Janel Grant bricht ihr Schweigen ausführlich: Was sie heute gegenüber Vince McMahon empfindet

Janel Grant am Mikrofon über Vince McMahon und WWE

Janel Grant ist seit mehreren Jahren eine zentrale Figur in einem der folgenreichsten Skandale der WWE-Geschichte. Bislang war ihre öffentliche Wahrnehmung jedoch fast ausschließlich von Gerichtsunterlagen, Stellungnahmen und Berichten anderer geprägt – nun hat sie erstmals ausführlich selbst darüber gesprochen, wie sie die vergangenen Jahre erlebt hat.

Janel Grant spricht erstmals ausführlich über die Zeit seit 2022

Im Gespräch mit John Pollock von POST Wrestling und Brandon Thurston von Wrestlenomics schilderte Grant ausführlich, wie sehr sich ihr Leben veränderte, als das Wall Street Journal im Juni 2022 erstmals über die internen Ermittlungen bei WWE und die Schweigegeldvereinbarungen von Vince McMahon berichtete.

Grant hatte im Januar 2024 Klage gegen McMahon, WWE und den früheren Manager John Laurinaitis eingereicht. Darin erhob sie schwere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und Menschenhandels. McMahon weist die Anschuldigungen zurück und bezeichnete ihre Darstellung in der Vergangenheit als erfunden und verleumderisch. Im Juli 2026 verständigten sich die beteiligten Parteien darauf, die Auseinandersetzung aus dem öffentlichen Zivilverfahren in ein privates Schiedsverfahren zu verlagern. Ein Ergebnis dieses Verfahrens ist bislang nicht öffentlich bekannt.

Ihre erste Sorge galt damals überraschend Vince McMahon

Besonders ausführlich sprach Grant darüber, was in ihr vorging, als sie im Juni 2022 erfuhr, dass die erste Geschichte des Wall Street Journal unmittelbar vor der Veröffentlichung stand. Nach ihrer Darstellung empfand sie die Situation damals als vollständigen Kontrollverlust über ihr eigenes Leben. Dennoch habe eine ihrer ersten Fragen an ihren damaligen Anwalt gelautet, ob es McMahon gut gehe. Grant erklärte, dass diese Reaktion aus ihrer damaligen emotionalen Abhängigkeit und Orientierungslosigkeit heraus entstanden sei. Aus ihrer Sicht sei McMahon zu diesem Zeitpunkt der einzige Mensch gewesen, der ihr hätte erklären können, was gerade geschehe und ob sie selbst die Situation überstehen werde.

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Sie beschrieb die Veröffentlichung des Artikels als einen Moment, in dem ihre bisherige private Existenz praktisch über Nacht nicht mehr ihr selbst gehört habe. Menschen in ihrem Umfeld hätten bereits kurz nach Erscheinen des Berichts erkannt, dass sie die zunächst anonym beschriebene frühere WWE-Mitarbeiterin sein könnte.

Heute spricht Grant von „Vergebung“

Auf die Frage, was sie heute gegenüber McMahon empfinde, antwortete Grant mit einem Wort: Vergebung. Dabei machte sie deutlich, dass dies nicht bedeute, ihre Vorwürfe zurückzunehmen oder die Vergangenheit anders darzustellen. Vielmehr nehme McMahon selbst inzwischen kaum noch Raum in ihren Gedanken ein. Grant erklärte sogar, in gewisser Weise Empathie für ihn zu empfinden, weil auch sein Leben durch die Ereignisse, die zur öffentlichen Berichterstattung führten, erheblich verändert worden sei.

Nach eigener Aussage beschäftigen sie inzwischen stärker die Personen und Entscheidungen hinter den anonymen E-Mails, die im Frühjahr 2022 an Mitglieder des WWE Board of Directors geschickt wurden. Diese Nachrichten lösten eine interne Untersuchung aus, die später zur Entdeckung mehrerer Schweigegeldvereinbarungen führte. Bis heute ist nicht öffentlich bekannt, wer diese E-Mails verschickte. Grant hat mehrfach bestritten, selbst dahinterzustecken.

Grant erklärt, warum der WWE-Job damals so viel für sie bedeutete

Das Interview beleuchtet außerdem ausführlicher als bisher Grants Leben vor WWE. Sie wuchs als Einzelkind auf und interessierte sich früh für Theater und Broadway-Produktionen. Nach ihrem Jurastudium veränderte sich ihr Leben jedoch zunehmend durch die schweren Erkrankungen ihrer Eltern. Grant übernahm über Jahre große Teile der Betreuung und erklärte, zeitweise praktisch zwischen verschiedenen Krankenhäusern gependelt zu sein. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2014 und ihres Vaters drei Jahre später habe sie sich orientierungs- und haltlos gefühlt. Sie engagierte sich anschließend ehrenamtlich in einem Krankenhaus und versuchte, wieder eine berufliche Perspektive aufzubauen.

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WWE wurde schließlich ihr erster klassischer Job in einem größeren Unternehmen. Vor diesem Hintergrund habe die Begegnung mit McMahon für sie zunächst eine besondere Bedeutung gehabt. Grant beschrieb die Aussicht auf eine WWE-Anstellung rückblickend als einen Moment, der sich fast schicksalhaft angefühlt habe. Nach ihrer Darstellung entstand daraus später jene Beziehung, die schließlich zum Gegenstand ihrer Klage wurde. McMahon beschreibt die damalige Verbindung dagegen als einvernehmliche, intime Beziehung.

WWE und McMahon reagieren nicht auf das neue Interview

POST Wrestling und Wrestlenomics baten sowohl die WWE als auch Vertreter von Vince McMahon um Stellungnahmen zu dem ausführlichen Interview. Eine Antwort erfolgte nach Angaben der Journalisten nicht. McMahon wurde zudem erneut angeboten, selbst für ein Interview zur Verfügung zu stehen. Auch dieses Angebot wurde bislang nicht angenommen.

Grant erklärte unterdessen, inzwischen stärker nach vorn schauen zu wollen. In den vergangenen Monaten engagierte sie sich unter anderem öffentlich für eine Reform von Schweigevereinbarungen, die nach ihrer Auffassung nicht dazu eingesetzt werden sollten, mutmaßliches Fehlverhalten am Arbeitsplatz dauerhaft aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.

Trotz allem bleibt ihre Geschichte eng mit WWE verbunden. Grant selbst beschrieb es so, dass WWE weiterhin Teil ihres Lebens sei und sie umgekehrt durch die Folgen der vergangenen Jahre dauerhaft Teil der Unternehmensgeschichte geworden sei.

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