Eva Marie hat in einem ausführlichen Gespräch mit Chris Van Vliet detailliert auf ihre Zeit bei WWE zurückgeblickt. Dabei ging sie sowohl auf die harsche Kritik der Fans als auch auf Spannungen hinter den Kulissen, kreative Entscheidungen und ihre beiden WWE-Runs ein. Zudem äußerte sie sich zu einem möglichen Wechsel zu AEW und zur besonderen Dynamik während ihrer Zeit bei Total Divas.
„Du kannst nicht wrestlen“: Eva Marie räumt Kritik ein
Zu Beginn ihrer WWE-Karriere sah sich Eva Marie laut eigener Aussage massiven Publikumsreaktionen ausgesetzt. Besonders die wiederkehrenden „Du kannst nicht wrestlen“ Chants prägten ihre Anfangszeit. Rückblickend widerspricht sie dieser Kritik nicht, sondern erkennt an, dass die Fans aus ihrer Sicht nachvollziehbar reagierten: „Anfangs hat mich das sehr mitgenommen, weil ich dachte: Ja, klar, ich kann verdammt noch mal nicht wrestlen. Ich habe gerade erst damit angefangen. Ich habe es gerade erst gelernt – und ich lerne noch.“
Sie erklärte weiter, dass sie früh ins WWE-TV integriert wurde und unter großem Druck stand, sich vor einem Millionenpublikum zu beweisen. Diese Situation führte schließlich zu einer ungewöhnlichen Entscheidung: „Das ist auch der Grund, warum ich Vince schließlich gebeten habe, zu NXT zurückzukehren, denn ich wollte lernen, wie man wrestlet, und wirklich Selbstvertrauen entwickeln.“
Der Schritt zurück habe nicht nur ihre Fähigkeiten verbessert, sondern auch die Wahrnehmung im Backstagebereich verändert: „Ich glaube, dass ich dadurch auch den Respekt meiner Kollegen gewonnen habe … sie haben eine andere Seite von mir kennengelernt.“
Die negativen Reaktionen seien zunächst schwer gewese: „Am Anfang hatte ich es wirklich schwer … Ich verließ die Arenen und wurde wie verrückt ausgebuht.“ Erst durch Gespräche mit erfahrenen Kollegen habe sich ihr Blickwinkel verändert: „Sie haben mich immer motiviert und gesagt: ‚Nein, das ist okay.‘ Ist dir klar, dass jeder Heel dafür sterben würde?“
Mit der Zeit habe sie verstanden, dass starke Reaktionen ein zentraler Bestandteil des Geschäfts sind: „Du hast eine ganze Arena, die sich buchstäblich wünscht, dass du nicht in dieser Arena existieren würdest… das ist genau die Art von Spannung, die du dir wünschst.“
Der mutige Schritt zurück: Gespräch mit Vince McMahon
Eva Marie beschrieb auch die Hintergründe ihrer Rückkehr zu NXT, nachdem sie bereits Teil des Main Rosters war. Die Doppelbelastung aus WWE-Terminen und Dreharbeiten zu Total Divas habe ihr kaum Raum für intensives Training gelassen: „Wir waren so viel unterwegs und haben so viel für Total Divas gedreht, dass ich wirklich keine Zeit hatte, mich auf das Training zu konzentrieren, weil unsere Zeit zu diesem Zeitpunkt sehr begrenzt war.“
Sie habe das Gefühl gehabt, die Grundlagen nicht ausreichend zu beherrschen, und daraufhin suchte sie das Gespräch mit Vince McMahon: „Ich glaube, es war etwa ein Jahr, nachdem ich zur WWE gekommen war … Da ging ich zu Vince und fragte ihn: ‚Hey, kann ich zurück zu NXT gehen?‘“
Sie räumte ein, dass dieser Wunsch sehr ungewöhnlich war. Vince habe ihr diese Möglichkeit nicht verwehrt, sie aber deutlich auf das Risiko hingewiesen: „Er sagte mir, dass das kein Problem sei, aber auch, dass es keine Garantie dafür gebe, dass ich zurückkommen würde.“ Trotz dieser Warnung hat sie diese Entscheidung dann ganz bewusst getroffen.
Spannungen im Locker Room während der Total-Divas-Ära
Ein weiteres Thema waren die Spannungen im Umkleideraum, insbesondere während ihrer Anfangszeit im Zusammenhang mit Total Divas. Eva Marie widersprach der Annahme, es habe sich lediglich um inszenierte Reality-TV-Konflikte gehandelt: „Oh, das war echt krass. Ich meine, jetzt ist alles gut, aber das war echt… wow.“
Eva Marie erklärte rückblickend, dass sie die Skepsis und die teils angespannte Stimmung im Locker Room nachvollziehen konnte. Aus ihrer Sicht kam sie als Außenseiterin in eine etablierte Umgebung, in der viele Kolleginnen über Jahre hinweg hart gearbeitet hatten, um sich eine Chance im Main Roster zu verdienen. Entsprechend sei es verständlich gewesen, dass ihre schnelle Präsenz im TV kritisch beäugt worden sei.
Sie wies darauf hin, dass die damalige Situation zusätzlich durch begrenzte TV-Zeiten verschärft worden sei. Es habe nicht nur kurze Matches gegeben, sondern auch Storylines, um die gekämpft wurde. Wer im Fernsehen stattfand, erhielt Aufmerksamkeit, Bezahlung und Bekanntheit. Dadurch sei ein Konkurrenzdruck entstanden, bei dem jede Gelegenheit besonders wertvoll war.
Ein zentraler Kritikpunkt sei ihre fehlende Erfahrung gewesen. Während andere jahrelang trainiert und sich hochgearbeitet hätten, seien sie und eine weitere Newcomerin in eine Position geraten, für die sie aus Sicht vieler noch nicht bereit gewesen seien. Gerade dieser Kontrast habe für Unmut gesorgt.
Trotzdem machte Eva Marie deutlich, dass sie ihre Chance nicht ablehnen wollte. In einem Umfeld, in dem Gelegenheiten selten sind und hart erkämpft werden, müsse man zugreifen, wenn sich eine Tür öffne. Ihrer Ansicht nach wartet im Wrestling niemand darauf, dass man zögert.
Der virale Moment mit Becky Lynch
Eva Marie ging auch auf das viel diskutierte Segment aus dem Jahr 2016 mit Becky Lynch ein, bei dem sie kurz vor einem Match aufgrund eines angeblichen Kleidungsfehlers nicht antreten konnte. Rückblickend schilderte sie, dass ihr diese Art von Storyline großen Spaß gemacht habe. Das wiederkehrende Motiv sei gewesen, immer neue kreative Gründe zu finden, warum sie nicht in den Ring steigen könne, sei es ein Stau, eine Verletzung oder eben der vermeintliche Garderobenunfall.
Sie erklärte, dass die Idee an sie herangetragen worden sei und sie sich schnell dafür begeistern konnte. Als Heel habe sie kein Problem damit gehabt, bewusst lächerlich oder überzeichnet zu wirken. Ihrer Ansicht nach gehöre es im Wrestling dazu, auch die Rolle des Sündenbocks anzunehmen und negative Reaktionen in Kauf zu nehmen. Während manche Talente damit hadern würden, nicht als Held dargestellt zu werden, habe sie diesen Anspruch früh abgelegt. Für sie habe das Konzept funktioniert, weil es die gewünschte Reaktion beim Publikum ausgelöst habe.
Eva Marie schilderte, dass die Reaktionen des Publikums in dieser Phase besonders heftig gewesen seien. Sie habe deutlich gespürt, wie stark die Ablehnung ihres Charakters war. In Erinnerung geblieben sei ihr unter anderem ein Plakat in einer Arena, auf dem sinngemäß mit einem Aufstand gedroht wurde, sollte sie auftreten. Zudem habe es in manchen Hallen eigene Bereiche oder besonders lautstarke Gruppen gegeben, die sich gezielt gegen sie richteten. Trotz der Härte dieser Reaktionen habe sie das Ganze auch mit einem gewissen Abstand betrachtet, da das Publikum es kaum erwarten konnte, sie beim Erscheinen lautstark auszubuhen.
Auch die technische Umsetzung des angeblichen Kleidungsfehlers sei anspruchsvoll gewesen. Da es sich um eine Live-Übertragung handelte, habe man nichts dem Zufall überlassen dürfen. Um die Szene glaubwürdig wirken zu lassen, sei sie zuvor wie bei einer Generalprobe durchgespielt worden. Ein tatsächliches Verrutschen des Oberteils hätte vermieden werden müssen, weshalb es entsprechend gesichert wurde. Die Kameraleute seien äußerst vorsichtig gewesen, um jede ungewollte Panne auszuschließen.
Eva erklärte außerdem, dass die Illusion vor allem durch ihre Körperhaltung funktionierte. Sie habe das Oberteil so gehalten, dass es wirkte, als würde es jeden Moment verrutschen, obwohl sie fixiert war. Wenn sie die Hände löste, bewegte sich der Stoff lediglich im Wind. Im Fernsehen habe es dadurch so ausgesehen, als würde sich das Oberteil tatsächlich lösen und nach vorn fallen. Ihrer Einschätzung nach sei die Szene visuell überzeugend gewesen, auch weil Becky Lynch die Situation im Ring entsprechend glaubwürdig mitgespielt habe.
„Es war eine Hassliebe“: Rückblick auf beide WWE-Runs
Über ihre gesamte WWE-Zeit äußerte sich Eva Marie ambivalent: „Es war schon wild. Wir hatten ein vierwöchiges Tryout, und ich habe es wirklich geliebt. In einen Ring zu steigen und etwas Wettbewerbsorientiertes zu tun, war etwas Besonderes. Ich hatte keine Sportvergangenheit. Meine Beine haben so sehr geschmerzt, dass ich sie kaum bewegen konnte. Aber sie haben Potenzial in mir gesehen, ich habe einen Entwicklungsvertrag bekommen und bin nach Tampa gezogen, wo sich ihr Trainingszentrum damals befand. Dort habe ich viel gelernt und wurde später hochgezogen.“
Mit Blick auf ihre Entlassungen beschrieb Eva Marie die Situation als ungewöhnlich und für sie bis heute nicht vollständig nachvollziehbar. Das Timing habe sie irritiert, zumal sie zu diesem Zeitpunkt einen Film drehte und dem Unternehmen daher vorübergehend nicht zur Verfügung stand. Rückblickend vermutet sie, dass genau diese Abwesenheit ihr intern geschadet haben könnte. Gleichzeitig betonte sie, dass sie WWE viel zu verdanken habe. Dennoch empfinde sie ihre Zeit dort als ambivalent, da sie ihrer Ansicht nach nie eine langfristig ausgearbeitete Storyline oder einen Titelgewinn erhalten habe.
Auch ihr späteres Comeback sei anders verlaufen als ursprünglich geplant. Sie erklärte, dass ihre Rückkehr eigentlich länger angesetzt gewesen sei, letztlich jedoch deutlich früher endete. Ihrer Einschätzung nach könnten Veränderungen im Management eine Rolle dabei gespielt haben.
Eva Marie stand von 2013 bis 2017 sowie erneut von 2020 bis 2021 bei WWE unter Vertrag. Einem breiteren Publikum wurde sie insbesondere durch ihre Auftritte in der Reality-Serie Total Divas bekannt.
AEW als Option? Eva Marie ordnet Gerüchte ein
Abschließend äußerte sie sich zu möglichen Zukunftsplänen und einem Wechsel zu AEW: „Ich habe kurz darüber nachgedacht. Ich würde niemals nie sagen, das ist sicher.“ Gleichzeitig betonte sie ihre Wertschätzung für WWE: „Aber es ist schwierig, wenn man für das beste Unternehmen der Welt gewrestelt hat. Meiner Meinung nach gibt es, was das gesamte Produktionsniveau angeht, niemanden, der besser ist. Deshalb sind sie die Nummer eins.“
In Bezug auf eine mögliche WWE-Rückkehr stellte sie klar: „Ich halte die Tür immer offen, denn es wäre dumm, es nicht zu tun. Außerdem liebe ich es, aufzutreten. Es gibt nichts Vergleichbares. Das sieht man auch bei Superstars – sie können einfach nicht loslassen. Manchmal denkt man: ‚Okay, du solltest dich zurückziehen‘, aber dieses Hochgefühl findet man nirgendwo anders. Das WWE-Universum ist die beste Fan-Community. Die Fans sind verrückt, aber auch loyal. In eine Arena mit 100.000 Menschen hinauszugehen … wo findet man das schon?“
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