Shayna Baszler hat rückblickend erklärt, wie knapp ihre Teilnahme am WWE Women’s Royal Rumble Match 2020 tatsächlich war. Hinter den Kulissen gehörte sie zunächst zu dem kleinen Kreis an Wrestlerinnen, denen man den Sieg ernsthaft zutraute. Genau deshalb änderten sich die Pläne nur wenige Tage vor der Veranstaltung überraschend. Bei Insight with Chris Van Vliet berichtete Baszler, dass sie zwei Abende vor dem Event einen unerwarteten Anruf erhielt: „Das ist eigentlich eine wirklich lustige Geschichte. Ich war fest für den Rumble eingeplant und wusste nur, dass intern darüber gesprochen wurde, dass ich den Royal Rumble gewinnen könnte“, erinnerte sich Baszler.
Kurz darauf folgte jedoch die komplette Kehrtwende. Paul Heyman erklärte ihr am Telefon, dass sie doch nicht am Match teilnehmen werde. Die Begründung habe nicht in ihrer Person gelegen, sondern in der strategischen Bedeutung eines Royal-Rumble-Sieges. „Er sagte: ‚Hey, ich wollte dir nur mitteilen, dass du nicht beim Rumble dabei sein wirst. Das liegt nicht daran, dass wir dich nicht wollen. Wir haben nur entschieden, dass du nicht gewinnen wirst, und wir wollen diese Chance nicht verschwenden.‘“
Damit wurde deutlich, dass ihr erster großer Royal-Rumble-Auftritt aus Sicht der Verantwortlichen entweder mit einem Sieg verbunden sein oder gar nicht stattfinden sollte, um den maximalen Effekt nicht vorzeitig zu verlieren.
Plötzliche Wende
Nach dieser Entscheidung wurde Baszler für eine NXT-Veranstaltung eingeplant und ging davon aus, dass das Womens Royal Rumble Elimination Match für sie erledigt sei. Doch noch am selben Abend änderte sich die Situation erneut. Während die Talente sich auf die Abreise vorbereiteten, wurde sie überraschend angesprochen: „Wir machen uns alle bereit, in den Bus zu steigen und zur Probe für Royal Rumble zu fahren. Da kommt einer der TRs auf mich zu und fragt: ‚Shayna, hast du deine Sachen dabei? Könntest du jetzt gleich in den Ring steigen und proben?‘“, berichtete sie. Wenig später habe es geheißen: „Okay, sie wollen, dass du heute Abend zur Probe für den Rumble kommst.“
Triple H hat offenbar einen problematischen Moment verhindert
Baszler erklärte, dass diese kurzfristige Entscheidung nicht zufällig gefallen sei. Sie verwies auf interne Diskussionen rund um die Startnummer 30. Ursprünglich habe es Überlegungen gegeben, Santino Marella an dieser Position einzusetzen. In Kombination mit der Erwartung vieler Fans hätte dies jedoch für Unruhe sorgen können: „Ich glaube, es gab einige Diskussionen, weil Santino beim Rumble der Frauen dabei war, und ich glaube, ursprünglich sollte er die Nummer 30 sein“, so Baszler. Sie ergänzte, dass es intern als problematisch wahrgenommen worden sei, wenn stattdessen nicht die dominante NXT-Championesse erschienen wäre.
Laut Baszler griff schließlich Triple H in die Situation ein. Er setzte sich demnach dafür ein, dass sie doch noch in das Match aufgenommen wurde und den Startplatz Nummer 30 erhielt. „Also wurde ich auf die Nummer 30 verschoben, und ich glaube, das war auch Hunter, der sich für mich eingesetzt hat“, erklärte Baszler.
Aus ihrer Sicht lag der Grund auf der Hand. Wäre sie gar nicht im Match gewesen und stattdessen Santino Marella als letzte Teilnehmerin erschienen, hätten die Fans etwas anderes erwartet: „Wenn Shayna nicht am Royal Rumble teilnimmt und stattdessen Santino als Startnummer 30 erscheint, rechnen die Fans fest damit, dass der dominante NXT-Champion kommt. Wenn dann plötzlich Santino herausgekommen wäre, hätte das beim Publikum für große Enttäuschung gesorgt und wäre schlecht aufgenommen worden.“
Baszler trat letztlich als letzte Teilnehmerin an, eliminierte acht Gegnerinnen und sorgte für einen der dominantesten Auftritte des Matches. Auch wenn Charlotte Flair den Sieg davontrug, blieb Baszlers Performance ein prägender Moment der Veranstaltung.
WrestleMania 36 ohne Zuschauer als emotionale Herausforderung
Im weiteren Verlauf des Interviews sprach Baszler offen über ihr Titelmatch gegen Becky Lynch bei WrestleMania 36. Die Veranstaltung fand pandemiebedingt im WWE Performance Center statt und musste ohne reguläres Publikum auskommen. Für Baszler war dieser Umstand emotional besonders belastend: „Ich erinnere mich, dass ich an diesem Tag zu meinem WrestleMania-Match vorfuhr, in meinem Auto saß, draußen parkte und irgendwie niedergeschlagen war“, erklärte sie. Besonders schwer sei für sie gewesen, dass ihre Familie nicht anwesend sein konnte. „Ich habe drei Nichten und Zwillinge, und dann noch eine Ältere. Zu dieser Zeit waren sie fünf und sieben Jahre alt.“
Sie habe ihnen Tickets besorgt, damit sie sie bei WrestleMania sehen könnten. „Sie wollten kommen und in der Freunde- und Familien-Sektion bei der verdammten WrestleMania sitzen.“ Dass ihre Familie nicht dabei sein konnte, habe sie sehr belastet. Trotzdem blickt Baszler nicht negativ auf das Match zurück. „Ich bin stolz auf das Match, das wir hatten. Ich wünschte, ich hätte dieses Match gegen Becky vor einem WrestleMania-Publikum bestreiten können, denn die Energie der Zuschauer verändert alles“, erklärte sie.
Stolz auf ein Match in einer außergewöhnlichen Zeit
Trotz der Umstände blickt Baszler nicht negativ auf diesen WrestleMania-Auftritt zurück. Sie hob hervor, dass WWE in dieser Phase eine der wenigen aktiven Unterhaltungsformen gewesen sei. „Aber ich bin irgendwie stolz darauf, dass wir das gemacht haben, denn es war zu einer Zeit, als sonst nichts in der Welt passierte. Es gab keinen Sport, sogar das Fernsehen hat eine Zeit lang keine Sendungen mehr ausgestrahlt.“
Das Titelmatch endete mit einer Niederlage für Baszler, wodurch Becky Lynch ihre Championship verteidigte.
Ein anderer WrestleMania-Moment bleibt ihr persönlicher Höhepunkt
Interessanterweise bezeichnete Baszler dieses Titelmatch nicht als ihren persönlichsten WrestleMania-Moment. Stattdessen verwies sie auf ein späteres Tag Team Match, das sie gemeinsam mit Nia Jax bestritt. Dieses Match fand vor einem begrenzten Publikum statt und hatte für sie eine besondere emotionale Bedeutung: „Wenn ich ehrlich bin, denke ich dabei an das Tag Team Match mit Nia gegen Tamina und Natalya. Es war kein großes Main Event oder Titelmatch, aber für uns alle hatte es eine besondere Bedeutung. Es war das erste Match nach langer Zeit, das wieder vor Zuschauern stattfand, auch wenn nur ein kleiner Teil des Publikums anwesend war.“
Shayna Baszler nach WWE: Trainerrolle und neue Prioritäten
Mehr als ein halbes Jahr nach ihrer Entlassung aus der WWE ist Baszler weiterhin eng mit dem Wrestling verbunden. Neben Independent-Auftritten arbeitet sie regelmäßig als Gasttrainerin bei WWE NXT. Diese Rolle begann bereits gegen Ende ihrer aktiven WWE-Zeit und wurde nach ihrer Entlassung fortgeführt.
Baszler erklärte, dass ihr direkt signalisiert worden sei, sich zunächst Zeit nehmen zu können, die Tür für eine Rückkehr als Coach aber offen bleibe. Sie betonte das weiterhin positive Verhältnis zur Company und ihre Hoffnung, dass sich daraus langfristig mehr entwickeln könne.
Blick nach vorn mit verändertem Fokus
Eine Rückkehr als aktive WWE-Wrestlerin schließt Baszler nicht aus. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass sich ihre Prioritäten verschoben haben. Nicht ihr Alter, sondern die jahrelange körperliche Belastung durch MMA und Wrestling spielt dabei eine entscheidende Rolle. Heute gehe es ihr stärker um Lebensqualität, kreative Erfüllung und die Weitergabe ihres Wissens.
Besonders am Herzen liege ihr der Erhalt des Shoot-Style- und Catch-Wrestling-Ansatzes, insbesondere im Womens Wrestling. Finanzieller Erfolg stehe für sie nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr sehe sie es als Verantwortung, diesen Stil weiterzugeben und langfristig lebendig zu halten.
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