Chelsea Green hat in ihrer WWE-Karriere zahlreiche Rückschläge erlebt. Verletzungen, ihre zwischenzeitliche Entlassung und eine Rolle, in der sie lange vor allem andere Wrestlerinnen stärker machen sollte, ließen sie mehrfach daran zweifeln, ob sie selbst jemals dauerhaft an der Spitze der Women’s Division ankommen würde.
Nach ihrem großen SummerSlam-Moment blickt Green nun deutlich entspannter auf diese schwierigen Jahre zurück. In mehreren aktuellen Interviews sprach sie über ihre frühere Rolle bei WWE, einen verworfenen Charakterwechsel mit Triple H, ihre Haltung zum Interimstitel und darüber, warum Wrestling trotz aller Erfolge nicht ihr gesamtes Leben bestimmen soll.
Chelsea Green wollte nie zulassen, dass WWE ihr gesamtes Leben bestimmt
Im Gespräch mit Complex Wrestling erinnerte sich Green an mehrere Tiefpunkte ihrer Karriere. Dazu gehörten unter anderem zwei Armverletzungen, ihre zwischenzeitliche Entlassung aus der WWE und die Erkenntnis, dass sie in den Shows vor allem dazu diente, andere Wrestlerinnen aufzubauen.
Besonders beschäftigt habe sie dabei eine Aussage von Michael Hayes in „WWE Unreal“. Green sah darin eine Bestätigung ihrer damaligen Befürchtung, dass WWE sie möglicherweise dauerhaft als Wrestlerin einplane, die andere Talente von der Midcard in höhere Positionen bringt, anstatt selbst eine zentrale Rolle einzunehmen.
Trotzdem habe sie versucht, auch aus kleineren Comedy-Segmenten möglichst viel herauszuholen. Gerade ihre Bereitschaft, sich auf ungewöhnliche Situationen einzulassen, habe ihr über die Jahre viele erinnerungswürdige Momente eingebracht.
Gleichzeitig macht Green deutlich, dass WWE für sie trotz aller Bedeutung weiterhin Arbeit bleibt. Sie wolle bewusst ein Leben außerhalb des Wrestlings behalten. Dazu gehören Schauspielunterricht, gemeinsame Unternehmungen mit ihrem Ehemann Matt Cardona, ihre Tiere und private Zukunftspläne. Diese Trennung zwischen Beruf und Privatleben sei für sie wichtig gewesen, um auch schwierige Karrierephasen besser verarbeiten zu können.
Triple H plante zeitweise einen deutlich ernsteren Charakter
Interessant ist, dass Green nach eigener Aussage beinahe eine komplett andere Richtung eingeschlagen hätte. Vor etwa einem Jahr setzte sie sich mit Triple H zusammen, um über eine ernstere Version ihres WWE-Charakters zu sprechen. Dabei sei es nicht nur um kleinere Anpassungen gegangen. Beide hätten offenbar darüber gesprochen, ihre Präsentation, ihr Auftreten und möglicherweise auch Teile ihres In-Ring-Stils stärker zu verändern. Zu dieser Neuausrichtung kam es jedoch nie.
Bereits in der darauffolgenden Woche wurde Green wieder in einem sehr kurzen, Comedy-orientierten Segment eingesetzt und verlor innerhalb kürzester Zeit. Danach sei das Gespräch mit Triple H nicht erneut aufgegriffen worden.
Rückblickend ist Green darüber keineswegs enttäuscht. Im Gegenteil: Sie glaubt inzwischen, ihre eigene Nische gefunden zu haben. Ihre überzeichnete Persönlichkeit sei genau das, was sie von anderen unterscheide. Gerade weil sie diese Rolle konsequent angenommen habe, hätten die Fans sie im Laufe der Zeit zunehmend unterstützt.
Die Reaktionen der Fans veränderten Greens Position
Green erklärte, dass sie nie offiziell zu einem klassischen Babyface gemacht worden sei. Trotzdem hätten sich die Reaktionen des Publikums immer stärker in diese Richtung entwickelt. Die Zuschauer hätten ihre übertriebene Art zunächst vielleicht als nervig oder absurd empfunden, irgendwann aber gerade deshalb Gefallen an ihr gefunden.
Auch Triple H soll diesen natürlichen Aufstieg inzwischen wahrgenommen haben. Green berichtete, dass er ihre Entwicklung mit Daniel Bryan und Kofi Kingston verglichen habe, deren große WWE-Momente ebenfalls stark durch die Unterstützung der Fans getragen wurden.
Für Green ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Noch vor einiger Zeit hatte sie befürchtet, dauerhaft lediglich eine unterstützende Rolle einzunehmen. Inzwischen ist sie selbst zu einer der Wrestlerinnen geworden, bei denen die Publikumsreaktionen einen erheblichen Einfluss auf ihre Position innerhalb der Shows haben.
Das „Interim“-Label schmälert ihren SummerSlam-Sieg für sie nicht
Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung folgte beim SummerSlam 2026. Green gewann die Interim WWE Women’s Championship und feierte damit den bislang größten Erfolg ihrer WWE-Karriere.
Im Gespräch mit SHAK Wrestling machte sie deutlich, dass sie sich vom Zusatz „Interim“ nicht die Bedeutung dieses Moments nehmen lassen will. Für sie habe sich der Titelgewinn keineswegs weniger bedeutend angefühlt als eine reguläre Championship. Entscheidend sei vor allem die Reaktion der Zuschauer gewesen.
Green erinnerte sich daran, während des entscheidenden Moments nahezu jedes Detail wahrgenommen zu haben. Selbst während des chaotischen Ladder Matches habe sie Stimmen aus dem Publikum gehört und einzelne Reaktionen bewusst registriert. Für sie war der entscheidende Aufstieg auf die Leiter deshalb nicht nur ein kurzer Moment, sondern der Abschluss von mehr als einem Jahrzehnt voller Rückschläge, Neuorientierungen und neuer Chancen.
Green betrachtet sich selbst nicht als Übergangslösung
Auch wenn WWE sie offiziell weiterhin als Interim WWE Women’s Championesse führt, sieht Green sich selbst keineswegs lediglich als Platzhalterin. Das Wort „Interim“ spiele für ihre persönliche Wahrnehmung des Erfolgs keine große Rolle. Solange sie die Championship trägt, betrachtet sie sich selbst als vollwertige Titelträgerin.
Gerade die starke Unterstützung nach dem SummerSlam habe ihr gezeigt, dass offenbar auch viele Fans den Sieg nicht als bloße Zwischenlösung betrachten. Für Green besitzt die Championship deshalb unabhängig von der offiziellen Bezeichnung den gleichen emotionalen Stellenwert.
Ausgerechnet jetzt zwingt sie eine Verletzung zur Pause
Unmittelbar nach ihrem größten WWE-Erfolg folgte allerdings bereits der nächste Rückschlag. Nach der SmackDown-Ausgabe vom 7. August bestätigte Green, dass sie eine Orbitalfraktur erlitten hat. Wegen der Verletzung musste sie sich in der Notaufnahme behandeln lassen – wir berichteten
Damit ist ihre Situation besonders unglücklich. Die Interim WWE Women’s Championship wurde eingeführt, weil die amtierende Championesse Rhea Ripley aufgrund einer Knieverletzung pausieren muss. Nun hat sich auch Green kurz nach ihrem Titelgewinn verletzt. Welche Auswirkungen das auf die weitere Planung der Women’s Division haben wird, ist derzeit noch offen.

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