Giovanni Vinci hat in einem ausführlichen Gespräch bei „Insight with Chris Van Vliet“ erstmals umfassend über seine WWE-Entlassung gesprochen. Der 35-jährige Österreicher, der als Teil von Imperium zum Main Roster aufgestiegen war, schildert ein vielschichtiges Bild aus Enttäuschung, Erleichterung und dem klaren Willen zur Rückkehr.
Entlassung fühlte sich seltsam an
Im Februar 2025 endete Vincis Zeit bei der WWE mit einem Anruf. Sein letztes Match hatte er bereits im Dezember 2024 bestritten. Die unmittelbare Reaktion auf die Entlassung war für ihn selbst kaum eindeutig zu beschreiben: „Ich meine, es war schon echt schade zu wissen, dass dieses Kapitel vorbei war. Vor allem, weil man große Opfer bringt, um hierherzukommen. Man lässt seine Familie zurück, zieht ans andere Ende der Welt. Man fängt wieder ganz unten an.“
Gleichzeitig empfand er den Moment als befreiend, nachdem ihm die monatelange Ungewissheit über seine Rolle im Programm zugesetzt hatte: „Andererseits fühlte es sich in gewisser Weise aber auch befreiend an, weil es bis dahin eine echte Achterbahnfahrt gewesen war. Ein Freund fragte mich, ob es mir gut ginge, und ich antwortete: ‚Ja, mir geht’s gut.‘ Es war fast so, als wäre man in der Schule und die Schule wäre zu Ende und man würde in die Sommerferien fahren – die ganze Last war einfach weg.“
Keine echte Überraschung mehr
Vinci gab zu, dass er die Zeichen bereits hatte kommen sehen. Nachdem SmackDown Anfang 2025 auf drei Stunden verlängert worden war, hatte er noch einmal auf eine neue Chance gehofft: „Als SmackDown auf drei Stunden verlängert wurde, dachte ich, vielleicht ist das meine Chance. Und dann, ja, wurde ich ein paar Wochen lang nicht mehr fürs Fernsehen gebraucht. Man will so einen Anruf natürlich nicht erhalten, aber als es passierte, kann ich nicht sagen, dass ich wirklich überrascht war. Es war irgendwie eine seltsame Mischung aus Gefühlen.“
Er verwies in diesem Zusammenhang auf eine Aussage aus dem WWE-Umfeld, die das Grundproblem deutlich mache. Selbst mit der Ausweitung von SmackDown auf drei Stunden zu Beginn des Jahres 2025 habe intern offenbar die Einschätzung geherrscht, dass zwar zahlreiche kreative Ideen vorhanden seien, die verfügbare TV-Zeit aber trotzdem nicht ausreiche, um alles unterzubringen.
Der Charakterwechsel, der nie richtig anlief
Eines der wichtigsten Themen des Interviews war Vincis geplanter Neustart als Singles-Wrestler kurz vor seiner Entlassung. Die Vignetten, in denen er als stilbewusster Italiener mit einem Ferrari in Las Vegas präsentiert wurde, hatten zuvor für Aufmerksamkeit gesorgt. Bei seinem eigentlichen Debüt musste er sich jedoch in weniger als zehn Sekunden Apollo Crews geschlagen geben. Vinci schilderte, dass er erst sehr spät von dieser Planänderung erfahren habe.
Eigentlich sei er davon ausgegangen, direkt mit mehr Bedeutung ins Geschehen eingebunden zu werden. Erst am Tag der Show habe sich für ihn abgezeichnet, dass ein anderer Weg eingeschlagen werde. Trotzdem habe er versucht, professionell damit umzugehen und aus der Situation das Beste zu machen. Gleichzeitig betonte er, dass dieser Auftritt für ihn persönlich trotzdem der liebste seiner gesamten Karriere gewesen sei. Innerhalb einer Gruppe habe er oft das Gefühl gehabt, sich anpassen zu müssen, und dadurch nicht wirklich hervorzustechen.
Er ließ dabei durchklingen, dass er dem Charakter und dem nicht realisierten Potenzial noch heute nachtrauert: „Ich habe das Gefühl, wir hätten mit dieser Figur bei SmackDown eine Menge cooler Sachen machen können. Ich weiß, dass Apollo und ich in einem Match richtig hätten abgehen können. Das haben wir bei NXT getan. Das haben wir bei Main Event getan. Wir haben eine großartige Chemie.“
Surrealer Moment mit John Cena
Abseits seiner Entlassung sprach Vinci auch über ein Erlebnis, das ihm besonders in Erinnerung geblieben ist: ein Imperium-Match gegen John Cena und Seth Rollins bei einer WWE-Show in Indien. Für ihn war dieser Moment offenbar kaum zu begreifen, weil Cena ihn bereits seit seiner Kindheit begleitet hatte. Vinci schilderte, dass die Reaktion des Publikums bei der Ankündigung des Matches die lauteste gewesen sei, die er je erlebt habe.
Die Stimmung in der Halle sei so intensiv gewesen, dass sogar der Boden spürbar vibrierte. Für ihn habe sich das Ganze fast unwirklich angefühlt, beinahe so, als befinde er sich in einer virtuellen Realität. Gerade weil John Cena über viele Jahre hinweg eine so prägende Figur gewesen sei und auch in seiner Familie eine besondere Rolle gespielt habe, sei es für ihn ein außergewöhnlicher und beinahe verrückter Moment gewesen, schließlich selbst mit ihm im Ring zu stehen.
Auszeit als bewusste Entscheidung
Nach seiner Entlassung zog sich Vinci zunächst bewusst komplett aus dem Trainingsalltag zurück und nutzte die freie Zeit, um sich anderen Interessen zu widmen, darunter vor allem seiner Begeisterung für Motorsport und die Formel 1.
Einen festen Zeitpunkt für seine Rückkehr legte er dabei absichtlich nicht fest. Stattdessen stand für ihn zunächst im Vordergrund, Abstand zu gewinnen, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und wieder mehr bei sich anzukommen. Gleichzeitig wollte er die Phase auch dazu nutzen, das Leben ein Stück weit zu genießen.
Gespräche laufen, aber noch nichts in Stein gemeißelt
Auf die Frage, ob er nach Ablauf seiner 90-tägigen Wettbewerbsverbotsfrist Gespräche mit anderen Promotionen wie TNA oder AEW geführt habe, gab sich Vinci vorsichtig optimistisch: „Nicht wirklich. Ich hatte schließlich doch ein paar gute Gespräche. Aber noch ist nichts in Stein gemeißelt. Ich weiß nur, dass ich so, wie ich gerade trainiere, meiner Meinung nach schon startklar bin, und je länger es so weitergeht, desto besser werde ich in Form sein. Und wenn sich diese Gelegenheit ergibt, egal wo, weiß ich, dass ich alles geben und es rocken werde.“
Voller Fokus auf das Comeback
Vinci machte deutlich, dass er sein volles Potenzial im Wrestling noch nicht ausgeschöpft sieht. Er wolle nicht halbherzig zurückkommen, sondern vollständig bereit sein, wenn sich die richtige Gelegenheit bietet: „Ich glaube fest daran, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht. Vor allem im Wrestling sollte man also niemals ’nie‘ sagen. Wir werden also sehen, was von hier an passiert. Aber ich konzentriere mich jetzt mehr auf die Zukunft und die Gegenwart und freue mich darauf.“
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