Ehemaliger WWE-Writer erklärt die wahre Idee hinter Bray Wyatts The Fiend

Bray Wyatt steht im Ring und hält für seine Rede ein Mikrofon in der Hand

Die Zeit von Bray Wyatt als „The Fiend“ war innerhalb der WWE laut späteren Aussagen von Beteiligten häufig von kreativen Eingriffen geprägt. Eine seltene Ausnahme bildete jedoch das Firefly Funhouse Match gegen John Cena bei WrestleMania 36. Nach Angaben des ehemaligen WWE-Writers Nick Manfredini erhielt das Kreativteam für dieses Match nahezu freie Hand.

Im Gespräch mit dem MCPN: My Cultura Podcast Network erklärte Manfredini rückblickend, dass die Umsetzung unter enormem Zeitdruck erfolgte. Dennoch sei es gelungen, genau die Idee umzusetzen, die ursprünglich hinter dem Funhouse-Konzept stand. Dazu erklärte er: „Ich bin wirklich stolz auf einige Dinge, die wir gemacht haben. Dazu gehört vor allem das Funhouse Match mit Cena. Dass wir das überhaupt realisieren konnten, war etwas Besonderes. Das Ganze wurde, soweit ich mich erinnere, in etwa zwei Tagen umgesetzt, vielleicht maximal in drei.“

Trotz der unsicheren Situation während der COVID-19-Pause und der sehr kurzfristigen Planung entstand ein Segment, das sich bewusst von klassischen Wrestling-Matches unterschied. Stattdessen wurde John Cenas Karriere in fragmentierter Form aufgegriffen und aus der Perspektive von Bray Wyatts Funhouse-Welt neu interpretiert.

Manfredini betonte, dass genau diese Art der Darstellung dem ursprünglichen Zweck des Funhouse entsprach: „Genau dafür war das Funhouse gedacht. Zu sehen, wie diese Idee tatsächlich zum Leben erweckt wurde, war wirklich beeindruckend. Vor allem bei WrestleMania, wo normalerweise extrem viele Dinge gleichzeitig passieren.“

Abschließend erklärte er, dass dieser Moment für ihn persönlich einen besonderen Stellenwert habe: „Es war eine verrückte Zeit. Aber dass wir das so umsetzen konnten und dass es den Leuten gefallen hat, darauf war ich wirklich stolz.“

Die ursprüngliche Vision hinter dem Charakter „The Fiend“

Neben seinen Ausführungen zum Firefly Funhouse Match sprach Manfredini ausführlich über die ursprüngliche Idee hinter dem Fiend-Charakter. Entgegen der späteren Darstellung sei „The Fiend“ nie als übernatürliches Wesen geplant gewesen. Stattdessen habe es sich um ein psychologisches Alter Ego gehandelt, das Bray Wyatt selbst kontrollierte. Manfredini erklärte dazu: „Es war nie als etwas Übernatürliches gedacht. Das Problem begann erst, als der Charakter erfolgreich wurde. Plötzlich wollten immer mehr Leute mitreden, Dinge verändern und ihre eigenen Ideen einbringen.“

Zu Beginn hat nur ein kleiner Kreis an der Figur gearbeitet. Mit zunehmender Popularität sei diese klare Struktur jedoch verloren gegangen. Entscheidend sei gewesen, dass der Gedanke der Kontrolle zunehmend verwässert wurde: „Am Anfang war es nur eine kleine Gruppe, später wurde es immer größer. Dadurch ist das Konzept relativ früh aus dem Ruder gelaufen, weil es nie so geplant war. Er sollte die Kontrolle haben. Bray Wyatt kontrolliert den Fiend. Genau darum ging es ursprünglich.“

Vince McMahons Einfluss und der Bruch mit dem ursprünglichen Konzept

Einen entscheidenden Wendepunkt sah Manfredini in der unterschiedlichen Sichtweise auf den Charakter. Während das Kreativteam The Fiend als von Bray Wyatt bewusst kontrollierte Persönlichkeit verstand, lehnte Vince McMahon genau diesen Ansatz ab. Besonders deutlich wurde dieser Konflikt in einer frühen Vignette, die eigentlich erklären sollte, wie der Charakter funktioniert. In der Szene beschreibt Bray Wyatt, dass er die Kontrolle über The Fiend gewonnen habe. Die dabei getragene Maske aus Papptellern war als bewusst simples Symbol gedacht und sollte verdeutlichen, dass der Fiend kein eigenständiges Wesen ist, sondern ein von Wyatt geschaffenes und kontrolliertes Konstrukt. Diese Interpretation wurde später verworfen, wodurch sich die Darstellung des Charakters grundlegend veränderte.

Wie bereits erwähnt, hat McMahon diese Interpretation jedoch nicht geteilt. Stattdessen habe er den Fiend als etwas dargestellt, das sich Wyatts Einfluss entziehe. Laut Manfredini zeigte sich das sogar in der internen Sprache: „Vince sah das komplett anders. Für ihn war der Fiend etwas, das Bray nicht kontrollieren konnte und das einfach aus ihm herauskam. Er nannte ihn nicht einmal beim Namen. Er sprach immer nur von ‚diesem Typen‘.“

Diese Abweichung von der ursprünglichen Idee habe für erhebliche Spannungen gesorgt. Manfredini erklärte, dass Bray Wyatt darüber zunehmend frustriert gewesen sei: „Das hat vieles verändert. Es entsprach einfach nicht mehr der ursprünglichen Vision.“

Er räumte ein, dass auch ihn selbst diese Entwicklung belastete: „Und mich genauso. Ich will da ehrlich sein.“

Gleichzeitig machte Manfredini deutlich, dass sowohl er als auch Wyatt sich ihrer Rolle innerhalb der WWE bewusst gewesen seien: „Am Ende sind wir Angestellte. Diese Figur gehört uns nicht, auch wenn wir sie miterschaffen haben. Man muss damit leben und das Beste daraus machen.“

Trotz zeitweiser Überlegungen, sich zurückzuziehen, habe Bray Wyatt letztlich weitergemacht: „Nach einigem Murren und sogar Drohungen aufzuhören, hat er sich schließlich damit arrangiert.“

Erfolg des Fiend mit deutlichen kreativen Kompromissen

Unabhängig von den internen Konflikten entwickelte sich The Fiend zu einem der auffälligsten und kommerziell erfolgreichsten Charaktere der modernen WWE-Geschichte. Merchandising, Aufmerksamkeit und Fanreaktionen unterstrichen diesen Erfolg. Laut Manfredini ging dieser jedoch mit erheblichen kreativen Zugeständnissen einher. Rückblickend fasste er die Situation mit einem Vergleich zusammen: „Am Ende war es ein großer Kompromiss. Wie eine Ehe. Ein großer Kompromiss.“

Seine Aussagen liefern eine nachträgliche Erklärung dafür, warum viele Zuschauer die Darstellung von The Fiend als inkonsistent empfanden. Während einzelne Segmente wie das Firefly Funhouse Match bei WrestleMania 36 als kreative Höhepunkte gelten, blieb die ursprüngliche Vision hinter dem Charakter laut Manfredini nur in Ausnahmefällen vollständig erhalten.

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