. Ein Theme müsse nicht lediglich gut klingen, sondern unmittelbar die Persönlichkeit des Wrestlers transportieren und beim Publikum eine bestimmte Emotion auslösen.
Fehlende Identität erschwert aus seiner Sicht die Entstehung neuer Megastars
Johnston geht sogar noch weiter: Er sieht die Entwicklung der Entrance-Musik als einen Faktor dafür, dass WWE und AEW aus seiner Sicht derzeit keine neuen Stars auf dem Niveau von Steve Austin oder The Rock hervorbringen. Er hält es für möglich, dass potenzielle Megastars bereits in den aktuellen Rostern vorhanden sind. Ausschlaggebend sei jedoch das Gesamtpaket aus Storyline, Erscheinungsbild, Charakter und Musik.
Johnston verweist als Beispiel auf Steve Austin. Bevor dieser zu einem der größten Namen in der Geschichte des Wrestlings wurde, trat er bei der WWE zunächst als „The Ringmaster“ auf. Erst die richtige Kombination aus Persönlichkeit, Präsentation und weiteren Elementen hat den Charakter auf eine völlig andere Ebene gebracht.
Johnston hält es deshalb für einen Fehler, Entrance-Musik lediglich als Hintergrundbegleitung zu betrachten. Für ihn gehört sie unmittelbar zur Identität eines Wrestlers.
Johnston widerspricht einer bekannten Geschichte über Steve Austins Theme
Johnston schilderte die Entstehung des legendären Stone Cold Themes anders als Steve Austin. Während Austin mehrfach erklärte, Rage Against the Machine als Orientierung genannt zu haben, sei die musikalische Grundlage laut Johnston bereits zuvor entstanden.
Er habe sie für düstere Videos komponiert, mit denen WWE Austin vom Ringmaster zum Stone-Cold-Charakter entwickelte. Spätere Hinweise Austins zur gewünschten Energie schließt Johnston nicht aus.
Brock Lesnars Musik war ursprünglich für die XFL bestimmt
Auch Brock Lesnars Theme war ursprünglich nicht für ihn gedacht. Johnston komponierte das Stück 2001 für das XFL-Team Chicago Enforcers. Als Lesnar später zu WWE kam, wurde ihm die Musik zugeordnet.
Johnston hatte diese Kombination nicht selbst vorgeschlagen, empfand sie rückblickend aber als außergewöhnlich passend und als Beispiel dafür, wie stark ein Theme die Identität eines Wrestlers prägen kann.
Teilweise blieben Johnston nur 90 Minuten für ein neues Theme
Johnston gewährte auch Einblicke in die Bedingungen, unter denen viele seiner berühmten Stücke entstanden. Nicht immer erhielt er umfangreiche Informationen über einen neuen Charakter. Teilweise wusste er nur wenige Details über die Person, für die er Musik entwickeln sollte. Besonders kurzfristige kreative Änderungen konnten dazu führen, dass ihm im Extremfall gerade einmal rund 90 Minuten blieben, um ein neues Theme fertigzustellen.
Diese Arbeitsweise hing auch mit Vince McMahons damaligem Führungsstil zusammen. Shows und kreative Entscheidungen konnten sich noch kurz vor einer Ausstrahlung verändern, wodurch Johnston immer wieder äußerst kurzfristig reagieren musste. Trotz dieses Drucks wollte er vermeiden, einfach vorhandene Musikrichtungen oder erfolgreiche Themes zu kopieren.
Johnston wollte Wrestler nicht nach ihrem persönlichen Musikgeschmack präsentieren
Johnston arbeitete bewusst nicht zu eng mit den Wrestlern zusammen, weil deren persönlicher Musikgeschmack aus seiner Sicht nicht automatisch zur jeweiligen Wrestling-Figur passte. Statt Lieblingsbands oder vorhandene Stilrichtungen einfach zu übernehmen, betrachtete er jeden Wrestler wie die Hauptfigur eines eigenen Films und das Entrance Theme als die dazugehörige Filmmusik.
Auch zum WWE-Produkt hielt Johnston teilweise bewusst etwas Abstand. Er war nach eigener Aussage nie der klassische Wrestling-Fan und sah gerade diese Außensicht als kreativen Vorteil. Kevin Dunn habe ihn zwar mehrfach dazu gedrängt, die Shows intensiver zu verfolgen, Johnston glaubte jedoch, dass ihm die Distanz dabei half, Charaktere stärker über ihre Wirkung, Emotionen und musikalische Identität zu erfassen.
Eine Rückkehr zu WWE würde Johnston grundsätzlich reizen
In einem weiteren aktuellen Interview beim All Axxess Entertainment Podcast wurde Johnston gefragt, ob er sich vorstellen könne, noch einmal Musik für WWE zu produzieren. Grundsätzlich wäre er dazu bereit. Mit einer entsprechenden Anfrage rechnet er allerdings kaum.
Johnston vermutet, dass Triple H ihn möglicherweise eng mit der Ära von Vince McMahon verbindet und beim Aufbau seiner eigenen Führungsstruktur lieber mit anderen Mitarbeitern zusammenarbeiten wollte. Dabei betonte Johnston, dass es sich dabei lediglich um seine persönliche Einschätzung handele und diese nicht auf einer entsprechenden Aussage von Triple H basiere. Er erwartet deshalb auch von der derzeitigen WWE-Musikabteilung keine Anfrage.
Johnston sieht Vince McMahon trotz aller Kritik als kreativen Antreiber
Bei seiner Kritik an moderner Wrestling-Musik blickte Johnston zugleich auf die Zusammenarbeit mit Vince McMahon zurück. Unabhängig davon, ob er jede Entscheidung McMahons unterstützte, schätzte Johnston dessen ständigen Wunsch nach Veränderung. McMahon habe immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, das Produkt weiterzuentwickeln und Dinge anders zu präsentieren.
Genau darin erkannte Johnston eine Gemeinsamkeit mit seiner eigenen Arbeitsweise. Auch er wollte musikalisch nicht einfach wiederholen, was bereits funktioniert hatte, sondern für unterschiedliche Charaktere jeweils eine eigene Identität erschaffen.

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