Raj Dhesi hat während seiner Karriere selbst erlebt, welche Bedeutung Herkunft und Repräsentation im professionellen Wrestling haben können. Als Jinder Mahal erreichte er bei WWE einen Status, den vor ihm nur wenige Wrestler mit südasiatischen Wurzeln innehatten. Auch nach seinem Abschied vom Unternehmen beschäftigt ihn deshalb eine Entwicklung, die für ihn angesichts der Bedeutung des indischen Marktes nur schwer zu übersehen ist.
In einem Interview mit Denise Salcedo sprach der frühere WWE Champion ausführlich darüber, wie er die Situation heute einschätzt. Dabei richtete er seinen Blick nicht ausschließlich auf WWE. Dhesi machte zugleich deutlich, dass die Ursachen aus seiner Sicht wesentlich tiefer liegen.
Jinder Mahal zeigt sich von der aktuellen WWE-Situation überrascht
Auf die Frage nach der derzeit vergleichsweise geringen indischen Repräsentation bei WWE reagierte Dhesi eindeutig. Er sei darüber „very surprised“, also sehr überrascht. Gleichzeitig warnte der 40-Jährige davor, allein vom Unternehmen zu erwarten, entsprechende Plätze im Roster zu schaffen.
Für ihn müsse die Qualität der Wrestler letztlich entscheidend sein. Wer aus Indien den Sprung auf die große WWE-Bühne schaffen wolle, müsse auf einem Niveau arbeiten können, das es ermögliche, mit etablierten Topstars wie Roman Reigns oder Seth Rollins mitzuhalten. Repräsentation allein könne deshalb nicht das Ziel sein. Vielmehr müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Wrestler tatsächlich bereit für diese Ebene seien.
Fehlende Infrastruktur ist für Dhesi das entscheidende Hindernis
Das größte Problem liegt nach Einschätzung von Dhesi derzeit in Indien selbst. Dort fehle noch eine ausreichende Infrastruktur, durch die Talente kontinuierlich ausgebildet, weiterentwickelt und auf internationale Anforderungen vorbereitet werden könnten.
Dass entsprechendes Potenzial vorhanden ist, bezweifelt er keineswegs. Dhesi verweist vielmehr ausdrücklich auf eine Reihe junger Wrestler, denen er einiges zutraut. Was ihnen häufig noch fehle, sei eine geeignete Plattform, auf der sie sich entwickeln und einem größeren Publikum präsentieren könnten.
Gerade dieser Punkt ist für seine Argumentation entscheidend. Ein großer Markt und eine enorme Fangemeinde führen nicht automatisch dazu, dass genügend Wrestler entstehen, die unmittelbar bei Raw, SmackDown oder NXT eingesetzt werden können. Zwischen dem ersten Training und einem Platz im WWE-TV liegen Jahre der Entwicklung, regelmäßige Matches und Erfahrungen vor unterschiedlichen Zuschauern.
Kevin Malik erhält besonderes Lob von Jinder Mahal
Dass Dhesi seine Aussagen nicht nur allgemein formuliert, zeigt sein Hinweis auf Kevin Malik. Der Wrestler tritt für WXM an, eine Promotion, für die auch Dhesi selbst aktiv ist. Malik bezeichnete er als außergewöhnliches Talent und zog sogar einen bemerkenswerten Vergleich zu Jeff Hardy. Dabei bezog sich Dhesi weniger auf einen identischen Wrestling-Stil als auf die Ausstrahlung. Malik besitze eine eher ruhige und schwer greifbare Präsenz, verbinde diese jedoch mit großer Athletik und einer beeindruckenden körperlichen Verfassung.
Als Beispiel empfahl Dhesi ausdrücklich Maliks Match gegen Zack Sabre Jr. Die Begegnung fand im März 2026 bei WXM statt. Sabre Jr. gewann das Match, doch allein die Möglichkeit, mit einem international so erfahrenen Wrestler im Ring zu stehen, verdeutlicht, welche Erfahrungen Malik inzwischen sammeln kann.
Für Dhesi verkörpert Malik damit genau jene Generation, auf die es künftig ankommen könnte. Seiner Einschätzung nach verfügt Indien über interessante Wrestler. Entscheidend wird sein, ob diese Talente künftig regelmäßig die Möglichkeiten erhalten, sich auf entsprechend hohem Niveau weiterzuentwickeln.
Schon 2025 sprach Dhesi öffentlich über das Problem
Bemerkenswert ist, dass Dhesi diese Kritik nicht erstmals äußert. Bereits im März 2025 thematisierte er beim „For The Love of Wrestling“-Event die geringe südasiatische Repräsentation bei WWE. Damals erinnerte er daran, dass ihm während seiner eigenen Kindheit kaum südasiatische Persönlichkeiten im westlichen Fernsehen begegnet seien, mit denen er sich identifizieren konnte. Deshalb sei es für seine Generation besonders wichtig, jüngeren Menschen entsprechende Vorbilder zu geben.
Noch deutlicher wurde Dhesi beim Blick auf WWE. Zu diesem Zeitpunkt verwies er darauf, dass bei Raw, SmackDown und NXT kein südasiatischer Wrestler regelmäßig vertreten gewesen sei. Trotzdem wollte er auch damals nicht ausschließlich WWE dafür verantwortlich machen. Seine Botschaft lautete bereits vor rund anderthalb Jahren, dass südasiatische Wrestler selbst das erforderliche Niveau erreichen müssten, um sich solche Möglichkeiten zu verdienen.

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