CM Punk über das Vertrauen der WWE-Writer, den Vergleich zwischen seiner Pipebomb und dem Curtain Call sowie seinen Umgang mit parasozialen Fan-Beziehungen

Seit seiner Rückkehr zur WWE im Jahr 2023 hat sich CM Punk den Ruf erarbeitet, ein verlässlicher und professioneller Mitarbeiter zu sein, der sowohl im Ring als auch hinter den Kulissen eine wichtige Rolle spielt. In einem Gespräch mit Allenownz Wrasslin sprach Punk darüber, wie es sich anfühlt, wenn bei großen WWE-Veranstaltungen die Writer und Verantwortlichen immer wieder den Wunsch äußern, ihn als Sieger zu präsentieren. Er erklärte, dass dieses Vertrauen für ihn eine große Bedeutung habe, da es zeige, dass man ihm zutraue, eine Veranstaltung zu tragen und große Momente zu gestalten.

Für Punk ist Wrestling jedoch weit mehr als nur das Ergebnis eines Matches. An diesem Punkt seiner Karriere stehe nicht mehr allein der Sieg im Vordergrund, sondern das Erzählen packender und glaubwürdiger Geschichten, die beim Publikum Emotionen auslösen und im Gedächtnis bleiben. Er betonte, dass es für die Zuschauer genauso bedeutsam sein könne, zu sehen, wie ein Wrestler einen Rückschlag überwindet, wie ihn siegreich im Ring stehen zu sehen.

Ein prägendes Beispiel dafür sei seine schwere Verletzung kurz nach seiner Rückkehr, als er sich den Trizeps riss. Für einen Moment habe er geglaubt, dies sei der schlimmste Rückschlag seiner Karriere. Nach wenigen Minuten habe er jedoch beschlossen, diese Verletzung als Herausforderung anzunehmen und sie in eine Chance zu verwandeln, aus der er gestärkt hervorgehen konnte. Dieser Perspektivwechsel habe ihm nicht nur persönlich geholfen, sondern sei auch zu einem zentralen Bestandteil seiner Arbeit mit jüngeren Talenten geworden. Punk erklärte, dass er immer versuche, Nachwuchswrestlern zu vermitteln, dass Verletzungen zwar schmerzhaft und frustrierend seien, aber auch eine Gelegenheit bieten könnten, sich neu zu erfinden. Er selbst sei der Beweis dafür, dass ein Comeback sogar stärker ausfallen könne als die Zeit davor.

Deutliche Abgrenzung zwischen Pipebomb und Curtain Call

Im weiteren Verlauf des Gesprächs ging Punk auf einen immer wieder diskutierten Vergleich ein: die Gegenüberstellung seiner legendären Pipebomb-Promo von 2011 mit dem berüchtigten Curtain Call von The Kliq im Jahr 1996 im Madison Square Garden. Während viele Fans beide Momente als Wendepunkte in der Wrestling-Geschichte betrachten, sieht Punk gravierende Unterschiede.

Er machte deutlich, dass der Curtain Call, bei dem Shawn Michaels, Triple H, Scott Hall und Kevin Nash vor laufendem Publikum ihre Rollen brachen und sich gemeinsam im Ring verabschiedeten, ein klarer Bruch mit dem „Kayfabe“ war. Dieser Vorfall sorgte nicht nur bei Fans, sondern auch bei WWE-Mitarbeitern hinter den Kulissen für Unmut. Punk erwähnte in diesem Zusammenhang Jerry Brisco, der damals besonders verärgert gewesen sei.

Seine eigene Pipebomb hingegen habe sich vollständig innerhalb des Storytellings bewegt, auch wenn sie für viele Zuschauer wie eine gefährliche und schonungslose Abrechnung mit der Realität gewirkt habe. Punk erklärte, dass er gezielt Themen ansprach, die eingefleischte Fans als Tabu betrachteten, dabei aber immer im Kontext einer laufenden Handlung blieb. Er habe niemanden öffentlich bloßgestellt oder die interne Struktur des Geschäfts offengelegt, sondern bewusst eine Gratwanderung zwischen Fiktion und Realität vollzogen.

Für Punk liegt die wahre Stärke der Pipebomb darin, dass Fans auch mehr als ein Jahrzehnt später darüber diskutieren, ob sie authentisch oder inszeniert war. Dieser bleibende Effekt zeige, wie wirkungsvoll der Moment umgesetzt wurde und wie sehr er das Publikum emotional erreichte.

Kritik an parasozialen Fan-Beziehungen

In einem weiteren Interview mit ESPN MMA sprach Punk über ein Thema, das seiner Meinung nach zu wenig Beachtung findet: parasoziale Beziehungen zwischen Wrestling-Fans und den Performern. Anlass dafür war seine Sichtung der gesamten fünfteiligen Doku-Serie WWE Unreal.

Er erklärte, dass er beim Ansehen der Serie einige Szenen gesehen habe, über die er die Augen verdrehen oder sich ärgern musste, sein Gesamteindruck aber überwiegend positiv gewesen sei. Besonders wertvoll habe er gefunden, dass die Serie eine andere, menschlichere Seite von Superstars wie Charlotte Flair gezeigt habe. Dadurch werde für viele Zuschauer sichtbar, dass hinter der Bühnenfigur ein realer Mensch mit echten Emotionen und persönlichen Herausforderungen stehe.

Punk betonte, dass gerade Hardcore-Fans dazu neigten, eine persönliche Beziehung zu den Wrestlern aufzubauen, obwohl diese in Wirklichkeit einseitig sei. Das könne dazu führen, dass manche glaubten, mehr über das Leben eines Wrestlers zu wissen als dieser selbst. Für ihn sei dies eine problematische Entwicklung, da sie persönliche Grenzen verwische und zu unangemessenem Verhalten führen könne. Er machte deutlich, dass Wrestler trotz ihrer öffentlichen Rolle Menschen wie jeder andere seien, die Respekt und Privatsphäre verdienten.

Vor dem Hintergrund, dass Charlotte Flair in der Vergangenheit offen darüber gesprochen hatte, beleidigt und angefeindet worden zu sein, bekommen diese Aussagen zusätzliche Bedeutung. Punks klare Botschaft an die Fans lautet: Egal, wie sehr man sich mit einem Star verbunden fühlt, hat man nicht das Recht, dessen persönliche Grenzen zu überschreiten.