In den vergangenen Jahren hat World Wrestling Entertainment die Struktur ihrer Premium Live Events deutlich verändert. Während frühere Pay-per-View-Veranstaltungen häufig mit umfangreichen Matchcards ausgestattet waren, bestehen die meisten heutigen PLEs abseits von WrestleMania in der Regel aus rund fünf Matches. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines bewussten strategischen Umdenkens.
In seinem Podcast Something To Wrestle sprach Bruce Prichard ausführlich darüber, warum weniger Matches aus seiner Sicht zu einem besseren Gesamterlebnis führen und weshalb sich die Rahmenbedingungen im modernen Wrestling grundlegend verändert haben.
Warum große Matchcards laut Prichard an Wirkung verlieren
Bruce Prichard blickte zunächst auf frühere Zeiten zurück und erklärte, weshalb umfangreiche Cards mit vielen Matches problematisch sein können. Dabei stellte er vor allem die Wahrnehmung der Zuschauer in den Mittelpunkt: „Ich gehe zurück in die Vergangenheit: Zehn Matches auf einer Card sind schwer anzusehen. Wenn man sich die Präsentation ansieht und so viele Dinge in eine Card mit zehn Matches packt, woran erinnert man sich dann am Ende des Abends? Man erinnert sich höchstwahrscheinlich an das Main Event, aber vielleicht gab es im dritten Match einen Angle und ein verdammt gutes Match, welches man aber vergessen hat, weil man so viel anderen Mist gesehen hat. Gut, schlecht oder gleichgültig. Ich denke, weniger ist mehr.“
Nach Prichards Einschätzung leidet bei überladenen Cards nicht nur die Übersicht, sondern auch die Nachhaltigkeit einzelner Momente. Selbst starke Matches oder relevante Story-Elemente könnten im Gedächtnis der Zuschauer untergehen, wenn zu viele Inhalte in kurzer Zeit präsentiert werden.
Der Einfluss des Streaming-Modells auf WWE-Events
Ein zentraler Grund für diesen Wandel ist laut Prichard der Wechsel vom klassischen Pay-per-View-System hin zum heutigen Streaming-Modell. Dieser Umbruch habe nicht nur finanzielle Folgen gehabt, sondern auch grundlegend verändert, wie Shows aufgebaut werden und wie Fans Wrestling konsumieren. Während früher möglichst viele Matches nötig waren, um Pay-per-View-Käufe zu rechtfertigen, spielen diese Faktoren heute kaum noch eine Rolle. Stattdessen gehe es darum, Inhalte gezielt zu strukturieren, Überlängen zu vermeiden und Talente nicht künstlich in überladene Shows zu pressen.
Prichard macht deutlich, dass es innerhalb der WWE lange Zeit ein fest verankertes Denken gab, nach dem große Shows möglichst viele Matches enthalten müssten, um möglichst viele Zuschauer zufriedenzustellen. Dieser innere Druck existiere bis heute, auch wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert hätten. Früher habe man oft das Gefühl gehabt, dass immer mehr Talente in einer Show untergebracht werden müssten, um möglichst vielen Beteiligten einen Platz zu geben und möglichst viele Fans abzuholen.
Genau dieses Denken sei jedoch durch den Wechsel zum Streaming-Modell zunehmend überholt. Premium Live Events seien heute nicht mehr vom klassischen Pay-per-View-Geschäft abhängig, bei dem Matchanzahl und Laufzeit direkten Einfluss auf Einnahmen hatten. Wrestler würden nicht mehr danach bezahlt, wie viele Käufe eine Veranstaltung generiere, wodurch der Zwang entfalle, eine Card künstlich aufzublähen. Gleichzeitig gebe es keine feste zeitliche Vorgabe mehr, die zwinge, möglichst viel Inhalt in ein einzelnes Event zu packen. Stattdessen habe sich herauskristallisiert, dass Zuschauer längere Shows oft als ermüdend empfinden und in der Regel kein Interesse an deutlich mehr als rund drei Stunden Laufzeit haben.
Prichard betont außerdem, dass sich auch die Erwartungen der Talente verändert hätten. Viele Wrestler strebten traditionell danach, unbedingt einen besonderen Moment bei WrestleMania zu bekommen oder allein durch die Teilnahme an dieser Großveranstaltung aufgewertet zu werden. Dieses Denken sei jedoch nicht mehr zeitgemäß, da ein einzelner Auftritt bei WrestleMania leicht untergehen könne, wenn zu viele Matches und Segmente auf der Card stehen. Stattdessen bestehe heute die Möglichkeit, wichtige Momente gezielt auf andere Shows zu verlagern, etwa auf einen späteren Premium Live Event oder in den Main Event einer anderen Großveranstaltung.
Hinzu komme, dass WWE heute über deutlich mehr Plattformen und Präsentationsflächen verfüge als früher. Durch das wöchentliche Fernsehen hätten Talente regelmäßig die Möglichkeit, sich vor einem sehr großen Publikum zu präsentieren. Laut Prichard sei diese TV-Präsenz inzwischen genauso wertvoll wie ein Auftritt bei einem Premium Live Event, da die Reichweite und Bedeutung des Fernsehens stark zugenommen hätten. Entscheidend sei nicht mehr, ob ein Moment bei einem PLE oder im TV stattfinde, sondern dass ein Wrestler sichtbar sei und kontinuierlich im Programm präsent bleibe. Jeder Auftritt vor der Kamera habe heute einen messbaren Wert und trage zur Wahrnehmung eines Talents bei.
So wird deutlich, dass WWE laut Prichard heute nicht mehr darauf angewiesen ist, möglichst viele Matches in ein einzelnes Event zu packen. Stattdessen können wichtige Momente auf verschiedene Shows verteilt werden, da das wöchentliche Fernsehen inzwischen denselben Stellenwert wie Premium Live Events besitzt.
Prichard machte deutlich, dass sich der Stellenwert einzelner Auftritte verschoben hat. Ein Moment müsse nicht zwingend auf der größten Bühne stattfinden, um Bedeutung zu haben, da das wöchentliche Fernsehen inzwischen eine vergleichbare Reichweite und Relevanz besitzt.
WrestleMania als Ausnahme innerhalb des PLE-Konzepts
Eine besondere Rolle nimmt weiterhin WrestleMania ein. Die größte Show des Jahres wurde auf zwei Abende ausgeweitet, um mehr Zeit für Matches und Segmente zu schaffen. Dieses Format stellt jedoch die Ausnahme dar.
Abseits von WrestleMania setzt WWE bei den meisten Premium Live Events bewusst auf kompaktere Cards. Ziel ist es, einzelne Matches stärker in den Fokus zu rücken und den Zuschauern ein konzentrierteres Erlebnis zu bieten, ohne sie mit einer übermäßigen Programmlänge zu überfordern.
Wöchentliches TV als gleichwertige Bühne
Parallel zu den PLEs verfügt WWE über eine umfangreiche wöchentliche TV-Präsenz. Das Main Roster ist nahezu sechs Stunden pro Woche im Fernsehen zu sehen. WWE RAW läuft aktuell zweieinhalb Stunden, während WWE SmackDown inzwischen eine Laufzeit von drei Stunden erreicht.
Diese kontinuierliche Präsenz ermöglicht es, Storylines, Charakterentwicklung und wichtige Matches regelmäßig vor einem großen Publikum zu präsentieren. Nach Prichards Aussagen hat genau dieser Umstand dazu beigetragen, dass Premium Live Events nicht mehr als alleiniger Höhepunkt betrachtet werden müssen, sondern als Teil eines größeren Gesamtprodukts.
Was für ein Schwachsinn von Bruce Prichard. Es gibt keine großen Matchcards mehr, weil die WWE sonst mehr Geld abdrücken dürfte, und das kommt bei den Geldhaien von der WWE nicht infrage.
Eine Werbesendung braucht keine matches. Wird eh Zeit für einen neuen Namen. WCE … world commercial entertainment.