Ricky Saints ist einer der aufstrebenden Stars bei WWE NXT. Der ehemalige AEW-Wrestler, der unter dem Namen Ricky Starks bekannt wurde, hat seit seinem Wechsel zur WWE im Februar 2025 nicht nur im Ring, sondern auch außerhalb für Aufmerksamkeit gesorgt. In einem sehr persönlichen Interview mit Cody Rhodes im Podcast „What Do You Wanna Talk About?“ sprach Saints offen über den Moment, als Triple H ihn anrief, über seine Erfahrungen als hellhäutiger Schwarzer in einer überwiegend schwarzen Umgebung und über das Gefühl, im Wrestling-Business häufig missverstanden zu werden.
Vom AEW-Abgang zum WWE-Debüt – Der Anruf, der alles veränderte
Nachdem Ricky Starks Anfang Februar 2025 offiziell AEW verlassen hatte, verschwand sein Name auch von der AEW-Roster-Seite. Kurz darauf wurde bekannt, dass er nun als Free Agent verfügbar war und offen für Gespräche mit anderen Wrestling-Promotions sei. Bereits wenige Tage später – am 11. Februar – feierte er unter dem neuen Ringnamen Ricky Saints sein Debüt bei WWE NXT. In einem Podcast mit Cody Rhodes sprach Saints offen darüber, wie dieser Wechsel zustande kam und dass ein persönlicher Anruf von WWE-Chief Content Officer Paul „Triple H“ Levesque den Ausschlag gegeben habe.
Saints erinnerte sich genau an den Moment. Er war gerade am Flughafen von Seattle gelandet, als er einen Anruf von einer unbekannten Nummer erhielt. Da die Nummer nicht als Stamford, dem Hauptsitz der WWE, angezeigt wurde, habe er zunächst vermutet, es handelt sich um Spam. Trotzdem nahm er das Gespräch entgegen. Es war Triple H, doch wegen des Lärms am Flughafen konnte er ihn zunächst kaum verstehen. Er machte ihm klar, dass die WWE großes Interesse an seiner Verpflichtung habe, er aber zunächst bei NXT eingesetzt werden sollte und nicht sofort im Main Roster bei Raw oder SmackDown.
Saints erzählte, dass es ein surrealer Moment gewesen sei. Gerade als er in die Straßenbahn einsteigen wollte, hörte er den Namen der beiden WWE Main Shows und verstand nicht alles. Er traute sich kaum, nachzufragen, um professionell zu wirken. Triple H erklärte ihm schließlich, dass er zunächst mit Shawn Michaels arbeiten solle. Das Gespräch beendete der WWE-Verantwortliche mit der Einladung, das WWE-Performance-Center zu besuchen – ein Angebot, das Ricky Saints ohne Zögern annahm. Besonders wichtig war ihm dabei die Aussicht auf Entwicklungsmöglichkeiten. Er bezeichnete sich selbst als „Rohdiamant“, der nur ein wenig geschliffen werden müsse.
Blitzstart bei NXT – Titelgewinn und neuerliches Titelmatch
Wenige Wochen nach seinem offiziellen WWE-Debüt konnte Ricky Saints einen ersten Meilenstein setzen. Er gewann die NXT North American Championship und hielt den Titel für 55 Tage, bevor er ihn im Mai 2025 an Ethan Page verlor. Der Verlust stoppte seinen Aufstieg jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Am kommenden Samstag, dem 12. Juli 2025, wird Saints beim „WWE NXT: The Great American Bash“ Premium Live Event in einem Falls Count Anywhere Match gegen „All Ego“ Ethan Page antreten.
Aufgewachsen zwischen den Welten – Rassische Identität und Isolation
Im weiteren Verlauf des Podcasts mit Cody Rhodes öffnete sich Ricky Saints über ein Thema, das ihn sein ganzes Leben begleitet hat: seine rassische Identität. Er wuchs in New Orleans auf, in einem Umfeld, das stark durch die afroamerikanische Kultur geprägt ist. Seine eigene Erscheinung jedoch, so Saints, passte nicht ins Bild vieler Menschen in seinem Umfeld. Als hellhäutiger Schwarzer mit kreolischen Wurzeln habe er sich oft weder der weißen noch der schwarzen Community zugehörig gefühlt.
Er berichtete, dass er an eine überwiegend schwarze Schule im Osten von New Orleans ging. Schon in jungen Jahren habe er immer wieder das Gefühl gehabt, nicht akzeptiert zu werden. Seine Hautfarbe führte zu Missverständnissen und Ausgrenzung. Diese Spannungen entluden sich regelmäßig in körperlichen Auseinandersetzungen. Saints erzählte, dass er fast jede Woche in Schlägereien verwickelt gewesen sei. Seine Mutter habe sich oft von der Arbeit freinehmen müssen, um in der Schule mit Lehrern und Direktoren über die Vorfälle zu sprechen.
Ricky Saints machte klar, dass es nicht nur um Provokationen ging. Häufig musste er sich schlicht verteidigen, weil er das Gefühl hatte, sich seinen Platz erkämpfen zu müssen. Es sei ein schmerzhafter Prozess gewesen, der ihn nachhaltig geprägt habe.
Der Weg zur Selbstakzeptanz und die Herausforderung, Emotionen zeigen zu dürfen
Trotz der schwierigen Erfahrungen in seiner Jugend betonte Saints, dass er mit der Zeit einen Weg gefunden habe, sich selbst zu akzeptieren. Die äußerlichen Merkmale, die einst zu Konflikten geführt hatten, sehe er heute nicht mehr als Schwäche, sondern als Teil seiner Identität. Er weiß, wer er ist, und hat gelernt, dass er die Sichtweise anderer Menschen nicht vollständig kontrollieren kann. Was er jedoch kontrollieren kann, ist, wie er darauf reagiert.
Im Podcast sprach Saints auch darüber, dass seine emotionale Seite im Wrestling-Business nicht immer positiv aufgenommen werde. Viele Menschen interpretierten seine Leidenschaft und sein intensives Auftreten falsch. Ihm werde regelmäßig vorgeworfen, „zu emotional“ zu sein. Saints sieht das anders. Er versteht seine Fähigkeit, offen mit Gefühlen umzugehen, als seine größte Stärke. Diese Offenheit sei es, die ihn menschlich mache und sie helfe ihm, mit Herausforderungen besser umzugehen.
Besonders eindrucksvoll war sein Beitrag über ein Gespräch mit Brandi Rhodes. Darin schilderte er seine Sorge, dass auch seine eigene Tochter einmal mit ähnlichen Identitätsproblemen konfrontiert sein könnte. Er erklärte, dass es ihn belaste, wenn Kinder sich selbst infrage stellen müssen, weil sie sich weder bei der einen noch bei der anderen Gruppe wirklich angenommen fühlen. Diese Unsicherheit habe ihn viele Jahre begleitet. Erst durch die innere Stärke, die er sich mit der Zeit aufgebaut habe, könne er heute darüber sprechen.
Missverstanden trotz Erfolg – Wie Ricky Saints im Wrestling gesehen werden möchte
Der Erfolg im Wrestling hat Saints zwar auf eine neue Bühne gebracht, doch das Gefühl, nicht immer verstanden zu werden, ist geblieben. Besonders in einer Branche wie dem Pro Wrestling, in der Rollen und Charaktere oft wichtiger erscheinen als die echte Persönlichkeit, fühle sich Saints manchmal wie ein Außenseiter. Er wünsche sich mehr Empathie und ein tieferes Verständnis dafür, was Menschen wirklich bewegt, sowohl im Leben als auch im Wrestling.
Er erklärte, dass es nur wenige Menschen gebe, bei denen er sich wirklich gesehen, gehört und verstanden fühlt. Diese Menschen lässt er dann ganz nah an sich heran, während er anderen gegenüber eher verschlossen bleibt. Das sei sein Schutzmechanismus – entstanden aus Erfahrungen von Ablehnung und Unverständnis.