Hulk Hogan im Licht der Kontroverse: Differenzierte Nachrufe und persönliche Erinnerungen – Weggefährten fordern Respekt, Menschlichkeit und Vergebung

Hollywood-Legende Sylvester Stallone meldete sich nach dem Tod von Hulk Hogan erneut zu Wort. In einem Interview mit TMZ sprach Stallone offen über die Diskussionen rund um Hogans politische Überzeugungen, insbesondere über seinen viel beachteten Auftritt bei der Republican National Convention im Vorjahr, bei dem Hogan seine Unterstützung für Donald Trump öffentlich zeigte. Die Reaktionen darauf waren gemischt – viele Fans kritisierten Hogan scharf, andere sahen darin lediglich einen Ausdruck seiner Meinungsfreiheit.

Stallone, der Hogan persönlich gut kannte, zeigte Verständnis dafür, dass viele Menschen über dessen politische Ansichten diskutieren. Doch für ihn spielt das in der Trauer keine Rolle. Viel wichtiger sei, was für ein Mensch Hogan im Inneren wirklich war. „Ich verstehe das“, sagte Stallone. „Aber irgendwann zählt Politik nicht mehr. Dann geht es nur noch um den Menschen selbst. Und da muss man sich fragen: Was steckt wirklich in seiner Seele? Alles andere ist nebensächlich.“

Er erinnerte daran, dass Hulk Hogan eine besonders großzügige und tiefgründige Persönlichkeit gewesen sei – Eigenschaften, die viele Menschen seiner Meinung nach gar nicht wahrgenommen hätten. „Er war eine einzigartige, großzügige Seele, und die Menschen haben nicht immer verstanden, wie tief er ging. Ich kann sagen, dass ich ein besserer Mensch bin, weil ich ihn kannte.“

Stallone zeigte sich zudem dankbar, dass diese Seite von Hogan in einem gemeinsamen Filmprojekt für die Ewigkeit eingefangen wurde. Für ihn war Hogan ein mutiger Mensch, der zu seinen Überzeugungen stand – unabhängig davon, ob man diese teilte oder nicht. Diese Haltung verdiene Respekt, gerade in einer Zeit, in der viele sich davor scheuen, Stellung zu beziehen. „Das war der Beginn eines Titanen, eines wirklich einzigartigen Individuums, das keine Angst hatte, aufzustehen und sich für das einzusetzen, woran er glaubte. Das ist etwas, das immer gewürdigt werden sollte“, so Stallone abschließend.

Jimmy Korderas wehrt sich gegen Hasswelle: „Er war kein verurteilter Verbrecher“

Einen anderen Aspekt sprach der ehemalige WWE-Referee Jimmy Korderas an. In einem emotionalen Posting auf X zeigte sich Korderas bestürzt über die Geschwindigkeit und Aggressivität, mit der in den sozialen Netzwerken nach Hogans Tod negative Kommentare verbreitet wurden.

Er kritisierte, dass viele Menschen Hogans Tod sofort zum Anlass nahmen, um alte Fehler wieder aufzuwärmen und ihn öffentlich anzugreifen. „Wie schnell manche nach seinem Tod losgelegt haben, um Hass gegen ihn zu verbreiten, sagt viel über sie aus“, schrieb Korderas.

Korderas räumte ein, dass Hogan Fehler gemacht habe, stellte aber klar, dass sein Einfluss auf das Wrestling unbestreitbar sei. Es sei völlig in Ordnung, über diese Fehler zu sprechen – aber nicht unmittelbar nach dem Tod eines Menschen. Wer so kurz nach dem Tod mit harten Angriffen beginne, zeige vor allem, wie respektlos er selbst sei. „Man kann Kritik auch mit Anstand äußern“, schrieb Korderas. „Aber direkt nach dem Tod über jemanden herzuziehen, ist eine besondere Form von Hass.“

In einem weiteren Abschnitt seines Postings erinnerte er daran, dass Hogan kein Schwerverbrecher gewesen sei. „Er war kein Massenmörder. Er war kein verurteilter Verbrecher. Er wurde von mehr Menschen geliebt als gehasst, wegen der Figur, die er spielte, und wegen seines Beitrags nicht nur zum Wrestling, sondern zur Popkultur.“

Korderas Botschaft ist klar: Der Diskurs über das Erbe von Hulk Hogan sei wichtig, müsse aber mit Respekt und Menschlichkeit geführt werden.

Chelsea Green antwortet auf Kritik: „Ich lerne – und ich höre zu“

Auch WWE-Star Chelsea Green sah sich in der Folge ihres öffentlichen Statements über Hulk Hogan mit Kritik konfrontiert. Nach einem Fernsehauftritt bei CBS News, in dem sie Hogan als Legende würdigte, bemängelten einige Zuschauer, dass sie die rassistischen Äußerungen des Wrestlers in der Vergangenheit nicht angesprochen habe.

Green reagierte direkt in den sozialen Medien und machte deutlich, dass sie Rassismus in keiner Weise unterstützt. Sie entschuldigte sich bei allen, die das Gefühl hatten, sie hätte berechtigte Kritik an Hogan übergangen. „Ich will das ganz deutlich sagen: Ich lehne Rassismus komplett ab – ohne Ausnahme“, schrieb sie. „Falls meine Worte so gewirkt haben, als würde ich berechtigte Sorgen nicht ernst nehmen, tut mir das sehr leid. Das war nie meine Absicht.“

Green betonte, dass sie lernen wolle, wie man mit komplexen Hinterlassenschaften umgeht – gerade in Momenten, in denen Emotionen hochkochen. Es sei ihr wichtig gewesen, Hogans Tod mit Respekt zu begegnen, ohne dabei die Schattenseiten seines Lebens zu beschönigen. „Ich lerne einen Tag nach dem anderen und werde weiter lernen“, erklärte sie.

Lio Rush widersetzt sich dem Shitstorm: „Ich feiere den Tod von niemandem“

AEW-Star Lio Rush hat sich nach dem Tod von Hulk Hogan mit einer klaren Haltung zu Wort gemeldet und dafür eine Welle der Kritik kassiert. Kurz nach der Bekanntgabe von Hogans Ableben veröffentlichte Rush in den sozialen Medien einen kurzen, aber respektvollen Abschiedspost. Er würdigte Hogans Karriere und dessen prägenden Einfluss, indem er sowohl auf dessen klassische gelb-rote Erscheinung als auch auf seine Zeit bei der nWo mit den Farben Schwarz und Weiß anspielte: „Die Reaktion auf Hogans Ableben kann einfach nur als traurig bezeichnet werden. R.I.P. to a true Icon. From the 🟡🔴, to the black⚫️⚪️.“

Diese Worte stießen bei einigen Usern auf harsche Ablehnung, die sich auf Hogans frühere rassistische Äußerungen bezogen. Lio Rush wurde vorgeworfen, er würde problematische Aspekte von Hogans Vergangenheit verharmlosen. Doch statt den Beitrag zu löschen oder sich zu distanzieren, bezog Rush in einem weiteren Statement deutlich Stellung und blieb bei seiner Meinung. „Ich werde nicht auf den Hass-Zug aufspringen“, schrieb Rush. „Das erfüllt mich in keiner Weise. Ich werde nicht den Tod von irgendjemandem zelebrieren. Das ist lahm.“

Rush machte deutlich, dass man auch eine differenzierte Sichtweise auf das Vermächtnis einer Person haben kann, ohne dabei respektlos zu sein. Er betonte, dass Hogans Einfluss auf die Popkultur und das Wrestling so tief verwurzelt sei, dass viele, die ihn heute kritisieren, in ihrer Kindheit von ihm geprägt wurden, ob bewusst oder unbewusst.

„Wenn du eine so starke Meinung hast, dass du sie ausgerechnet an dem Tag öffentlich teilen musst, an dem jemand gestorben ist und seine Familie trauert, dann ist das deine Entscheidung“, sagte Rush. „Aber wenn du als Kind Hogan im Fernsehen gesehen hast, hast du vielleicht selbst mal so getan, als würdest du wie er wrestlen – sein Bein-Finish nachgemacht, mit dem Finger gewunken, dein T-Shirt zerrissen oder zur Musik der nWo Luftgitarre gespielt,“ gab Rush zu verstehen.

Hogan gehört für Mark Henry auf den Wrestling-Mount Rushmore

Auch Mark Henry hat nach dem Tod von Hulk Hogan seine Haltung gegenüber der Wrestling-Legende überdacht. Bei Busted Open After Dark sprach der WWE Hall of Famer offen über Hogans Vermächtnis und seine Bedeutung für die Geschichte des professionellen Wrestlings. Obwohl Henry in der Vergangenheit klare Kritik an Hogan geäußert hatte, insbesondere im Zusammenhang mit rassistischen Aussagen, ließ er nun durchblicken, dass er Hogans Beitrag zur Wrestling-Welt respektiert.

Mark Henry erklärte, dass Hulk Hogan für ihn fest zum sogenannten Mount Rushmore des Pro Wrestlings gehört – also zu den vier wichtigsten Persönlichkeiten der Geschichte des Sports. Er nannte Ric Flair als weiteren festen Bestandteil und betonte, dass Hogan aus dieser Aufzählung für viele Menschen nie fehlen dürfe.

Seiner Meinung nach gibt es zwar individuelle Vorlieben bei der Auswahl solcher Legenden, doch kaum jemanden, der Hogan dabei nicht berücksichtigt. Für Henry ist Hogans Platz in dieser symbolischen Ehrengalerie unumstritten.

Henry ging auch auf die kritischen Stimmen ein, die sich nach Hogans Tod auf negative Aspekte seiner Vergangenheit konzentriert haben. Er machte deutlich, dass er es unpassend findet, einem Verstorbenen in einem Moment der öffentlichen Trauer mit Vorwürfen zu begegnen. Stattdessen solle man sich auf die positiven Auswirkungen konzentrieren, die Hogan auf das Wrestling hatte.

Henry erinnerte daran, wie sehr Hogan den Sport über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Er habe dem Wrestling weltweit Sichtbarkeit verschafft und Generationen von Fans sowie Wrestlern inspiriert. Henry sagte, dass Hogan vielleicht das Wichtigste beigetragen habe, was ein Wrestler dem Geschäft geben könne – er habe es besser gemacht.

In der Show teilte Henry auch Erinnerungen aus seiner Kindheit. Er erzählte, wie er als Jugendlicher die Zeichentrickserie Hulk Hogan’s Rock ’n‘ Wrestling verfolgte und Hogans typische Gesten nachahmte. Besonders die ikonische Pose mit der Hand am Ohr habe ihn geprägt und ihn gelehrt, wie man eine Verbindung zum Publikum herstellt.

Henry sagte, dass er diese Geste sogar bei olympischen Wettkämpfen eingesetzt habe, um das Publikum zu motivieren. Für ihn sei das ein Beispiel dafür, wie sehr Hogan als Performer die Branche beeinflusst habe. Viele Wrestler hätten diese Elemente übernommen, ohne sich dessen möglicherweise bewusst zu sein.

D-Von Dudley ruft zur Vergebung auf: „Ohne Hogan gäbe es unser Geschäft nicht in dieser Form“

Ein besonders reflektierter Beitrag kam von WWE-Legende D-Von Dudley. Im DukeLovesRasslin-Podcast sprach er ausführlich über seine persönlichen Erfahrungen mit Hogan, über die Kontroverse rund um dessen rassistische Aussagen und die Frage, wie man mit Fehlern von Menschen umgehen sollte – besonders nach ihrem Tod.

D-Von betonte, dass er Hogans Aussagen nicht verteidige, vor allem nicht als Afroamerikaner, der genau wisse, wie verletzend solche Worte sein können. Dennoch plädierte er eindringlich für Vergebung und Verständnis – nicht im Sinne des Verdrängens, sondern als Zeichen menschlicher Größe. „Ich bin Afroamerikaner. Ich habe es verstanden. Wenn es jemand versteht, dann wir. Aber man kann nicht leugnen, was dieser Mann für das Wrestling getan hat. Ohne Hulk Hogan gäbe es keine WWE, keine AEW und kein TNA – das alles gäbe es nicht.“

Er schilderte auch ein persönliches Gespräch mit Hogan, in dem dieser sich bei ihm entschuldigt und beteuert habe, nicht die Person zu sein, als die er in der Öffentlichkeit dargestellt werde. Hogan habe ihn zur Seite genommen und ihm gesagt: „Bruder, ich liebe dich.“ Für D-Von war das mehr als nur eine Geste – es war ein ehrliches Zeichen der Reue und Wertschätzung. „Er musste das nicht sagen. Er hätte es einfach ignorieren können. Aber er tat es. Und das rechne ich ihm hoch an“, sagte D-Von.

Besonders kritisch äußerte sich D-Von gegenüber jenen Menschen, die Hogan zu Lebzeiten stark verurteilt hatten, nach dessen Tod aber versuchten, ihre Haltung öffentlich zu korrigieren. Er nannte dieses Verhalten heuchlerisch. „Viele dieser Leute haben selbst Fehler gemacht, die sie niemals öffentlich machen würden. Aber sie haben ihn zu Lebzeiten verurteilt. Jetzt ist es zu spät. Wenn du jemandem etwas vergeben willst, tu es, solange er noch lebt – nicht erst, wenn es nichts mehr bringt.“

6 Kommentare

  1. So traurig sein Ableben für manche halt ist, ist Vergebung einfordern das, was man nicht machen sollte. Dafür hat er sich zu oft Fehltritte geleistet. Das man seinen redemption arc nach dem Tod bekommt ist halt der Promi-Bonus.

    Respekt für das, was er für das Business geleistet hat, ist und sollte davon differenziert betrachtet werden.

    • Es ist kein Promi Bonus. Man kann Leute auch von ihren Ansichten und Verfehlungen trennen. Es gibt genug andere Beispiele, bei denen wurde so einiges verziehen, weil die auf der vermeintlich richtigen Seite stehen. Das bei Hogan jetzt so geschimpft wird, zeigt die gesellschaftliche Doppelmoral in ihrer dümmsten Form. Ruhe in Frieden Terry.

  2. Egal wie man versucht, den Tod eines Menschen zu würdigen, es wird immer gemeckert.

    Angenommen, Vince stirbt in den nächsten Jahren, wird doch nicht jeder darüber schreiben, was er alles negatives gemacht hat, was ich hier nicht verteidigen oder verharmlosen möchte. Wenn das alles stimmt, gehört er definitiv ins Gefängnis.
    Aber bei seinem Tod werden die Erinnerungen mehr auf dem Wrestling Business und der Entwicklung zum Entertainment, wie es heute ist, sein.

  3. Das ist ein wunderschöner Satz von Stallone. Ich will dem gar nichts hinzufügen, außer dass ich mir gewünscht hätte, dass es die meisten Menschen so halten würden. Vielleicht tun sie es ja, aber dann sind das eher diejenigen, die sich im Internet nicht äußern.

  4. So sehr ich Hulk Hogan auch mochte aber ich kann diese aussagen wie “ohne hulk keine wwe / kein wrestling” nicht mehr hören. Wrestling gab es schon Jahrzehnte vor Hulk, selbst die WWF existierte vor Hulk. Klar ist dank ihm das Wrestling groß geworden aber man muss auch ehrlich sagen er selber ist nur so gross geworden weil er auserwählt wurde den Iron Sheik zu besiegen. Hätte auch jeder andere Wrestler sein können. Und Wrestling würde es heute trotzdem geben, vielleicht anders und nicht so groß, wer weiß. Aber nochmal das ist kein Hate, hab Hogan gemocht und bin sehr traurig das er gegangen ist 😭 HOLLYWOOD 4 LIFE

    • Wer kann es mit Sicherheit sagen? Es gab in jedem Jahrzent Wrestler, die das Business geprägt haben!
      Hätte es sie ohne Hulk Hogan gegeben? Möglicherweise!
      Hätte es ohne Hulk Hogan andere Stars gegeben? Wahrscheinlich!
      Stand er viel im Spotlight? Oh ja!
      Hat er das optimal ausgenutzt? Absolut
      Fakt ist die Figur Hulk Hogan ist eine Wrestling Legende, der Mensch Terry Bolea ist, nuja…diskutabel!

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