Chris Jericho erklärt seine AEW-Rolle – über Big Bill, Nick Wayne und die Zusammenarbeit mit Tony Khan

Tony Khan und Chris Jericho auf einer Pressekonferenz

Chris Jericho hat bei AEW mehrfach seine Rolle verändert und dabei mit sehr unterschiedlichen Wrestlern zusammengearbeitet. Im Gespräch mit „TMZ’s Inside the Ring“ erläuterte er, welche Überlegungen hinter diesen Veränderungen standen und woran er seine Arbeit heute misst.

Jericho braucht Siege nicht mehr für seinen eigenen Erfolg

Für Jericho steht inzwischen weniger das persönliche Matchergebnis im Vordergrund als die Frage, was ein gemeinsamer Auftritt bewirken kann. Er wolle gute Matches liefern und seinen Gegnern helfen, Fähigkeiten oder Eigenschaften zu entdecken, die sie bislang noch nicht vollständig ausgeschöpft hätten. „Ich muss nie wieder gewinnen“, erklärte er, schränkte jedoch unmittelbar ein: Gelegentliche Siege seien weiterhin sinnvoll, weil dauernde Niederlagen für Geschichten nicht besonders hilfreich wären.

Diese Einstellung führte er auf seine eigenen Erfahrungen zurück. Als er 1996 zur WCW kam, habe er noch nicht richtig gewusst, wie seine Figur funktionieren sollte. Erfahrene Kollegen wie Terry Taylor und Arn Anderson hätten ihm damals bei seiner Entwicklung geholfen. Heute möchte er etwas davon weitergeben. Programme mit Wrestlern wie MJF, Will Ospreay und Bandido gehören für ihn zu dieser Arbeit.

Überzeugende Matches allein reichen nach seiner Auffassung allerdings nicht aus, um dauerhaft an die Spitze zu gelangen. Persönlichkeit, Ausstrahlung und Geschichten seien ebenso wichtig. Entscheidend sei, dass die Zuschauer eine Verbindung zum jeweiligen Wrestler aufbauen. Bei der Zusammenarbeit gehe es deshalb auch darum, wie jemand spricht, auftritt und seine Figur vermittelt.

Seine Gruppierungen sollten anderen größere Möglichkeiten eröffnen

Den Aufbau seiner früheren AEW-Gruppierungen erklärte Jericho mit den jeweiligen Bedürfnissen der Promotion. Gerade zu Beginn hat AEW schnell weitere Namen etablieren müssen, die ein großes Publikum erreichen konnten. Der Inner Circle brachte deshalb Sammy Guevara, Jake Hager, Santana und Ortiz an seine Seite. Jericho betonte ausdrücklich, dass diese Entwicklung aus der Zusammenarbeit mit Tony Khan und anderen Beteiligten entstanden sei.

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Ein ähnlicher Gedanke hat hinter der Jericho Appreciation Society gestanden. Mit Daniel Garcia und dem Team 2.0 sei er zuvor kaum vertraut gewesen. Khan habe mit ihnen arbeiten wollen, und Jericho habe die Möglichkeit gefallen, ihnen durch eine gemeinsame Gruppe mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Später gehörten auch Sammy Guevara, Tay und Anna Jay dazu.

Beim Learning Tree gab es nach seiner Darstellung ebenfalls ein konkretes Ziel: Die Gruppierung sollte Big Bill eine Grundlage bieten, aus der er sich später als eigenständiger Star lösen konnte. Dieser Plan hat sich jedoch nicht wie vorgesehen entwickelt. Jericho verwies dabei auf seine lange Abwesenheit und erwähnte auch Bryan Keith. Allen drei Gruppierungen sei gemeinsam gewesen, anderen eine größere Bühne zu geben, damit sie anschließend auf eigenen Beinen stehen können.

Warum ihm heute der Name „Jericho“ genügt

Bei seiner Rückkehr im April wollte er diese Formel zunächst nicht erneut verwenden. Eine weitere Gruppe oder ein neuer Beiname erschienen ihm nicht notwendig. Zwar habe er sich mehrere Namen sichern lassen, darunter „The Cornerstone“ und „The National Treasure“. Letztlich habe er sich aber gefragt, was diese gegenüber früheren Bezeichnungen wie „Le Champion“ oder „The Learning Tree“ wirklich verändern würden.

Stattdessen beschrieb er seinen aktuellen Auftritt als eine Phase, in der sein eigener Name ausreicht. Den Gedanken verglich er mit dem schwarzen Album von Metallica und dem weißen Album der Beatles: Der Bandname vermittle bereits, was die Menschen damit verbinden. Ebenso sollten die Zuschauer bei „Jericho“ auf ihre Erinnerungen an seine langjährige Karriere zurückgreifen können.

Andere Talente möchte er weiterhin fördern. Als Beispiele nannte er Ricochet und Gates of Agony, The Hurt Syndicate, die Young Bucks, Tommaso Ciampa und Nick Wayne. Dabei könne es um Promos, die Arbeit im Ring, das Erscheinungsbild oder die gesamte Wirkung einer Figur gehen. Auch er selbst lerne bei dieser Zusammenarbeit dazu.

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Nick Waynes Halskette wurde Teil seiner Weiterentwicklung

Wie dieser Ansatz konkret aussehen kann, erläuterte Jericho anhand seiner Rivalität mit Nick Wayne. Beide hätten zunächst überlegt, welche Grundlage ihre Geschichte haben sollte. Ein einfacher Konflikt zwischen einem älteren und einem jüngeren Wrestler habe ihm nicht zugesagt. Stattdessen entschieden sie sich für den Unterschied in ihrer Erfahrung.

Wayne wollte die Puka-Halskette ohnehin ablegen. Jericho schlug vor, diesen Wunsch in die Storyline einzubauen. Die Kette sollte für die bisherige Version von Wayne stehen, die verlieren konnte. Mit ihrem Verschwinden würde der Übergang zu einer veränderten Figur markiert, die im Anzug auftritt und ihm auch am Mikrofon selbstbewusst gegenübersteht. Jericho traut Wayne das Potenzial eines künftigen World Champions zu.

Jericho und Samoa Joe überarbeiteten einen Vorschlag von Tony Khan

Zur kreativen Arbeit gehört für Jericho auch, mit Ideen umzugehen, die ihm zunächst nicht gefallen. Er erinnerte sich an einen Vorschlag von Tony Khan, den weder er noch Samoa Joe überzeugend fanden. Weil ihnen deutlich geworden sei, wie wichtig Khan die Umsetzung war, hätten sie gemeinsam überlegt, wie sie daraus etwas Brauchbares machen könnten.

Sie veränderten einzelne Bestandteile, strichen Elemente und ergänzten andere. Anschließend stellten sie Khan ihre überarbeitete Fassung vor, mit der dieser zufrieden gewesen sei. Welche Storyline gemeint war, erläuterte Jericho in der veröffentlichten Passage nicht. Grundsätzlich habe er sowohl mit Khan als auch mit Vince McMahon gut zusammenarbeiten können. Bei Einwänden halte er einen konkreten Gegenvorschlag für hilfreicher als eine einfache Ablehnung.

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