Raj Dhesi blickt heute auf eine WWE-Karriere zurück, deren Verlauf mehrfach vollständig hätte kippen können. Zwischen seiner ersten Entlassung, der überraschenden Rückkehr und dem späteren Gewinn der WWE Championship lagen Jahre, in denen der frühere Jinder Mahal sein Leben grundlegend veränderte.
In einem aktuellen Gespräch bei „Busted Open“ schilderte Dhesi ausführlich, weshalb für ihn gerade die schwierige Phase außerhalb der WWE entscheidend wurde. Dabei sprach er offen über eigene Fehler, eine Konsequenz, die bis heute Bestand hat, und eine ungewöhnliche Methode, mit der er seinen Fortschritt täglich kontrollierte.
Jinder Mahal gibt niemand anderem die Schuld an seiner ersten WWE-Entlassung
Dhesi wurde 2014 nach seiner ersten WWE-Zeit entlassen. Rückblickend betrachtet er diese Entscheidung nicht nur als Rückschlag. Die rund zwei Jahre außerhalb des Unternehmens hätten ihm ermöglicht, sich selbst kritisch zu hinterfragen. Bei „Busted Open“ erklärte der frühere WWE Champion, dass er die Verantwortung bei sich selbst gesucht und erkannt habe, dass Veränderungen notwendig gewesen seien.
Zeitweise habe er sogar infrage gestellt, ob er überhaupt weiter als Wrestler arbeiten wolle. In einem früheren Interview mit „TMZ Inside The Ring“ erinnerte sich Dhesi daran, dass sich für ihn zwei Wege eröffnet hätten: Wrestling hinter sich zu lassen oder sich vollständig auf seine Karriere zu konzentrieren. Er entschied sich für die zweite Möglichkeit.
Der Verzicht auf Alkohol wurde zum entscheidenden Wendepunkt
Auf die Frage nach der wichtigsten Veränderung nach seiner Entlassung verwies Dhesi auf den Alkohol. Seit mehr als einem Jahrzehnt trinke er überhaupt nicht mehr. Ursprünglich sei ein dauerhafter Verzicht jedoch gar nicht geplant gewesen. Nach einem ungewöhnlich heftigen Kater habe er zunächst lediglich eine Pause einlegen wollen.
Schon kurze Zeit später habe er bemerkt, dass er sich besser fühlte. Aus der Pause wurde schließlich eine dauerhafte Entscheidung. Gleichzeitig richtete Dhesi seinen Alltag stärker auf das Leben eines professionellen Athleten aus. Training, Ernährung und mentale Arbeit gewannen an Bedeutung. Zudem las er Selbsthilfebücher und organisierte sein Leben konsequenter. Dabei entwickelte er eine Methode, die ihm nach eigener Aussage besonders half.
Jeder Tag endete für ihn mit einem „W“ oder einem „L“
Dhesi begann, seine täglichen Ziele schriftlich festzuhalten, darunter Mahlzeiten, Nahrungsergänzungsmittel, Cardio und Dehnübungen. Am Tagesende bewertete er sich selbst: Hatte er alles geschafft, notierte er ein „W“ für Win, andernfalls ein „L“ für Loss.
Gerade diese Niederlagen hätten ihn stark geärgert. Mit der Zeit habe er immer mehr erfolgreiche Tage aneinandergereiht und unmittelbar bemerkt, wie sich sein Leben veränderte. Das habe ihn zusätzlich motiviert. Als WWE ihn 2016 zurückholte, war seine Entwicklung jedoch noch längst nicht abgeschlossen.
Dhesi widerspricht daher der Vorstellung, er sei bereits vollständig verwandelt als Jinder Mahal zu WWE zurückgekehrt. Nach seiner Verpflichtung trat er zunächst mit Heath Slater in einem kurzen Segment auf, spielte danach im WWE-TV aber kaum eine bedeutende Rolle und bestritt überwiegend Matches bei „Main Event“. Für Dhesi war diese Phase dennoch wichtig, weil er weiter an sich arbeitete, während ihn ein Großteil des Publikums kaum beachtete.
Nach seiner WWE-Rückkehr wollte Dhesi jede Gelegenheit nutzen
Im Gegensatz zu seiner ersten Zeit bei WWE wollte Dhesi seine zweite Chance nicht ungenutzt lassen. Er versuchte nach eigener Darstellung aktiv, zusätzliche Möglichkeiten zu bekommen. Dazu gehörte, nach Promo-Gelegenheiten zu fragen und sich für Live-Events zur Verfügung zu stellen. Wenn aufgrund einer Verletzung kurzfristig Ersatz benötigt wurde, wollte Dhesi einspringen. Dabei sei es ihm nicht wichtig gewesen, ob er im Eröffnungsmatch oder später am Abend eingesetzt wurde. Er habe schlicht bereit sein wollen, jede Aufgabe zu übernehmen.
Seine Rolle wurde allmählich größer. Dhesi arbeitete unter anderem mit Rusev zusammen, bevor sich für ihn schließlich eine Singles-Chance ergab, mit der zu diesem Zeitpunkt wohl kaum jemand gerechnet hatte. Im April 2017 wechselte Jinder Mahal zu SmackDown. Nur wenige Tage später gewann er eine Six-Pack Challenge und wurde zum Herausforderer auf die WWE Championship von Randy Orton. Doch unmittelbar vor diesem Karrieresprung ereignete sich ein Zwischenfall, der laut Dhesi beinahe alles beendet hätte.
Nach Finn Bálors Gehirnerschütterung wartete Vince McMahon auf Jinder Mahal
Am 10. April 2017 traf Mahal bei Raw auf Finn Bálor. Bei einem Forearm kam es zu einem unglücklichen Treffer, durch den Bálor eine Gehirnerschütterung erlitt. Dhesi betonte später, dass beide diesen Spot zuvor regelmäßig bei WWE-Live-Events ausgeführt hätten. Dieses Mal hatte das Timing jedoch nicht gepasst. Beim Wrestling könnten bereits wenige Millimeter darüber entscheiden, ob eine Aktion funktioniere oder zu einer Verletzung führe.
Nach dem Match habe er sich wegen Bálors Verletzung bereits schlecht gefühlt. In der Gorilla Position wartete jedoch die nächste unangenehme Situation. Dhesi zufolge erklärte Vince McMahon ihm persönlich: „I should fire you.“
Damit habe der damalige WWE-Chef deutlich gemacht, dass der Vorfall seine Zukunft im Unternehmen hätte beenden können. Dhesi erinnerte sich an große Unsicherheit und ließ Road Dogg nach seinem Wechsel zu SmackDown wissen, dass er jede Konsequenz akzeptieren werde. Sollte er sich seinen Weg aus dem „Doghouse“ wieder erarbeiten müssen, sei er dazu bereit gewesen.
Nur wenige Wochen später war Jinder Mahal WWE Champion
Die befürchtete Entlassung erfolgte nicht. Stattdessen nahm Dhesis Karriere innerhalb kürzester Zeit eine völlig andere Richtung. Bereits am 11. April 2017 wechselte Mahal beim damaligen Superstar Shake-up zu SmackDown. Eine Woche später gewann er die Six-Pack Challenge und sicherte sich das Titelmatch gegen Randy Orton.
Am 21. Mai 2017 folgte schließlich bei Backlash der größte Erfolg seiner Karriere. Jinder Mahal besiegte Orton und gewann erstmals die WWE Championship.
Rückblickend sieht Dhesi deshalb vor allem seine erste Entlassung als Ausgangspunkt dieser ungewöhnlichen Entwicklung. Ohne den damaligen Rückschlag hätte er nach eigener Einschätzung möglicherweise nie die Veränderungen vorgenommen, die später den Weg zu seinem größten WWE-Erfolg ebneten.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar