Kläger im Ring Boy-Skandal kontern WWE, TKO und McMahons: Brisanter Einspruch vor Gericht eingereicht

– Der Rechtsstreit um den sogenannten Ring Boy-Skandal hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Acht Männer, die gegen WWE, die TKO Group sowie Vince und Linda McMahon Klage wegen sexuellen Missbrauchs eingereicht haben, haben am 22. Juli 2025 vor dem Bundesgericht in Maryland offiziell auf die Bemühungen der Beklagten reagiert, die Klage aus formalen Gründen abzuweisen. Die Kläger halten an ihrer Forderung fest, dass der Fall im Bundesstaat Maryland verhandelt werden muss, da der Missbrauch dort stattgefunden habe und die Verantwortlichen ihrer Schutzpflicht nicht nachgekommen seien.

Vorwürfe gegen verstorbene WWE-Offizielle

In der Klageschrift wird dargelegt, dass die Kläger während ihrer Tätigkeit als sogenannte „Ring Boys“ durch den langjährigen WWE-Mitarbeiter Mel Phillips sexuell missbraucht worden seien. Einer der Kläger erhebt zudem Missbrauchsvorwürfe gegen den inzwischen verstorbenen WWE-Offiziellen Pat Patterson. Die Namen der Kläger sind der Öffentlichkeit nicht bekannt, wurden jedoch der Gegenseite offengelegt.

Verbindung zu Maryland als zentrales Argument

Ein zentraler Aspekt der Klage ist die geografische Zuständigkeit. Die Kläger führen an, dass der Missbrauch in Maryland stattfand, einem Bundesstaat, in dem WWE über Jahrzehnte hinweg regelmäßig präsent war. Das Anwaltsteam der Kläger verweist auf mehrere hundert WWE-Veranstaltungen, darunter fast 100 Episoden der Sendung Tuesday Night Titans, die zwischen 1984 und 1986 im Ort Owings Mills, einem Vorort von Baltimore, aufgezeichnet wurden. Laut Klage waren die Kläger Kinder, die bei diesen WWE-Veranstaltungen unter Aufsicht von WWE-Offiziellen standen. Sie argumentieren, dass das Gesetz von Maryland auf den Fall anzuwenden sei.

Streit um die Rolle der „Ring Boys“

WWE bestreitet eine direkte Verantwortung und argumentiert, dass die betroffenen Männer nicht offiziell beim Unternehmen angestellt gewesen seien, sondern Phillips unterstanden hätten. Die Kläger widersprechen dieser Darstellung deutlich. Sie erklären, dass es sich bei ihnen zwar nicht um offiziell angestellte Mitarbeiter gehandelt habe, sie aber faktisch als Arbeiter bei WWE-Events eingesetzt wurden. Dadurch sei WWE verpflichtet gewesen, für ihren Schutz zu sorgen.

Vorwürfe über jahrzehntelanges Wissen

Die Kläger werfen der WWE und insbesondere der McMahon-Familie vor, bereits seit den 1970er Jahren von Fehlverhalten durch Mel Phillips gewusst zu haben. Obwohl Phillips 1988 entlassen wurde, sei er später erneut für das Unternehmen tätig gewesen. Nach Auffassung der Kläger habe diese Wiedereinstellung andere Kinder einem erneuten Risiko ausgesetzt. Dies untermauert den Vorwurf eines systemischen Versagens bei der Prävention und Reaktion auf Missbrauch innerhalb des Unternehmens.

TKO verweist auf fehlende Zuständigkeit

Die TKO Group, seit der Fusion mit der WWE im Jahr 2023 die Muttergesellschaft des Unternehmens, versucht sich aus der Klage zu lösen. Ihr Argument: Die angeklagten Taten liegen Jahrzehnte zurück und ereigneten sich lange vor der Gründung von TKO. Die Kläger halten jedoch dagegen. Sie verweisen auf die sogenannte „Nachfolgehaftung“ und führen dabei eine frühere Aussage von Linda McMahon an, in der sie TKO selbst als rechtlichen Nachfolger der WWE bezeichnet habe. Daraus ergebe sich laut den Klägern auch eine rechtliche Verantwortung für TKO hinsichtlich der Vergangenheit.

Mögliche Änderungen der Klage bei Teilabweisung

Die Kläger ersuchen das Gericht um die Möglichkeit, ihre Klage zu ändern oder eine eingeschränkte Offenlegung zu beantragen, falls dem Antrag der Beklagten auf Teilabweisung stattgegeben wird. Die nächste entscheidende Frist ist der 27. August 2025. Bis dahin muss die Verteidigung ihren Antwortschriftsatz einreichen. Im Anschluss könnte eine Anhörung stattfinden, bei der beide Seiten ihre Argumente vor dem Richter präsentieren.

Marylands neues Gesetz zu Kindesmissbrauch im Fokus

Die juristische Auseinandersetzung fällt in eine Zeit, in der das neue Gesetz des Bundesstaates Maryland über sexuellen Kindesmissbrauch auf dem Prüfstand steht. Das 2023 verabschiedete Gesetz hebt die Verjährungsfristen für zivilrechtliche Klagen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs auf. Damit könnte der Fall nicht nur für die WWE und TKO, sondern auch für die Anwendung dieses Gesetzes von übergeordneter Bedeutung sein. Sollte das Gericht die Klage zulassen, wird die Offenlegung von Beweismaterial folgen. Dabei könnte auch geklärt werden, inwieweit WWE-Führungskräfte Kenntnis von den damaligen Vorfällen hatten und wie sie darauf reagierten.