„Früher nutzte man unsere Matches für Pausen“ – Trish Stratus spricht offen über ihre WWE-Karriere und das damalige Womens-Wrestling

Trish Stratus sieht unglücklich aus

Ex-WWE-Diva Trish Stratus hat in einem Gespräch mit dem Podcast „Pod Meets World“ offen dargelegt, wie sie von der Unternehmensführung wiederholt darum gebeten wurde, für das Magazin „Playboy“ zu posieren, und warum sie sich schließlich entschied, das Angebot strikt abzulehnen. Im Interview sagte sie: „Nein, das war einfach nichts für mich. Ich bin eher ein Wildfang, auch wenn man mich als Sexsymbol kennt. Aber das ist meine Figur im Fernsehen, nicht die echte Trish.“

Sie schilderte weiter, dass sie sich bei den jährlichen „Divas Magazine“-Ausgaben der WWE, die ursprünglich als Bademoden-Ausgaben gedacht waren, später jedoch zu Dessous-Specials umfunktioniert wurden, zunehmend unwohl gefühlt habe. Selbst wenn sie Dessous tragen musste, fühlte sich das „nicht natürlich“ an, so ihre Erklärung.

Als schließlich der Playboy offiziell anfragte, berichtete Stratus: „Als der Playboy anfragte, war meine Antwort: ‚Absolut kein Interesse.‘ Vince hat mich regelrecht bedrängt. Er meinte, es sei eine großartige Gelegenheit. Mir wurde sogar gesagt: ‚Wenn du absagst, geben wir die Chance jemand anderem.‘ Bist du sicher?‘ – und ich sagte: ‚Ja, ich will es nicht.‘ Sie kamen jahrelang immer wieder, aber ich blieb bei meiner Entscheidung.“

Heute sagt sie, dass sie diese Entscheidung nicht bereut. „Ich bereue es kein bisschen. Es war einfach nicht mein Ding. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen. Es war meine Entscheidung – und ich stehe dazu.“

Vom „We Want Puppies“-Chant zur ernsthaften Ring-Anerkennung

Ein weiterer Schwerpunkt im Gespräch war die Rolle, die Stratus und ihre Kolleginnen bei der Transformation der Womens Division bei WWE spielten. Sie berichtete, wie Zuschauer zu Beginn ihrer Karriere bei Auftritten von Wrestlerinnen häufig Chants wie „We Want Puppies!” riefen, womit sie auf das Äußere der Frauen anspielten und nicht auf ihr Können.

Stratus erklärte: „Es war fast so, als müsste man das Publikum neu programmieren. Sie waren es gewohnt, ‚We want Puppies!‘ zu rufen. Früher war es so, dass die Frauen herauskamen und das Publikum einfach Unterhaltung wollte. Wir aber sagten: ‚Wir werden ein Wrestling Match veranstalten.‘ Und sie chanteten trotzdem ‚Puppies‘.“

Sie und ihre Kolleginnen Lita, Jazz und Victoria begannen, in ihren Matches immer mehr echte Wrestling-Inhalte zu zeigen. „Die einzige Möglichkeit war, zu beweisen, dass wir es mehr verdient hatten, dort zu sein, als nur für diese Chants.“

Sie erinnerte sich auch an den Widerstand hinter den Kulissen: „Die Produzenten sagten: ‚Ja, die Leute wollen nicht sehen, wie Frauen sich gegenseitig schlagen. Sie wollen Haareziehen und Zickenkrieg sehen.‘ Das wurde uns tatsächlich gesagt. Aber wir dachten uns: ‚Okay, dann zeigen wir ihnen, dass sie sich irren.‘“ Wir haben einfach angefangen, zu liefern: Schläge, Chops, harte Aktionen. Und irgendwann hörten die ‚Puppies‘-Rufe auf und wurden durch Jubel ersetzt.“

Mit dieser Einstellung half Stratus dabei, die Wahrnehmung des Women’s Wrestlings grundlegend zu verändern. Sie erinnerte sich daran, dass ihre Matches früher oft als sogenanntes Popcorn-Match galten, also als jener Teil der Show, bei dem Zuschauer aufstanden, um sich Snacks zu holen oder zur Toilette zu gehen. „Früher waren wir die Toilettenpause“, sagte Stratus. Doch irgendwann jubelten sie uns für unsere Nearfalls und Moves zu. Das war der Moment, in dem wir wussten: Wir haben das Publikum überzeugt.‘“

Entscheidung gegen eine Kussszene: „Ich sagte Nein – und verlor den Titel.“

Stratus teilte auch eine bis dahin wenig bekannte Episode ihrer Karriere: Sie verweigerte eine Storyline, in der sie eine Frau küssen sollte. „Einmal habe ich ganz klar Nein gesagt. Es ging darum, dass ich ein anderes Mädchen küssen sollte. Und ich dachte mir: ‚Warum sollte ich das tun? Das passt nicht zu meiner Figur, und ich selbst würde es auch nicht tun.“ Also habe ich abgelehnt.“

Laut Stratus reagierte die WWE unmittelbar darauf: „Kurz darauf wurde mir mein Titel aberkannt. Es war, als wollte man mir zeigen, dass meine Entscheidung Konsequenzen hat. Ich habe nachgefragt und die Antwort erhalten: ‚Ja, genau so ist es.‘ Da wurde mir klar, dass das eine Art Strafe war.“

Der Weg zur WWE: Fitnessmodel, Training und die Frage nach Gleichbehandlung

Im Podcast erinnerte sich Trish Stratus auch an ihren Einstieg in die Wrestling-Welt. Ursprünglich arbeitete sie als Fitnessmodel, bis eine zufällige Begegnung mit Michael „PS“ Hayes sie dazu motivierte, ihre Unterlagen an die WWE zu schicken. „Das war 1999. Es gab noch nicht wirklich viele Frauen, die wrestelten. Ich hätte nie gedacht, dass das etwas für mich sein könnte.“

Da sie zunächst keine Rückmeldung erhielt, suchte sie eine Wrestling-Schule in Toronto auf. „Ich habe herausgefunden, wo Edge trainiert hat, bin einfach hingegangen und habe gesagt: ‚Ich möchte wie die Jungs behandelt werden.‘ Ich wollte nicht geschont werden, sondern wirklich lernen.“

Wenige Monate später erhielt sie eine Einladung von WWE-Talentchef Jim Ross nach Connecticut. „Er sagte mir, dass es ein sehr körperlicher Job sei, und ich sagte: ‚Ich weiß. Ich trainiere schon seit Monaten.‘“ Ich glaube, das hat Eindruck gemacht. Kurz danach bekam ich meinen ersten Vertrag.“

Diese Entschlossenheit legte den Grundstein für ihre Karriere und machte sie zu einem der bekanntesten Gesichter der WWE in den 2000er Jahren.

Dem Körper und dem Auftritt treu bleiben: Rückkehr, Moveset-Erweiterung und höchste Wertschätzung für Natalya

Ein zentrales Thema im Gespräch war auch, wie Trish Stratus ihre körperliche Fitness über die Jahre erhalten konnte und bei späteren Rückkehr-Matches neue Akzente setzte. Sie erklärte, dass sie bei ihrem Comeback im Jahr 2018, dem ersten Women’s Royal Rumble, noch viele ihrer früheren Bewegungsabläufe abrufen konnte.

„Das Verrückte ist, dass ich das tatsächlich konnte. Als ich nach so vielen Jahren wieder im Ring stand, war es fast so, als würde ich wieder Fahrrad fahren. Ich dachte erst, ich schaffe vielleicht nur ein paar meiner alten Aktionen, aber am Ende lief es so gut, dass ich mich wieder wie früher fühlte.“

Bei ihrem Run im Jahr 2023, der sich über mehrere Monate erstreckte, habe sie hingegen bewusst daran gearbeitet, ihr Repertoire zu erweitern und neue Moves einzubauen. „Mein Körper hat mitgemacht und deshalb wollte ich Dinge ausprobieren, die ich zuvor nie gemacht hatte. Ich präsentiere heute ein ganz anderes Repertoire, ein völlig neues Moveset. Und das macht mir richtig Spaß, weil ich es liebe, die Leute zu überraschen.“

Auf die Frage nach der am meisten unterschätzten Kollegin, mit der sie je zusammengearbeitet hat, fand Stratus klare Worte: „Wahrscheinlich Nattie Neidhart. Ich habe das Gefühl, dass sie jetzt endlich die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Sie ist schon so lange bei der Firma und hat in dieser Zeit so vielen Menschen geholfen und sie gefördert. Viele ihrer besten Matches hatten Wrestler nur, weil Nattie ihnen dabei geholfen hat. Sie hat so viel zurückgegeben, aber stand nie wirklich im Mittelpunkt. Sie war immer irgendwie die Brautjungfer.“

Sie fuhr fort: „Wenn man sich ihr Instagram-Profil ansieht, merkt man, dass sie gerade eine richtig coole neue Figur entwickelt: eine knallharte Underground-Kämpferin, was perfekt zu ihr passt. Die Leute finden das super, und ich hoffe, dass die WWE das erkennt und sie nicht wieder durch zu viel Glanz und Kommerz zerstört. Es ist echt und authentisch, und sie hat es verdient, dass man das so lässt. Es ist toll zu sehen, dass sie endlich richtig durchstartet.“

Damit verbindet Stratus nicht nur persönliche Anerkennung, sondern auch einen Appell an die WWE, Authentizität über Äußerlichkeiten zu stellen – eine Haltung, die sie selbst während ihrer gesamten Karriere verkörperte.

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