Darby Allin hat im „Insight with Chris Van Vliet“ Podcast offen über seine Lebensziele, seine Wrestling-Philosophie, extreme Risiken im Ring und persönliche Grenzerfahrungen gesprochen. Im Mittelpunkt standen seine Besteigung des Mount Everest im Jahr 2025, seine Einstellung zur AEW World Championship, sein Umgang mit Schmerzen sowie ein beängstigender medizinischer Zwischenfall vor einem Match gegen den heutigen WWE-Star GUNTHER. Darüber hinaus sprach Allin über seine Familie und darüber, wie er sein AEW-Einkommen nutzt, um seinen Eltern neue Perspektiven zu ermöglichen.
Everest-Erfahrung und neue Lebensziele
Darby Allin gehört zu den rund 7.000 Menschen weltweit, die den Mount Everest erfolgreich bestiegen haben. Über diese Erfahrung erklärte er: „Ja, ich weiß nicht. Es relativiert einfach alles, wie klein deine Probleme sind, was du für so groß hältst, ist in Wirklichkeit völlig bedeutungslos. Wenn man dort oben ist, wird man sehr demütig, denn es ist schwer, ein Ego zu haben, wenn man täglich um sein Leben kämpft. Man kümmert sich nicht darum, wie man aussieht, man kümmert sich nicht darum, wie man riecht. Man will einfach nur überleben. Es ist also ziemlich cool, diese Art von Energie zu spüren.“
Auf die reale Möglichkeit angesprochen, dass er hätte sterben können, sagte er: „Ja, auf jeden Fall. Ich bin mit meiner Mutter und meinem Bruder zum Basislager geklettert, und die Wanderung zum Basislager ist für viele Leute keine Kleinigkeit, sie dauert etwa 10 bis 12 Tage. Die Höhe beträgt etwa 17.000 [Fuß]. Aber die Realität traf mich, als meine Mutter und mein Bruder das Basislager verließen und ich nun zurückbleiben musste, um tatsächlich den Gipfel zu besteigen, und ich würde nach ihrer Abreise noch einen weiteren Monat dort bleiben, aber als ich sie weggehen sah, traf mich die Realität: Oh Scheiße, das könnte das letzte Mal sein, dass du sie siehst. Dann dachte ich nur noch: Das könnte das letzte Mal sein, dass du jemanden siehst. Ich dachte: Oh, das ist verrückt. Also ging ich in mein Zelt, weinte und filmte einen kleinen Vlog darüber und so, in dem ich sagte: Ich werde auf keinen Fall auf diesem Berg sterben. Ich werde den Gipfel erreichen, dann werde ich wieder herunterkommen und viele Menschen sehen. Das war also eine Verpflichtung, die ich mir selbst gegenüber eingegangen bin, als ich dort oben war.“
Warum er sich dieser Herausforderung stellte, erklärte er wie folgt: „Wie ich bereits gesagt habe, wollte ich mir selbst beweisen, dass ich zu allem fähig bin, denn im Wrestling befindet man sich in einer Art Hamsterrad. Es gibt keine Pause, es geht das ganze Jahr über weiter. Manchmal hat man das Gefühl, sein Leben für jemand anderen zu leben. Ich wollte wirklich herausfinden, wer ich auf der anderen Seite des Everest sein würde, und ich wollte mein Leben nicht für jemand anderen leben. Ich wollte mir selbst wirklich beweisen, wozu ich fähig bin. Denn es geht wieder um Politik und all das und um Egos. Ich kann das nicht ausstehen.“
Mit Blick auf seine Zukunft sagte Allin außerdem: „Ich möchte meinen eigenen Spielfilm drehen, für den ich das Drehbuch fertiggestellt habe. Das ist das Wichtigste. Und dann wäre es cool, im Weltraum zu drehen. Ich weiß nicht. Ich glaube, im Weltraum zu drehen, wäre wirklich lustig. Aber im Moment möchte ich mich einfach darauf konzentrieren, AEW so wichtig zu machen, wie es verdient ist. Denn ich habe das Gefühl, dass dieser Ort mein Leben und das meiner Familie so sehr verändert hat. Ich möchte einfach so viel Arbeit wie möglich in diese Sache stecken.“
World Championship oder Storylines
In mehreren Gesprächen wurde Allin gefragt, ob es sein Ziel sei, die AEW world Championship zu gewinnen. Seine Antwort fiel differenziert aus: „Ich weiß es nicht“, antwortete Allin auf die Frage, ob er davon träume, eines Tages AEW World Champion zu werden: „Das ist eine seltsame Frage, denn ich habe darüber mit Sting gesprochen. Er meinte: ‚Ich habe mich nie wirklich für Championships interessiert. Mir sind gute Storylines wichtiger.‘ Ich denke, das entspricht auch meiner Einstellung.
Auch zur Frage, ob es reizvoll sei, das Gesicht der Promotion zu werden, sagte er: „Wäre es cool, das Gesicht eines Unternehmens zu sein? Ja, auf jeden Fall, wenn man bedenkt, dass ich meiner Meinung nach am besten repräsentiere, was AEW zu bieten hat.
Allin ist ehemaliger TNT-Champion und gewann gemeinsam mit Sting die AEW World Tag Team Championship. Um die AEW World Championship trat er bereits an, konnte sie bislang jedoch nicht gewinnen.
Wrestling-Stil, Schmerz und Risiko
Auf Kritik an seinem Stil reagierte Allin gelassen: „Oh, ich weiß nicht. Es gibt so viele verschiedene Dinge, die man mögen oder nicht mögen kann. Du musst mir keine Beachtung schenken, wenn es dir nicht gefällt, beschwere dich einfach über etwas anderes. Ich werde einfach weitermachen wie bisher.“
Zur möglichen Anpassung seines Stils sagte er: „Ich denke, jeder muss seinen Stil bis zu einem gewissen Grad ändern, das ist klar. Aber das ist für mich das Schöne am Wrestling: Man kann keinen Profisportler haben, der mit 64 noch in der NBA oder NFL spielt, oder einen Skateboarder. Aber man kann Sting haben, der mit 64 Jahren ein unvergessliches Abschiedsmatch bestreitet, also gibt es offensichtlich Möglichkeiten, das zu umgehen. Aber man muss sich auch Sting ansehen. Er sprang von Balkonen, was er in seinen frühen Jahren nie getan hat. Das hat er ganz am Ende gemacht. Es gibt also Möglichkeiten, die Verrücktheit beizubehalten, aber auch, sie zu spiegeln. Ich werde nicht mehr so schnell laufen oder so hart springen können, wie ich vielleicht möchte. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht mehr von 9 Meter hohen Balkonen springen kann. Es gibt einfach Möglichkeiten, das zu umgehen.“
Zum Thema Schmerzmittel erklärte er deutlich: „Ich bin komplett clean. Ich nehme keine Schmerzmittel. Ich nehme überhaupt nichts. Ich habe mir das selbst ausgesucht und möchte damit mental und mit meinem Verstand fertig werden. Durch Meditation und alles, was ich tue, habe ich das Gefühl, dass ich mit allem fertig werden kann.“
Auf die Frage nach einem besonders riskanten Spot mit Sting nannte er ohne Zögern genau diese Szene. In dem Moment, als er mit Sting kollidierte, sei sein Adrenalin regelrecht explodiert. Der Referee habe sofort nachgefragt, wie es ihm gehe, und zunächst habe er sich noch gut gefühlt. Doch dann wurde klar, dass er sich schwer verletzt hatte und stark blutete. Man wollte ihn umgehend in den Backstagebereich bringen, doch das kam für ihn nicht infrage.
Später im Match sei er schließlich sichtbar mit Tape fixiert in den Ring zurückgekehrt. Er habe darauf bestanden, die verbleibende Aktion noch durchzuziehen, um das Match stark zu beenden. Ein Abbruch sei für ihn keine Option gewesen. Im Nachhinein hat auch Tony betont, dass die Situation deutlich schlimmer hätte enden können.
Ob es wehgetan habe, beantwortete er so: „Überraschenderweise nicht. Aber auch ein paar Wochen später ziehe ich immer noch Glassplitter aus meinem Körper. Ich weiß nicht. Es war nicht so, dass ich dachte: Oh mein Gott, das war furchtbar. Ich fand es eher cool. Wenn man sich die Szene ansieht, in der ich einen Vorwärtssalto von der Leiter auf Jeff mache, flüstere ich ihm, als wir auf dem Boden liegen, ins Ohr: ‚Das hat Spaß gemacht‘, nur um ihn wissen zu lassen. Denn bei vielen dieser Szenen, wenn man verrückte Sachen macht, weiß man nicht, wie es dem Gegner danach geht. Da ist es gut, ihm zu sagen: ‚Alter, das war cool.‘“
Hirnblutung vor Match gegen GUNTHER
Allin erinnerte sich zudem an einen Vorfall vor einem geplanten Match gegen den heutigen WWE-Star GUNTHER, der damals noch als WALTER antrat. Er erklärte: „Eigentlich sollte ich schon einen Monat zuvor gegen ihn antreten, aber ich hatte diese verrückte, verrückte Verletzung, bei der ich aus dem Gehirn blutete, und es war wie ein Doppelschlag, denn ich trat morgens an und sollte abends gegen Gunther antreten, Walter sollte damals abends gegen ihn antreten. Und es war wie zwei Shows an einem Tag. Und dann, in der Morgenshow, schlug ich mit dem Kopf so hart auf den Beton, dass ich plötzlich alles nur noch leise wahrnahm und das Gefühl hatte, etwas würde anschwellen, und ich konnte die Leute kaum noch hören. Ich dachte: „Oh, das ist nicht normal.“ Ich ging ins Krankenhaus und sie sagten: „Sie haben eine Hirnblutung. Wir mussten Sie betäuben und so weiter.“
Am 23. Juni 2018 besiegte Allin WALTER bei einer EVOLVE-Show.
WALTER/Gunther vs. Darby Allin highlights – Evolve (6.23.2018)pic.twitter.com/FyFupzKMoU
— headskull (@awesomePuro) October 17, 2023
Familie und Verantwortung
Allin erklärte außerdem, dass materielle Dinge für ihn kaum noch Bedeutung hätten. Stattdessen stehe seine Familie im Mittelpunkt. Er habe seinen Eltern mit seinem AEW-Gehalt den Ruhestand ermöglicht und ihnen ein Haus in seiner Nähe gekauft. Er betonte, dass er nicht wolle, dass die besten Jahre seiner Eltern bereits hinter ihnen lägen. Sie sollten ihre „Glory Days“ jetzt erleben.
Dieses Denken übertrage er auch auf seine Arbeit im Ring. Er wolle seine Gegner so präsentieren, dass sie bestmöglich wirken. Sein Anspruch sei, dass Fans rückblickend sagen: „Darby hat ihn wie eine Million Dollar aussehen lassen.“
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