Gunther über WWE-Ziele, Ludwig Kaiser und seine klare Haltung zu alten Wrestling-Klischees

Gunther und Ludwig Kaiser unterhalten sich im Backstagebereich

Gunther zählt seit mehreren Jahren zu den prägendsten Persönlichkeiten im WWE-Ring. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts What Do You Wanna Talk About? von Cody Rhodes gewährte der österreichische Superstar ausführliche Einblicke in seine Denkweise, seine Karriereziele und seine Sicht auf seine Rolle im modernen Wrestling.

Im Gespräch machte Gunther deutlich, dass er seine Karriere nie anhand einer klassischen Liste von Erfolgen oder Titeln geplant habe. Für ihn stehe vielmehr die persönliche Entwicklung und die Übernahme von Verantwortung im Mittelpunkt: „Ja, aber nicht in dem Sinne, dass ich nie eine Liste mit das möchte ich erreichen, das möchte ich gewinnen oder so etwas hatte. Es ist eher so, dass ich immer mehr Verantwortung übernehmen möchte… Ich habe das Gefühl, dass mich das antreibt, so nach dem Motto: Okay, ich habe diese sehr schwierige Situation gemeistert. Okay, jetzt kann ich etwas noch Schwierigeres meistern. So sehe ich das irgendwie. Und ich denke, in unserer Welt bedeutet das automatisch Titel, große Matches und all das,“ sagte er.

Für Gunther ist Wrestling seit seiner Jugend der zentrale Bestandteil seines Lebens. Trotz der enormen Erwartungen und des Drucks auf höchstem Niveau habe er nach eigenen Angaben stets Freude daran gehabt, im Ring zu stehen und sich mit neuen Herausforderungen zu messen.

Auf die direkte Frage von Cody Rhodes, ob er sich selbst als den besten Wrestler der Welt betrachte, reagierte Gunther zunächst zurückhaltend: „Sieh mal, darüber denke ich nicht nach, ich weiß es nicht.“

Der „Career Killer“ und seine großen Siege

In den vergangenen Jahren konnte Gunther eine Reihe bedeutender Erfolge feiern, die seinen Ruf als einer der dominantesten Wrestler der Gegenwart gefestigt haben. Besonders im Jahr 2025 machte er durch mehrere große Siege auf sich aufmerksam.

So zwang er sowohl Goldberg als auch John Cena in ihren jeweiligen Abschiedsmatches zur Aufgabe. Beide Begegnungen fanden im Rahmen von WWE Saturday Night’s Main Event statt. Zusätzlich beendete Gunther beim Royal Rumble Premium Live Event 2026 in Riad die Karriere von AJ Styles.

Diese Serie von Erfolgen führte dazu, dass sich Gunther den Spitznamen „Career Killer“ zulegte. Seine Dominanz zeigte sich auch in weiteren wichtigen Momenten seiner Laufbahn. Bei WrestleMania 41 verlor er zwar die WWE World Heavyweight Championship an Jey Uso, holte sich den Titel jedoch wenige Monate später wieder zurück.

Der Titelwechsel bei WrestleMania kam zustande, nachdem Jey Uso Gunther mit seinem charakteristischen Sleeper Hold zur Aufgabe zwang. Trotz der emotionalen Situation zeigte sich Gunther im Rückblick erstaunlich gelassen. Nach seiner Niederlage kam es auch bei WWE-Shows zu lautstarken Reaktionen der Zuschauer, die ihm „You tapped out“ zuriefen. Gunther ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken.

Nur wenige Monate später gelang ihm bei einer Ausgabe von Monday Night RAW am 9. Juni die Revanche gegen Jey Uso, als er die World Heavyweight Championship zurückeroberte. Später verlor er den Titel in der ersten SummerSlam Night an CM Punk.

Gunther über das Klischee des „bösen Ausländers“

Ein weiteres Gesprächsthema im Podcast war Gunthers Blick auf klassische Rollenbilder im Wrestling. In der Vergangenheit wurden internationale Wrestler im US-Wrestling häufig als sogenannte „ausländische Bedrohung“ dargestellt, ein Konzept, das über viele Jahre Teil zahlreicher Storylines war.

Gunther stellte klar, dass er mit einer solchen Darstellung nichts anfangen kann. Er betonte, dass er nicht als stereotype Figur auftreten möchte und sich darüber ärgere, wenn seine Rolle auf das Klischee eines „bösen Ausländers“ reduziert werde. Aus diesem Grund versuche er bewusst, alle Elemente zu vermeiden, die in diese Richtung gehen könnten, etwa nationale Symbolik oder ähnliche Darstellungen.

In diesem Zusammenhang erläuterte er auch, dass selbst kleine Details seiner Ringausrüstung angepasst wurden. Zu Beginn seiner WWE-Zeit sei beispielsweise eine Flagge auf seiner Ringkleidung vorgesehen gewesen. Diese habe er jedoch schnell wieder entfernen lassen, weil sie seiner Meinung nach keinen Mehrwert habe. Für Gunther passt ein solches Konzept nicht mehr in die heutige Zeit, da es im modernen Wrestling stärker um die Persönlichkeit eines Wrestlers gehe als um vereinfachte nationale Stereotype.

Für Gunther spiegelt diese Haltung auch die gesellschaftliche Realität wider, insbesondere in den Vereinigten Staaten: „Ich habe das Gefühl, dass Amerika heute ein sehr vielfältiges Land ist. Je nachdem, wo man sich befindet, ist das vielleicht anders, aber wir hatten eine Wohnung irgendwo im Nordosten. Ich habe dort kaum Amerikaner getroffen. Es gibt immer jemanden, der von woanders herkommt. Ich finde, es ist ein sehr vielfältiger Ort.“

Er betonte außerdem, dass Herkunft für ihn keine Rolle spiele, wenn es um Identität und Heimat geht: „Es spielt keine Rolle, wo auf der Welt man geboren ist. Zu Hause wird immer Zuhause sein. Und nichts wird jemals in der Lage sein, es zu ersetzen. Es spielt keine Rolle. Selbst wenn man in einem armen Land aufgewachsen ist und keine gute Erziehung genossen hat oder so, dieses Gefühl von Zuhause kann nichts ersetzen.“

Lob für Ludwig Kaiser und mögliche Karriere außerhalb des Wrestlings

Neben seiner eigenen Karriere sprach Gunther auch ausführlich über seinen langjährigen Weggefährten Ludwig Kaiser. Beide standen lange Zeit gemeinsam als Mitglieder der Imperium-Fraktion im WWE-TV.

Gunther zeigte sich im Podcast besonders beeindruckt von Kaisers Fähigkeiten außerhalb des Rings: „Ja, zu 100 Prozent. Ich finde, er wird in seiner Ausstrahlung unterschätzt und ist ein wirklich guter Redner.“

Darüber hinaus ist Gunther überzeugt, dass Kaiser auch außerhalb des Wrestlings erfolgreich sein könnte: „Ich sage ihm immer, dass er irgendwann nach Hollywood gehen muss, weil er das Zeug zum Schauspieler hat. Ich sage ihm immer, dass er ein großartiger Theaterdarsteller oder so etwas geworden wäre. Denn er hat auch ein großes Sprachentalent.“

Abschließend unterstrich Gunther seine Wertschätzung für seinen Freund noch einmal deutlich: „Also ja, eine sehr, sehr, sehr talentierte Person. Was das Wrestling angeht, ja, natürlich.“

Kritik und Einfluss hinter den Kulissen

Auch hinter den Kulissen hat Gunther nach Aussagen von Cody Rhodes Einfluss auf andere WWE-Stars genommen. Rhodes erinnerte sich im Podcast an eine Situation aus einem früheren Gespräch zwischen Gunther und Sami Zayn, in dem Gunther Kritik an Rhodes’ Arbeitsweise geäußert hatte.

Cody Rhodes erinnerte sich im Podcast an eine frühere Situation, in der Gunther und Sami Zayn hinter den Kulissen über seine Arbeitsweise gesprochen hatten. Als Rhodes den Raum betrat, bemerkte er, dass beide in dem Gespräch angedeutet hatten, seine Arbeit im Ring wirke teilweise etwas routiniert oder zu wenig abwechslungsreich.

Diese Bemerkung ließ Rhodes nicht kalt. Zunächst machte er zwar einen Scherz darüber und tat so, als würde er die Kritik humorvoll weitertragen. Gleichzeitig erkannte er jedoch, dass ein kleiner Teil der Einschätzung zutreffen könnte. Das brachte ihn dazu, bewusst Veränderungen an seinem Stil vorzunehmen und mehr Abwechslung in seine Matches einzubauen. Rückblickend erklärte Rhodes, dass er sogar noch am selben Abend einige Dinge angepasst habe, obwohl Gunther sich die Änderungen letztlich gar nicht mehr angeschaut habe.

Offene Zukunft Richtung WrestleMania

Trotz seiner großen Erfolge ist derzeit noch unklar, welche Rolle Gunther bei WrestleMania 42 einnehmen wird. Berichten zufolge hat WWE bislang noch keinen endgültigen Gegner für den österreichischen Superstar festgelegt.

In den vergangenen Monaten wurde Gunther immer wieder mit möglichen Gegnern wie Brock Lesnar, Oba Femi, Dragon Lee oder Rey Mysterio in Verbindung gebracht. Offizielle Ankündigungen gibt es bisher jedoch nicht.

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