Der öffentliche Eindruck von Braun Strowman war lange der eines Furcht einflößenden Ausnahmeathleten, der scheinbar unerschütterlich durch die WWE marschierte. Doch hinter dieser Fassade erlebte Strowman eine Phase, die ihn mental stark belastete. In einem Gespräch im Podcast von Bert Kreischer sprach er offen über Panikattacken, die ihn nach seinem Durchbruch begleiteten.
Der schnelle Aufstieg und die Kehrseite des Ruhms
Bereits vor seiner Wrestling-Karriere zog Strowman durch seine außergewöhnliche Größe Aufmerksamkeit auf sich. Mit den wöchentlichen TV-Auftritten bei WWE vervielfachte sich diese Aufmerksamkeit jedoch schlagartig. Der Wechsel vom anonymen Leben in einer Kleinstadt hin zu Millionen von Zuschauern stellte für ihn eine enorme Umstellung dar: „Ich habe viel damit zu kämpfen gehabt. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, meine Highschool hatte etwa 400 Schüler. Und plötzlich bin ich jede Woche im WWE-Fernsehen vor vier Millionen Zuschauern zu sehen.“
Diese abrupte Veränderung führte dazu, dass ihn Menschenmengen und ständige Interaktionen zunehmend überforderten.
Panikattacken im öffentlichen Raum
Strowman schilderte, dass die fehlende Möglichkeit, sich zurückzuziehen, wiederholt Panikreaktionen auslöste. Besonders Situationen, in denen er unvorbereitet von Menschen umringt wurde, setzten ihm stark zu: „Ich hatte früher in der Öffentlichkeit Panikattacken, weil ich von Leuten bombardiert wurde, die auf mich zukamen, und ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte.“
Bis heute gebe es Momente, in denen ihn große Menschenansammlungen nervös machten und er das Bedürfnis verspüre, die Situation sofort zu verlassen: „Es gibt immer noch Momente, in denen ich in Menschenmengen bin und denke: Ihr müsst mich hier rausholen, sonst passiert etwas Schlimmes.“
Seine Sicherheitskräfte seien daher weniger zu seinem Schutz da, sondern um Eskalationen zu verhindern.
Ablehnung in der WWE-Umkleide nach dem schnellen Debüt
Neben den mentalen Belastungen durch den plötzlichen Ruhm sprach Strowman auch über Widerstände innerhalb der WWE. Sein schneller Aufstieg in das Main Roster sorgte laut eigener Aussage für erheblichen Unmut unter Kollegen. Beim Debüt bei WWE Monday Night RAW im August 2015 verfügte Strowman über kaum Ringpraxis: „Ich hatte in meiner gesamten Karriere vier Wrestling-Matches bestritten und dann debütierte ich bei Monday Night RAW.“
Während viele Talente über Jahre den klassischen Weg über WWE NXT gehen, übersprang Strowman diese Phase nahezu vollständig: „Ich hatte nur ein Dark Match bei NXT und war bei drei House Shows dabei. Danach ging es direkt in das Main Roster, ohne den üblichen NXT-Weg.“
Dieser Umstand führte dazu, dass er in der Umkleidekabine als Außenseiter wahrgenommen wurde: „Ich war ein Außenseiter. Ich wurde gehasst. Viele sagten einfach: Schei* auf diesen großen Kerl!“
Missverständnisse über Privilegien und harte Realität
Strowman betonte, dass viele Kollegen nur den schnellen Push sahen, nicht aber den persönlichen Einsatz, den er zuvor leisten musste. Vor seinem WWE-Durchbruch habe er erhebliche Opfer gebracht, um überhaupt eine Chance zu erhalten: „Die Leute sagten immer, ich hätte mir meinen Platz nicht verdient. Aber sie wussten nicht, dass ich in meinem Auto geschlafen und um die Welt gereist bin.“
Er verwies zudem auf seine sportlichen Erfolge außerhalb des Wrestlings, darunter den Titel als stärkster Mann Nordamerikas, um zu verdeutlichen, dass sein Weg keineswegs mühelos gewesen sei.
Kritik an moderner WWE-Kultur
Im selben Podcast äußerte Strowman auch deutliche Kritik an Veränderungen innerhalb der WWE-Umkleide. Besonders störte ihn der aus seiner Sicht nachlassende Respekt gegenüber den Akteuren im Main Event. Früher sei es selbstverständlich gewesen, bis zum letzten Match der Show anwesend zu bleiben: „Es ging darum, den Jungs im Main Event Respekt zu zollen. Der Hauptgrund, warum die Leute Tickets kaufen, ist dieses letzte Match.“
Er schilderte Situationen, in denen er nach langen Main Events hinter den Vorhang zurückkehrte und kaum noch Kollegen anwesend waren: „Sie (die Fans) haben bezahlt, um uns zu sehen. Und ihr (viele Superstars) konntet nicht einmal bleiben, um euch das anzusehen.“
Sehnsucht nach überlebensgroßen Charakteren
Darüber hinaus kritisierte Strowman die Entwicklung des Wrestlings selbst. Ihm fehle der Reiz der außergewöhnlichen Erscheinungen, die ihn einst zum Wrestling brachten: „Was mich zum Wrestling gebracht hat, waren diese überlebensgroßen Charaktere, die man im Alltag nicht sieht.“
Er nannte Namen wie André the Giant, Hulk Hogan, The Undertaker und Kane als Beispiele für Persönlichkeiten, die größer als das Leben wirkten. Diese Art von Spektakel sei seiner Ansicht nach seltener geworden.
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