Kelly Kelly, bürgerlich Barbara Blank, zählt zu den bekanntesten Gesichtern der WWE-Womens Ära der 2000er-Jahre. Bekannt wurde sie zunächst durch ihre Auftritte in der damaligen ECW-Marke von WWE, ehe sie später fester Bestandteil des Main Rosters wurde. Mit ihrer charismatischen Ausstrahlung, ihrer Popularität bei den Fans und mehreren Championship-Matches prägte sie die WWE-Women’s Division über Jahre hinweg.
Doch die Glanzzeit im Rampenlicht hatte auch Schattenseiten. In einem ausführlichen Interview mit Chris Van Vliet sprach Kelly Kelly nun ehrlich über die Gründe, die zu ihrem Abschied von WWE führten. Dabei berichtete sie offen von Erschöpfung, mentalem Druck und einem Leben, das sie zunehmend entfremdet hat.
Burnout als entscheidender Faktor
Kelly Kelly erklärte, dass sie fast sieben Jahre lang ununterbrochen für WWE aktiv war. Der volle Terminkalender, mit mehr als 300 Reisetagen im Jahr, ließ ihr kaum Zeit für Erholung oder Privatleben. Erst eine unerwartete Auszeit habe ihr deutlich gemacht, wie sehr sie bereits ausgebrannt war.
„Ich war fast sieben Jahre lang ununterbrochen im Einsatz, ungefähr 300 Tage im Jahr. Da ich nie ernsthaft verletzt war, hatte ich auch keine richtige Pause. Erst als ich mir dann endlich eine Auszeit nehmen konnte, habe ich gemerkt, wie ausgelaugt und erschöpft ich eigentlich war“, erklärte Kelly.
Sie schilderte, dass sich eine innere Abneigung entwickelte, jedes Wochenende erneut auf Reisen zu gehen. Die Freude am Wrestling sei mehr und mehr verschwunden, was sich auch im Ring widerspiegelte. „Wenn du nicht mit dem Herzen dabei bist, sieht man das sofort. Man wirkt müde und nicht mehr voll konzentriert. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr 100 Prozent geben konnte“, erklärte sie.
Kreative Frustration in der PG-Ära
Neben der körperlichen und mentalen Belastung spielte auch die kreative Ausrichtung von WWE eine große Rolle bei ihrem Abschied. Kelly Kelly sprach davon, dass einige ihrer Ideen abgelehnt wurden, weil sie nicht in die damals streng ausgerichtete PG-Ära passten.
„Ich wollte damals so etwas wie einen besonderen Kalender machen, aber das wurde direkt abgelehnt. Man sagte mir, das passe nicht zur PG-Ära. Für mich war das ein deutliches Zeichen, dass ich mich zurückziehen sollte.“
Die fehlende kreative Freiheit habe sie zusätzlich entmutigt. Für Kelly wurde immer klarer, dass ihr Herz nicht mehr vollständig an dem WWE-Leben hing, das sie zuvor so viele Jahre lang geprägt hatte.
Abschied ohne Drama, aber mit Respekt
Ihr WWE-Abgang war nicht von Konflikten begleitet, sondern verlief leise und unspektakulär. Kelly erinnerte sich daran, dass sie an einem freien Tag den Anruf über ihre Entlassung erhielt. Eine Gelegenheit, sich von den Fans im Fernsehen zu verabschieden, hatte sie nicht.
„Ich bekam einfach einen Anruf. Es war mein freier Tag, und man teilte mir mit, dass meine Zeit bei WWE beendet sei. Ich nahm das ohne Drama an, weil ich wusste, dass ich innerlich ohnehin schon losgelassen hatte“, so Kelly.
Besonders positiv erinnerte sie sich jedoch an das Gespräch mit Triple H, der damals bereits wichtige Entscheidungen hinter den Kulissen traf. Er habe ihr versichert, dass die Tür jederzeit offenstehe und sie jederzeit zurückkommen könne, wenn sie es wolle. Diese respektvolle Haltung habe ihr den Abschied erleichtert.
Auch seitens WWE habe man anerkannt, dass sie unglücklich war und andere Dinge im Leben anstreben wollte. „Sie sagten mir, dass sie wüssten, dass ich andere Interessen habe und sie möchten, dass ich glücklich bin. Das hat mir gezeigt, dass mein Rückzug richtig war.“
Fokus auf das Privatleben
Nach ihrem WWE-Abschied legte Kelly Kelly großen Wert darauf, mehr Zeit in ihr Privatleben und ihre Beziehung zu investieren. Der stressige Touralltag, bei dem Privatleben kaum möglich war, habe sie zu diesem Schritt motiviert. „Ich war froh, nicht mehr ständig unterwegs zu sein. Ich wollte mich auf meine Beziehung und mein Leben außerhalb von WWE konzentrieren“, erklärte sie.
Gerüchte rund um Evolution 2
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews war Kelly Kellys Stellungnahme zu den anhaltenden Gerüchten über eine Rückkehr bei Evolution 2, der geplanten zweiten reinen Womens Veranstaltung von WWE. Medienberichte hatten spekuliert, sie habe ein eigenes Match gefordert, um bei der Show aufzutreten.
Kelly stellte klar, dass diese Darstellung nicht der Wahrheit entspricht. Sie habe die Einladung lediglich aus organisatorischen und privaten Gründen ablehnen müssen.
„Das Event fand in Atlanta statt, und genau an diesem Wochenende hatte ich frei. Meine Kinder hatten jedoch schon Pläne, und mein Mann musste arbeiten. Es war mir wichtig, dass meine Kinder dabei sind, wenn ich zurückkomme, doch das war in diesem Moment nicht möglich. Ein Match habe ich nie verlangt“, sagte sie deutlich.
Wäre die Veranstaltung in Los Angeles angesetzt worden, hätte sie sofort zugesagt. Sie betonte, dass es nie darum gegangen sei, eine Sonderbehandlung einzufordern. Vielmehr sei es die Kurzfristigkeit der Einladung gewesen, die ihr keine Möglichkeit ließ, rechtzeitig alles zu organisieren.
Verständnis von WWE
Laut Kelly zeigte WWE Verständnis für ihre Entscheidung. Sie sei nicht unter Druck gesetzt worden und habe auch keine Forderungen gestellt. Vielmehr habe das Unternehmen signalisiert, dass sie jederzeit willkommen sei, sobald die Umstände passen.
„Die Einladung kam sehr kurzfristig. Hätte ich sechs Monate Vorlauf gehabt, hätte ich alles planen können. Aber so war es einfach nicht möglich. WWE hat das verstanden und mich nicht gedrängt. Sie fragten mich sogar, ob ich bei einer Show in Los Angeles dabei sein möchte, und ich habe sofort zugesagt“, erklärte sie.
Dankbarkeit und Rückkehrpläne
Trotz der schwierigen Phasen betonte Kelly Kelly ihre Dankbarkeit gegenüber WWE. Das Unternehmen habe ihr die Karriere ermöglicht, die sie heute habe. Deshalb habe sie auch einen Legenden-Vertrag unterschrieben, der ihr weitere Auftritte erlaubt.
Seit ihrem offiziellen Ausstieg 2012 war Kelly Kelly immer wieder in der WWE zu sehen. Sie nahm unter anderem an den Women’s Royal Rumble Matches 2018, 2020 und 2022 teil und konnte sogar einmal überraschend die 24/7 Championship gewinnen.
Auch wenn derzeit keine regelmäßige Rückkehr im Raum steht, machte sie deutlich, dass ihre Verbindung zu WWE fortbesteht. Besonders wünscht sie sich, dass ihre Kinder in ein paar Jahren alt genug sind, um sie bei Shows begleiten zu können und ihre Karriere live mitzuerleben.
„Ich wünsche mir sehr, dass meine Kinder in ein paar Jahren alt genug sind, um mit mir zu den Shows zu kommen und mich dort anzufeuern. Das wäre etwas, das mir unglaublich viel bedeuten würde“, erklärte Kelly.
Nicht noch einen Altstar… WWE hat so viele Talente, da ist es einfach unpassend immer wieder Altstars in den Main Event zu pushen.