Der frühere WWE-Star Carlito hat in einem Interview bei Molusco TV deutliche Worte über den Umgang der WWE mit ihren lateinamerikanischen Zuschauern gefunden. Dabei machte er unmissverständlich klar, dass das Unternehmen nach seiner Einschätzung die Kultur und die Erwartungen der Latino-Community nicht ausreichend berücksichtigt.
Carlito betonte, dass er schon seit vielen Jahren versuche, auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Bereits in Gesprächen mit Vince McMahon habe er darauf hingewiesen, dass WWE die Vielfalt und die Besonderheiten des lateinamerikanischen Publikums nicht verstehe. Laut Carlito habe sogar McMahon selbst eingeräumt, dass man die Kultur nicht gut genug kenne, um die Fans authentisch anzusprechen.
Einseitige Sichtweise auf die Latino-Community
Besonders störte Carlito die enge Sichtweise, mit der WWE den Markt nach seiner Einschätzung betrachtet. So sei es für das Unternehmen lange selbstverständlich gewesen, dass sich mexikanische Zuschauer ausschließlich für mexikanische Wrestler begeistern oder Fans aus Puerto Rico lediglich Akteure aus ihrem Heimatland unterstützen würden.
Diese Haltung bezeichnete Carlito als grundlegenden Fehler, da sie nicht die Realität widerspiegle. Er hob hervor, dass die Latino-Community im Wrestling besonders stark miteinander vernetzt sei und kulturelle Grenzen innerhalb des Publikums nicht so starr gezogen werden könnten, wie es WWE angenommen habe.
Carlito erklärte: „Die WWE kennt den Latino-Markt nicht. Sie verstehen nicht, wie sehr sich alles vermischt und wie vielfältig unsere Kultur wirklich ist, besonders im Wrestling. Sie haben keine Ahnung von den Erfahrungen der Latinos und der Verbindung, die wir haben.“
Fehlende lateinamerikanische Entscheidungsträger
Einen weiteren zentralen Punkt seiner Kritik sah Carlito in der fehlenden Vertretung lateinamerikanischer Stimmen innerhalb der Führungs- und Kreativabteilungen der WWE. Nach seiner Ansicht könne ein Unternehmen die Kultur und die Wünsche des Publikums nur dann verstehen, wenn auch Personen mit dem entsprechenden Hintergrund in Entscheidungspositionen vertreten seien.
Er machte deutlich, dass es keine Writer, Produzenten oder Führungskräfte gebe, die selbst aus dem lateinamerikanischen Kulturkreis stammen und somit die Sichtweise der Fans authentisch einbringen könnten. Solange dies nicht der Fall sei, bleibe die Verbindung zwischen WWE und dem Publikum unvollständig. Carlito berichtete, dass er selbst mehrfach versucht habe, auf diese Lücke aufmerksam zu machen, doch letztlich sei es nicht in seiner Hand gewesen, hier Veränderungen zu bewirken.
Verpasste Chance durch fehlende Kooperation mit AAA
Besonders deutlich wurde Carlito, als er über eine mögliche Zusammenarbeit mit der mexikanischen Promotion AAA sprach. Nach seiner Meinung hätte WWE eine große Chance gehabt, ihre Bindung an den lateinamerikanischen Markt zu verstärken, wenn eine Partnerschaft zustande gekommen wäre.
Carlito verwies auf seine eigene Erfahrung in Mexiko, wo er bereits mehrfach für AAA antrat. Er spreche die Sprache, sei dort bekannt und genieße die Unterstützung der Fans. All das hätte aus seiner Sicht eine ideale Grundlage geboten, um eine engere Verbindung zwischen WWE und AAA zu schaffen.
„Eine Zusammenarbeit mit AAA wäre für mich naheliegend gewesen. Die Fans dort kennen mich bereits, ich habe mehrfach für die Liga gekämpft und spreche die Sprache. Doch die Entscheidung lag nicht bei mir. Deshalb empfinde ich es als eine große verpasste Chance“, erklärte er.
Carlitos WWE-Abgang und seine Sicht auf die Zukunft
Nachdem WWE seinen Vertrag nicht verlängerte, verließ Carlito die Promotion. Trotz seines Abschieds nahm er sich nun die Zeit, seine Beobachtungen klar auszusprechen. Seine Kritik macht deutlich, dass er Verbesserungspotenzial für das Unternehmen sieht und er der Meinung ist, WWE könne durch einen kulturell sensibleren Ansatz deutlich stärker auf das lateinamerikanische Publikum eingehen.
Carlito erklärte, dass es aus seiner Sicht nicht um persönliche Vorteile gehe, sondern um die grundsätzliche Haltung des Unternehmens gegenüber einer großen und wichtigen Fan-Community.
Ob WWE seine Worte aufgreift und künftig stärker auf kulturelle Vielfalt setzt, bleibt offen. Seine Aussagen haben jedoch bereits Aufmerksamkeit erregt und zeigen, dass die Diskussion um den Stellenwert des lateinamerikanischen Publikums im Wrestling noch lange nicht beendet ist.