John Cena hat sich nach seinem WWE-Rücktritt nicht einfach zurückgezogen, er denkt lauter nach als je zuvor. Im Gespräch mit NPR-Moderatorin Rachel Martin im Podcast „Wild Card“ sprach der 17-fache World Champion über Sterblichkeit, Dankbarkeit, die Angst, nicht gehört zu werden, und eine Erfolgsphilosophie, die er selbst „courageous ignorance“ nennt.
„Ich werde sterben und ich denke oft daran“
Cena wurde gefragt, ob er oft an den Tod denke. Die Antwort kam ohne Zögern: Ja, und das sei keine morbide Angelegenheit, sondern eine bewusste Praxis. Als junger Mensch habe er Sätze wie „Ich schaffe es sowieso nicht bis 40″ locker dahingesagt – als Ausrede, um Risiken einzugehen und Adrenalinmomente zu jagen.
Heute sehe er das völlig anders. Die Erkenntnis, dass alle Menschen sterben werden, habe ihm nicht Angst gemacht, sondern Dankbarkeit gegeben. Für den gegenwärtigen Moment, für das, was bereits war, und für das, was noch kommt. Genau diese Haltung sei der Grund, warum er nach seinem Rücktritt kein inneres Loch spüre.
Kein Loch nach 23 Jahren im Ring
Cena beschrieb seinen Rücktritt nicht als Verlust, sondern als natürlichen Abschluss. Er versuche nicht, das Wrestling-Kapitel durch irgendetwas anderes zu ersetzen, und er habe es auch nie so geplant, wie er es durchgeführt habe, ohne vorher mit seiner eigenen Sterblichkeit ins Reine gekommen zu sein.
Anstelle von Leere empfindet er Liebe, Dankbarkeit und Neugier. Wenn ein Tag schwer wird, erinnert er sich daran, dass er noch am Leben ist – und das reicht bereits als Perspektive. 23 Jahre lang war er professioneller Wrestler, war auf Tourneen durch die ganze Welt unterwegs und stand vor Millionen Menschen. Er kann es selbst kaum fassen, dass das sein Beruf gewesen ist.
Make-A-Wish als prägendes Erlebnis
Einen besonderen Platz in dieser Denkweise nimmt Cenas langjährige Verbindung zur Make-A-Wish-Foundation ein. Er habe diese Arbeit immer geschätzt, so Cena, doch erst in den letzten zehn Jahren, als er anfing, die Sterblichkeit zu verinnerlichen, habe sie ihn tief geprägt.
Der Gedanke, dass die Zeit begrenzt sei und außerhalb der eigenen Kontrolle liege, sei für ihn durch diese Begegnungen sehr konkret geworden. Die Foundation hat Cena laut offiziellen Zahlen mehr Wünsche erfüllt als jeder andere Prominente in ihrer Geschichte.
Die Angst, nicht gehört zu werden
Neben dem Thema Sterblichkeit sprach Cena offen über eine persönliche Schwäche, die ihn noch immer begleite. Sein größter Trigger sei das Gefühl, nicht gehört zu werden. Diese Reaktion gehe auf seine frühen Wrestling-Jahre zurück, als er nie jemandes erste Wahl gewesen sei und sich über Jahre hinweg durchgebissen habe, bis die Leute begannen, ihm zuzuhören.
Diese Erfahrung habe Spuren hinterlassen. Noch heute werde er defensiv, wenn er das Gefühl habe, ignoriert zu werden. Er habe daran gearbeitet, ein besseres Gleichgewicht zu finden, aber die Wurzel liege tief.
„Courageous Ignorance“ – in eine Aufgabe springen, bevor man bereit ist
Einen zentralen Gedanken seines Lebensansatzes fasste Cena in einem Begriff zusammen, den er selbst geprägt hat: „courageous ignorance“. Damit meint er die Bereitschaft, eine Herausforderung anzunehmen, bevor man sich wirklich darauf vorbereitet fühlt.
Wer wartet, bis er sich sicher genug fühlt, wartet oft zu lange. Dieser Ansatz hat ihn in der WWE weit gebracht und tut dasselbe in Hollywood. Das bedeutet nicht, unvorbereitet zu sein, sondern sich von der eigenen Unsicherheit nicht lähmen zu lassen.
Familie wählt man selbst – der Gedanke hinter „Little Brother“
In seinem aktuellen Netflix-Film „Little Brother“, der seit dem 26. Juni verfügbar ist, dreht sich alles um Familienbande. Im Interview machte Cena deutlich, welche persönliche Überzeugung dahintersteckt. Er glaube daran, dass man sich seine Familie selbst aussucht. Liebe werde nicht dadurch garantiert, dass man denselben Nachnamen trage.
Dieser Gedanke zieht sich durch seine eigene Lebensgeschichte: Er war früh von zu Hause weg, war mit 15 Jahren an der Cushing Academy in Massachusetts auf sich allein gestellt und fand später in der WWE-Welt eine Art Familie, der er 23 Jahre lang angehörte.

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