CM Punk hat in mehreren aktuellen Interviews für Aufsehen gesorgt. Der World Heavyweight Champion äußerte sich offen über Seth Rollins, sprach über politische Verantwortung im öffentlichen Leben und kritisierte zugleich etablierte Strukturen rund um WWE Elimination Chamber. Die Aussagen fielen innerhalb weniger Tage und zeigen eine ungewöhnlich persönliche und direkte Seite des früheren „Straight Edge“-Stars.
Öffentliches Lob für Seth Rollins bricht mit der Rivalitätslogik
In der ESPN-Sendung „Unsportsmanlike“ war CM Punk gemeinsam mit AJ Lee zu Gast und sprach dort über die Entwicklung von Independent-Wrestlern innerhalb der heutigen WWE. Dabei blickte er auf seinen eigenen Karriereweg zurück und thematisierte die Widerstände, mit denen er in den frühen Jahren konfrontiert war.
Er erklärte, dass es für ihn nicht einfach sei, über seinen eigenen Einfluss zu sprechen, da ihm schnell Egoismus oder Selbstverherrlichung unterstellt werde. Gleichzeitig machte er deutlich, dass jemand den Anfang machen müsse und dieser erste Schritt oft mit persönlichen Opfern verbunden sei. Er beschrieb sich selbst als denjenigen, der diesen Durchbruch gewagt habe, zu einer Zeit, in der Independent Wrestling innerhalb der Branche gering geschätzt wurde und große, körperlich dominante Athleten das Bild prägten.
Darüber hinaus verwies Punk darauf, dass er äußerlich nicht dem klassischen WWE-Stereotyp entsprochen habe. Seine auffälligen Tattoos seien für manche ungewöhnlich oder sogar abschreckend gewesen, doch er betonte, dass solche Merkmale subjektiv bewertet würden. Trotz der Tatsache, dass er nach traditionellen Maßstäben möglicherweise nicht als typischer Topstar gegolten habe, habe er sich nicht aufhalten lassen und seinen eigenen Weg konsequent verfolgt.
Im weiteren Verlauf sprach Punk über seine Motivation, jüngeren Talenten den Weg zu erleichtern: „Es gibt viele weitere Männer und Frauen, die genauso sind wie ich, die an sich glauben und an ihre Fähigkeiten glauben, aber nicht das Aussehen haben, das einer bestimmten Vorstellung davon entspricht, wie ein Profi-Wrestler auszusehen hat. Und das traf definitiv auf mich zu. Deshalb versuche ich, immer die nächste Generation zu fördern. Oder besser gesagt: Ich versuche, anderen Menschen dabei zu helfen, hierherzukommen.“
Überraschend brachte er anschließend Seth Rollins ins Spiel, mit dem ihn eine langjährige Rivalität verbindet: „Ich denke, Seth Rollins ist ein gutes Beispiel dafür. Er ist jemand, der in dieselbe Kategorie fällt wie ich. Er hatte nicht die nötige Größe. Wenn man ihn ansah, dachte man nicht: Oh ja, er ist ein World Champion.“
Besonders deutlich wurde Punk mit folgender Aussage: „Und jetzt ist er mehrfacher World Heavyweight Champion. Und einer der – es schmerzt mich, das zu sagen, aber er ist einer der größten Superstars der letzten 10, 12 Jahre.“
Rollins, der vor seinem WWE-Vertrag im Jahr 2010 unter anderem bei Ring of Honor aktiv war, etablierte sich in den vergangenen Jahren als mehrfacher World Champion und feste Größe im Main Event.
CM Punk über Politik, Öffentlichkeit und „selektive Empörung“
Wenige Tage später sprach CM Punk in „The Morning Moshpit“ über politische Zurückhaltung im öffentlichen Raum. Hintergrund war unter anderem ein von ihm im Oktober 2025 geteilter Beitrag zu Maßnahmen der ICE in Chicago sowie eine Reaktion des Bürgermeisters Brandon Johnson auf eine Forderung von Donald Trump.
Auf die Frage, wie er es schaffe, sich in einem aufgeheizten gesellschaftlichen Klima selbst treu zu bleiben, schilderte CM Punk zunächst seine grundsätzliche Sichtweise. Er erklärte, dass er den Eindruck habe, viele Menschen wollten sich bewusst aus politischen Diskussionen heraushalten. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass aus seiner Perspektive nahezu alles politisch sei, weil selbst alltägliche Entscheidungen eine politische Dimension hätten, insbesondere wenn es um finanzielle Unterstützung oder Konsum gehe. Sich vollständig davon zu distanzieren, halte er daher für kaum möglich.
Darüber hinaus machte Punk deutlich, dass er nicht darauf aus sei, anderen bewusst zu schaden. Dennoch sehe er es kritisch, wenn Menschen versuchten, sich aus Angst vor Reaktionen selbst zu zensieren. Seiner Ansicht nach führe der Versuch, es allen recht zu machen oder sich ständig zurückzuhalten, letztlich ebenfalls dazu, jemanden zu verärgern.
Im weiteren Verlauf griff er das Beispiel von Sportlern auf, die das Weiße Haus besuchen. Er äußerte Unverständnis darüber, dass bestimmte öffentliche Handlungen nicht als politisch bewertet würden, obwohl sie es seiner Meinung nach eindeutig seien. Gleichzeitig merkte er an, dass er selbst nicht in eine solche Situation komme, da er nicht eingeladen werde und diese Entscheidung daher nicht treffen müsse.
Abschließend kritisierte Punk das aus seiner Sicht selektive Verständnis von politischem Engagement. Er führte aus, dass viele Menschen dazu neigten, politische Äußerungen nur dann abzulehnen, wenn sie nicht mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmten. Sobald es jedoch um die eigene politische Haltung gehe, werde Engagement plötzlich unterstützt oder sogar gefeiert.
Kritik an Elimination Chamber und WWE-Storytelling
Neben persönlichen und gesellschaftlichen Themen äußerte sich CM Punk ebenfalls zur Struktur von WWE Elimination Chamber. Vor der Veranstaltung in Chicago, bei der er den World Heavyweight Championship gegen Finn Bálor verteidigt, sprach er über Wrestling-Klischees, die er abschaffen würde.
CM Punk machte deutlich, dass ihn bestimmte, immer wiederkehrende Storyline-Muster im Wrestling stören. Sinngemäß stellte er die Frage, warum ausgerechnet zwei Wrestler, die sich eigentlich auf ein großes Einzelmatch vorbereiten und als Rivalen aufgebaut werden, plötzlich als Tag Team auftreten und auf dem Weg zu einer Großveranstaltung wie WrestleMania 42 harmonieren sollen. Für ihn sei dieses Motiv zu einem vorhersehbaren Klischee geworden.
Auch seine weiteren Aussagen unterstrichen diese Haltung. Er brachte zum Ausdruck, dass er persönlich nicht die Absicht habe, sich in den kommenden Wochen mit Roman Reigns zusammenzutun, nur um eine typische „Können sie koexistieren?“-Geschichte zu erzählen. Aus seiner Sicht passe ein solches Bündnis nicht zu einer ernsthaften Rivalität. Seine Kernaussage war klar: Eine echte Fehde bedeute Konfrontation, nicht Zusammenarbeit.
Ebenso kritisch äußerte er sich zur festen Struktur von WWE Elimination Chamber. Sinngemäß erklärte er, dass es seiner Meinung nach nicht notwendig sei, die Show routinemäßig sowohl mit einem Chamber-Match zu eröffnen als auch mit einem weiteren zu beenden. Dieses Schema sei berechenbar geworden und sollte seiner Ansicht nach überdacht werden.
Stattdessen brachte er zum Ausdruck, dass auch bedeutende Singles Matches eine prominente Position auf der Card einnehmen könnten. Er deutete an, dass sowohl sein Titelmatch gegen Finn Bálor als auch das Aufeinandertreffen von Becky Lynch und AJ Lee von einer solchen Platzierung profitieren würden.
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