Der öffentlich geführte Rechtsstreit zwischen der früheren WWE-Mitarbeiterin Janel Grant, Vince McMahon und WWE steht vor einem grundlegenden Wandel. Die beteiligten Parteien haben sich schriftlich darauf verständigt, die Auseinandersetzung künftig in einem privaten Schiedsverfahren fortzuführen. Damit verschwindet einer der aufsehenerregendsten Rechtsfälle der jüngeren Wrestling-Geschichte weitgehend aus der Öffentlichkeit.
Grant soll Klage beim Bundesgericht zurückziehen
Aus einem gemeinsamen Statusbericht beim zuständigen Bundesgericht im US-Bundesstaat Connecticut geht hervor, dass Grant, McMahon und WWE eine entsprechende Schiedsvereinbarung unterzeichnet haben. Grant soll ihre Klage innerhalb von fünf Geschäftstagen freiwillig zurückziehen.
Die Abweisung soll „with prejudice“ erfolgen. Dadurch können dieselben Ansprüche nicht erneut vor diesem Bundesgericht eingereicht werden. Der Rückzug bedeutet jedoch nicht, dass Grant ihre Vorwürfe fallen lässt. Laut der Vereinbarung behalten alle Seiten ausdrücklich das Recht, ihre Ansprüche und Verteidigungen im anschließenden Schiedsverfahren weiterzuverfolgen.
Der öffentliche Gerichtsprozess wird damit beendet, während der eigentliche Rechtsstreit hinter verschlossenen Türen fortgesetzt wird. Über mögliche Anhörungen, eingereichte Beweise oder spätere Entscheidungen dürfte deshalb künftig nur noch wenig bekannt werden.
Wechsel in die Arbitration zeichnete sich bereits ab
Die Entwicklung hatte sich bereits im Juni 2026 angedeutet. Grant, McMahon und WWE hatten das Gericht damals gemeinsam darum gebeten, eine geplante Anhörung zu verschieben beziehungsweise abzusagen, um die Bedingungen für ein vertrauliches Schiedsverfahren auszuarbeiten.
McMahons Anwaltsteam hatte bereits zuvor auf eine Arbitration gedrängt. Grundlage dafür war die Verschwiegenheitsvereinbarung, die Grant im Jahr 2022 im Zusammenhang mit einer finanziellen Vereinbarung mit McMahon unterzeichnet hatte. Grants Seite hatte dagegen argumentiert, dass das NDA unter Zwang zustande gekommen und deshalb nicht durchsetzbar sei.
Warum Grant der privaten Arbitration nun dennoch zugestimmt hat, wurde bislang nicht öffentlich erklärt. Ebenso ist derzeit keine abschließende Einigung zwischen den Parteien bekannt.
Keine bestätigte Vergleichszahlung oder Beilegung
Die Verlagerung in ein Schiedsverfahren darf nicht mit einem abgeschlossenen Vergleich verwechselt werden. Bislang gibt es keine bestätigten Informationen über eine endgültige Einigung, eine Entschädigungszahlung oder eine Aufgabe der Vorwürfe.
Ein Schiedsverfahren kann später durch eine vertrauliche Vereinbarung oder eine Entscheidung des Schiedsgerichts beendet werden. Ob und wann es dazu kommt, ist derzeit jedoch offen. Auch WWE und McMahons Seite haben bislang keine ausführliche öffentliche Erklärung abgegeben, die über den gemeinsamen Statusbericht hinausgeht.
Grants Vorwürfe veränderten WWE nachhaltig
Grant hatte ihre Klage im Januar 2024 eingereicht und McMahon unter anderem Sexhandel und sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Auch WWE und der frühere Manager John Laurinaitis wurden in der Klage als Beklagte genannt. McMahon hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.
Die Klageschrift enthielt zahlreiche schwerwiegende Vorwürfe und legte nahe, dass auch weitere Personen innerhalb des Unternehmens zumindest Kenntnis von Teilen der Vorgänge gehabt haben könnten. Zudem wurde Brock Lesnar indirekt in den Fall hineingezogen.
McMahon soll Grant im Zusammenhang mit Vertragsgesprächen sexuelle Handlungen mit dem WWE-Star angeboten haben. Zu einem entsprechenden Treffen kam es laut der Klage jedoch nicht.
Der öffentliche Druck nach Einreichung der Klage trug maßgeblich dazu bei, dass McMahon im Januar 2024 als Executive Chairman von TKO zurücktrat. Seitdem besitzt er keine offizielle Funktion mehr bei WWE.
McMahons möglicher WWE-Auftritt bleibt Spekulation
Durch den Wechsel in ein vertrauliches Verfahren könnten erneut Spekulationen über eine mögliche Rückkehr McMahons in das WWE-Umfeld aufkommen. Konkrete Hinweise darauf, dass das Unternehmen eine Rückkehr, einen Auftritt oder eine Aufnahme in die WWE Hall of Fame vorbereitet, gibt es derzeit allerdings nicht.
Eine Rückkehr in eine einflussreiche Führungsposition gilt unter der heutigen Unternehmensstruktur ohnehin als äußerst unwahrscheinlich. Nick Khan führt WWE auf geschäftlicher Seite, während Paul „Triple H“ Levesque für den kreativen Bereich verantwortlich ist.
Die Arbitration stellt zudem weder einen Freispruch McMahons noch eine Widerlegung der Anschuldigungen dar. Sie sorgt lediglich dafür, dass die weitere Auseinandersetzung nicht mehr vor einem öffentlichen Gericht, sondern in einem vertraulichen Rahmen geführt wird.

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