Bret Hart blickt kritisch auf seine WCW-Zeit zurück und spricht über Hogan, Bischoff und verlorenes Momentum

Bret Hart wirkt unzufrieden

Bret Hart hat in einem Interview mit Inside the Ropes erneut ausführlich über seine Jahre bei World Championship Wrestling gesprochen und dabei deutliche Kritik an den damaligen Strukturen geäußert. Rückblickend beschreibt Hart seinen Wechsel zur WCW Ende 1997 als verpasste Chance, obwohl er nach eigener Darstellung mit enormem Momentum aus der WWF gekommen sei. Statt eines klaren Neustarts habe er schnell gemerkt, dass es innerhalb der WCW keinen konkreten Plan für ihn gab.

Hart machte deutlich, dass er zu diesem Zeitpunkt zu den wichtigsten Namen im Wrestling zählte. Er kam mit großem Momentum zur WCW und verwies dabei auf seine damaligen Erfolge: „Ich dachte, ich hätte unglaublich viel Schwung mitgebracht. Ich habe den Undertaker um den World Title besiegt. Ich habe Steve Austin geschlagen. Ich habe Steve Austin bei WrestleMania 13 klar dominiert. Ich hatte so viel Potenzial.“

Kritik an verpasstem Main-Event-Potenzial

Aus Sicht von Hart hätte seine Rolle bei der WCW von Beginn an klar definiert sein müssen. Er erklärte, dass eine direkte Fehde um den World Title die logische Konsequenz seines Wechsels gewesen wäre. Stattdessen sei diese Möglichkeit nie ernsthaft verfolgt worden: „Es hätten sofort ich und Hulk Hogan sein sollen, und ich denke, ich hätte ihn um den Titel besiegen sollen. Und sie hätten mich zum Champion machen sollen. Danach hätten wir noch hundert Mal gegeneinander antreten können.“

Dass es zu dieser Konstellation nie kam, führt Hart auf interne Machtverhältnisse zurück, die seiner Meinung nach den kreativen Prozess massiv beeinflusst hätten.

Vorwürfe gegen Hulk Hogan und Eric Bischoff

Besonders deutlich wurde Hart, als er über den Einfluss von Hulk Hogan und Eric Bischoff sprach. Nach seiner Darstellung verschwand sein Name immer wieder aus den wöchentlichen Planungen, sobald intern über ihn gesprochen wurde. Dazu erklärte er: „Jedes Mal, wenn mein Name fiel, sagten sie: ‚Was machen wir diese Woche mit Bret Hart?‘ Und plötzlich mischte sich Hulk Hogan ein. Ich war nicht dabei und weiß es nicht sicher, aber ich hatte den Eindruck, dass er mich jedes Mal aus den Plänen streichen ließ.“

Hart führte weiter aus, dass Hulk Hogan durch seinen großen Einfluss auf Eric Bischoff de facto die kreativen Entscheidungen bestimmt habe. Dadurch sei er regelmäßig aus den Planungen gestrichen worden. Dazu sagte Hart: „Weil Hogan bei Bischoff so viel Einfluss hatte, wurde mein Name jede Woche einfach gestrichen und ich kam überhaupt nicht zum Einsatz.“

Wochenlang bezahlt ohne Einsatz

Ein weiterer Punkt, den Hart besonders kritisch hervorhob, waren die organisatorischen Abläufe während seiner WCW-Zeit. Trotz vertraglicher Zusagen sei er häufig ohne Einsatz geblieben, obwohl er bereits angereist war: „Sie flogen mich in der First Class. Ich wohnte in einem First-Class-Hotel und bekam einen Lincoln Continental. Dann kam ich zum Gebäude und wartete dort bis 17 oder 18 Uhr. Dann sagten sie mir, dass ich freihätte. Am nächsten Tag bin ich einfach nach Hause gegangen.“

Diese Situation habe ihn immer wieder sprachlos zurückgelassen, zumal er sich selbst weiterhin als absoluten Topstar sah. Rückblickend erinnerte er sich: „Ich dachte damals: Was für ein Idiot bezahlt mir all dieses Geld, um mich quer durchs Land zu fliegen, und lässt mich dann einfach außen vor, obwohl ich so viel Momentum hatte?“

Steve Austin als Vergleichspunkt

Hart setzte seine Lage immer wieder in Beziehung zum damaligen Aufstieg von Steve Austin in der WWF. Austin habe zu dieser Zeit einen massiven Popularitätsschub erlebt, obwohl Hart ihn kurz zuvor deutlich besiegt hatte. Dazu sagte Hart: „Ich bin derjenige, der Steve Austin geschlagen hat, ihren damals besten Mann. Warum macht ihr nichts mit mir?“

Für Hart unterstrich dieser Vergleich, wie wenig konsequent die WCW mit vorhandenen Möglichkeiten umgegangen sei.

Warum der WCW-World-Title für ihn kaum Bedeutung hatte

Auch seinen Gewinn der WCW World Championship im Jahr 1999 ordnete Hart rückblickend nüchtern ein. Emotional habe ihm dieser Erfolg wenig bedeutet, da er sich mental bereits deutlich früher vom Wrestling gelöst habe. Er erklärte dazu: „Weißt du, ich habe das nicht so empfunden. Aber es gab einen Moment, als ich Vince McMahon k.o. geschlagen habe, in dem mir klar wurde, dass ich Wrestling nie wieder zu ernst nehmen werde.“

Von diesem Zeitpunkt an habe sich seine Haltung spürbar verändert. Der sportliche Ehrgeiz trat für ihn in den Hintergrund, während die Sicherheit seines Vertrags wichtiger wurde. Zugleich stellte Hart klar, dass ihm die Fans weiterhin am Herzen lagen, auch wenn er das Gefühl hatte, keinen Einfluss mehr auf die internen Abläufe zu haben. Dazu sagte er: „Es war mir schon wichtig, weil ich wusste, dass es vielen Fans wichtig war. Aber ich hatte das Gefühl, dass es einfach nicht mehr in meiner Hand lag.“

Eine rückblickend verschenkte Chance

Trotz seines Titelgewinns vor heimischem Publikum in Toronto änderte sich für Hart nichts Grundlegendes. Seine Einschätzung der WCW-Strukturen blieb kritisch: „Aber sie waren so dumm. Wirklich.“

Aus heutiger Sicht ordnet Hart seine WCW-Zeit als eine Phase ein, in der sportliches Potenzial vorhanden war, dieses jedoch durch interne Machtverhältnisse und fehlende Führung nicht genutzt wurde.

2 Kommentare

  1. Recht hat er schon durchaus,aber zu Beginn 1998 hatte er schon gute wieder auflebende Fehden. Wie gegen Curt Henning und Ric Flair,aber so richtig Fahrt nahm seine Karriere erst im Herbst 1999. Wo Vince Russo das Zepter übernommen hat allerdings kennen wir ja alle das Ende.

  2. Starrcade 1997 hätte ohne Wenn und Aber eindeutig und ohne Schwachsinns-Finish an Sting gehen müssen. Hogan und Hart hätten durchaus in 98 gegeneinander fehden können, aber dafür hättest du keine World Championship benötigt.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*