Janel Grant bekräftigt Vorwürfe gegen WWE und Vince McMahon bei öffentlichem Auftritt

Janel Grant am Mikrofon über Vince McMahon und WWE

Janel Grant ist mit einer umfassenden öffentlichen Erklärung erneut in den Mittelpunkt der Debatte um ihre laufende Klage gegen WWE und Vince McMahon gerückt. Bei einer Pressekonferenz im Kapitol, veranstaltet von der Connecticut Alliance to End Sexual Violence, sprach sie über die persönlichen, psychischen und finanziellen Auswirkungen der Geheimhaltungsvereinbarung sowie über den Umgang des Unternehmens mit ihrer Situation.

Der Fall steht im Zusammenhang mit einer zivilrechtlichen Klage gegen Vince McMahon und die WWE. WWE ist seit September 2023 Teil der börsennotierten TKO Group Holdings, die aus der Fusion von WWE und der UFC unter dem Dach von Endeavor hervorging. Vince McMahon trat Anfang 2024 im Zuge der Klage von seinen Ämtern zurück.

Öffentliche Identifizierung und psychische Folgen

Grant schilderte, wie sich ihr Leben nach einem Bericht des Wall Street Journal im Jahr 2022 grundlegend verändert habe: „Am 15. Juni 2022 wurde mein Leben in die Geschichte eines anderen umgeschrieben. Und ich wurde weltweit im Wall Street Journal geoutet.“

Sie machte deutlich, dass die Auswirkungen weit über mediale Aufmerksamkeit hinausgingen: „Das ist die lebenszerstörende Wirkung und die Auswirkung auf die psychische Gesundheit dieser speziellen NDA (Geheimhaltungsvereinbarung).“

Grant beschrieb, dass sie sich in dieser Zeit vollständig isoliert gefühlt habe und ohne Unterstützung nicht in der Lage gewesen wäre, weiterzumachen: „Die Menschen und Organisationen, die mich unterstützt haben, als ich der einsamste Mensch auf diesem Planeten war, als mein Leben im Wall Street Journal zerstört wurde – ohne sie wäre ich heute nicht hier.“

In besonders eindringlicher Weise schilderte sie einen Zusammenbruch kurz nach Bekanntwerden des Berichts. Sie berichtete, dass ihr untersagt worden sei, öffentlich Stellung zu beziehen: „Mir wurde gesagt, wenn mich jemand danach fragt, darf ich keinen Kommentar abgeben. Ich darf es nicht bestätigen. Ich darf nicht sagen, dass es mir nicht gut geht. Und wenn mich jemand darauf anspricht, darf ich den Menschen, die mich dabei beobachtet haben, nicht bestätigen, wie ich jahrelang gelebt habe. Es war, als hätte jemand absichtlich mein Haus in Brand gesteckt, während ich noch darin war.“

Grant schilderte außerdem, dass sie sich in dieser Zeit in einem Zustand tiefer Verzweiflung befunden habe, der in einem Suizidversuch mündete. Sie berichtete, das Bewusstsein verloren zu haben und nur durch das Eingreifen einer anderen Person gerettet worden zu sein. In ihrer Erklärung machte sie deutlich, dass sie diesen Moment als direkte Folge der psychischen Belastung durch die Geheimhaltungsvereinbarung empfindet.

Vorwürfe zur öffentlichen Darstellung durch WWE

Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Ausführungen betrifft die öffentliche Darstellung ihrer Beziehung zu Vince McMahon. Grant schilderte, dass WWE im Juni 2022 auf sie zugekommen sei und um eine gemeinsame Erklärung gebeten habe. Darin sollte die Beziehung als einvernehmlich bezeichnet werden. Zudem sei ihr gegenüber angedeutet worden, es gehe im Kern darum, dass sie finanzielle Forderungen gestellt habe. Grant habe dieser Darstellung jedoch nicht zugestimmt und eine solche Erklärung abgelehnt.

Nach ihrer Darstellung sei dennoch in einem weiteren Bericht des Wall Street Journal über einen Unternehmenssprecher kommuniziert worden, die Beziehung sei einvernehmlich gewesen. Grant erklärte, diese Entscheidung sei ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung getroffen worden. Ihrer Auffassung nach sei damit öffentlich eine Version verbreitet worden, der sie nie zugestimmt habe.

Grant führte weiter aus, dass ihr im Rahmen einer internen Untersuchung der WWE zwar formell die Teilnahme gestattet worden sei, sie nach eigener Darstellung jedoch nie befragt worden sei.

Zudem erklärte sie, im März 2023 im Zuge einer bundesstaatlichen Untersuchung sowohl eine Vorladung als auch den Status einer Whistleblowerin von der US-Börsenaufsicht SEC erhalten zu haben. In diesem Zusammenhang schilderte sie, dass kurz darauf Vince McMahon und Ari Emanuel bei CNBC aufgetreten seien, um die Vereinbarung zwischen Endeavor und WWE bekanntzugeben. Diese zeitliche Abfolge habe sie nach eigener Aussage besonders überrascht.

Finanzielle Belastung und persönliche Isolation

Grant machte zudem deutlich, dass die interne Untersuchung für sie nach eigener Darstellung mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden gewesen sei. Sie erklärte, das Unternehmen habe öffentlich eine Untersuchung angekündigt und ihr mitgeteilt, dass sie daran teilnehmen könne, ohne damit gegen die Geheimhaltungsvereinbarung zu verstoßen. Gleichzeitig habe es den Eindruck gegeben, man gehe davon aus, sie habe womöglich bereits gegen Regelungen verstoßen, ohne sie darüber ausdrücklich informiert zu haben.

Im weiteren Verlauf führte sie aus, dass sie im Zuge dieser Beteiligung nach eigenen Angaben sechsstellige Beträge aufgewendet habe. Diese Summen seien unter anderem für neue anwaltliche Vertretung sowie für medizinische Behandlungen angefallen, die sie als lebensrettend beschrieb. Sie habe Beweise gesichert und sei davon ausgegangen, im Rahmen der Untersuchung angehört zu werden, um Klarheit über die Geschehnisse zu erhalten und einen Weg zurück in ein normales Leben zu finden.

Darüber hinaus beschrieb Grant eine anhaltende Phase der Isolation und tiefen Verunsicherung. Sie erklärte, ihr Leben fühle sich seit Jahren so an, als würde sie es nur noch aus der Distanz beobachten, abgeschirmt von der Außenwelt. Nach eigener Darstellung habe sie ihr Zuhause im vergangenen Jahr nur äußerst selten verlassen, was sie mit einem anhaltenden Gefühl von Bedrohung und Unsicherheit in Verbindung brachte. Die Geheimhaltungsvereinbarung habe aus ihrer Sicht erheblichen Einfluss auf ihr Leben ausgeübt.

Zugleich machte sie deutlich, dass ihre Situation weiterhin von existenziellen Sorgen geprägt sei. Sie sprach davon, möglicherweise weiterhin finanziell schwer belastet, isoliert und ohne familiären Rückhalt zu bleiben. Dennoch betonte sie, dass sie in diesem Moment öffentlich auftrete, lächle und vor Menschen stehe, die ihr Gehör schenken.

Kritik an NDAs und Bezug auf WWE-Storylines

Grant stellte ihre Situation in einen größeren Kontext und kritisierte Geheimhaltungsvereinbarungen grundsätzlich: „Sicherheit am Arbeitsplatz hängt von Transparenz ab, denn wenn Mitarbeiter nicht sprechen können, lassen sich Muster nicht erkennen. Wenn Muster nicht erkennbar sind, können sie nicht gestoppt werden. Wenn sie nicht gestoppt werden können, breitet sich Schaden aus. Wenn eine Vertraulichkeitsvereinbarung dazu genutzt wird, gefährliches Verhalten zu vertuschen, wird der Schaden einfach auf den nächsten Mitarbeiter, das nächste Büro, das nächste Opfer verlagert. Niemand sollte gezwungen sein, Schweigen gegen Verantwortlichkeit einzutauschen. Und kein Arbeitsplatz sollte für eine Institution sicherer sein als die Menschen, die darin arbeiten.“

Zudem verwies sie auf Parallelen zwischen ihrer Situation und einer WWE-Storyline im Jahr 2024.

Grant verwies außerdem darauf, dass im Sommer 2024 laut ihrer Darstellung sowohl Reporter als auch Zuschauer Parallelen zwischen einer über mehrere Monate laufenden WWE-Storyline und ihrer persönlichen Situation erkannt hätten. Diese Beobachtungen hätten ihrer Ansicht nach Fragen zum Umgang des Unternehmens mit sensiblen Vorwürfen aufgeworfen.

In diesem Zusammenhang stellte sie grundsätzlich infrage, ob von einem sicheren Arbeitsumfeld gesprochen werden könne, wenn persönliche Erfahrungen aus ihrer Sicht in einer wöchentlichen Live-TV Show aufgegriffen und öffentlich verarbeitet würden. Ihrer Auffassung nach sage ein solcher Umgang mehr über die aktuelle Unternehmensführung aus als über sie selbst.

Zum Abschluss machte Grant deutlich, dass sie die juristische Auseinandersetzung nicht aktiv gesucht habe. Sie habe gewusst, welche Konsequenzen ein solcher Schritt mit sich bringen könne, zugleich jedoch das Gefühl gehabt, die Situation habe sie letztlich eingeholt. Mit Blick auf den Vorstand von TKO erklärte sie, dieser kenne nun ihre Sicht auf die Hintergründe. Zugleich betonte sie, dass die Entscheidungsträger Einfluss darauf hätten, wie sich ihr weiteres Leben entwickle und wie schnell sie einen Weg zu Stabilität und Heilung finden könne.

Der Rechtsstreit ist weiterhin anhängig. Die Vorwürfe von Grant werden von WWE und Vince McMahon bestritten. Eine gerichtliche Klärung steht noch aus.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*