Becky Lynch und Seth Rollins sprechen offen über Machtmissbrauch bei WWE, Leidenschaft im Wrestling, persönliche Krisen und die Schattenseiten der sozialen Medien

Foto mit Becky Lynch (links) und Seth Rollins (rechts) sitzend

Becky Lynch hat bei Something’s Burning eines der dunkelsten Kapitel ihrer Anfangszeit bei WWE beschrieben und berichtet, dass ein gut bekannter WWE-Superstar damals weibliche Talente systematisch unter Druck gesetzt haben soll. Lynch erklärte, dass sie 2015, kurz nach ihrem Start im Main Roster, von Kolleginnen ausdrücklich gewarnt wurde, Abstand von diesem Mann zu halten. Sie schilderte, dass hinter den Kulissen die klare Warnung ausgesprochen wurde, dieser Wrestler würde seine Karriereposition nutzen und versuchen, mit neuen weiblichen Talenten intim zu werden. Lehnten sie ab oder ließen sich auf etwas ein, seien beide Varianten mit negativen Folgen verbunden gewesen.

„Damals hieß es: Bleib den Jungs (also den männlichen WWE-Stars), fern und geh ihnen nicht zu nahe. Es gab bestimmte Warnungen. Ich nenne keine Namen, aber als ich 2015 ins Main Roster kam, wurde mir über einen Mann gesagt: Sei vorsichtig. Erstens wird er versuchen, mit dir zu schlafen. Wenn das passiert, setzt er dich auf die Blacklist. Und wenn er es versucht und du ihn abweist, setzt er dich ebenfalls auf die Blacklist. Es war also ein ständiger Balanceakt, auf dem man sich wie auf einem Drahtseil bewegen musste. Jeder wusste, wer gemeint war.

Irgendwann bekam er sogar meine Nummer, und ich erinnere mich, dass ich sofort dachte: Hurgh. Wie soll man so etwas überhaupt handhaben? Dazu kam immer die Angst, dass, wenn eine Beziehung hinter den Kulissen schiefgeht und es Stress gibt, nicht der Mann entlassen wird, sondern die Frau. Für mich war das damals eine wirklich beängstigende Situation,“ sagte Becky.

Ihre Offenheit veranschaulicht, wie labil die Position junger Wrestlerinnen damals sein konnte und wie wichtig die strukturellen Veränderungen der letzten Jahre für das Womens Wrestling gewesen sind. Sie betonte nicht, ob der betreffende Mann heute noch Teil der WWE ist. Mit Seth Rollins begann sie später eine Beziehung, die ab 2019 öffentlich wurde und 2021 in ihre Hochzeit mündete.

Seth Rollins über Leidenschaft im Wrestling und die heutige Talentstruktur

Während des gemeinsamen Gesprächs mit Moderator Bert Kreischer sprach Seth Rollins darüber, wie sich das Verhältnis vieler Wrestler zur Branche verändert hat. Er sagte, dass es durchaus Aktive im WWE-Main-Roster gebe, die nicht unbedingt eine leidenschaftliche Verbindung zum Wrestling hätten. Rollins erklärte, für einige sei es vor allem ein Job und eine sichere Einkommensquelle. WWE rekrutiere seit einiger Zeit verstärkt sportlich talentierte Persönlichkeiten außerhalb der klassischen Wrestling-Ausbildung, was dazu führe, dass manche erst später in ihrer Karriere eine echte Leidenschaft entwickeln oder sie unter Umständen nie vollständig finden.

Rollins betonte allerdings, dass dauerhaft niemand im Geschäft bleiben könne, der das Wrestling nicht zumindest im Laufe der Zeit lieben lerne.

„Ich glaube nicht, dass jemand langfristig im Wrestling bleibt, wenn er es nicht wirklich liebt, denn dieser Job macht einen körperlich wie geistig fertig. Es ist, wie man sieht, eine sehr anstrengende Erfahrung. Der Zeitplan ist heute zwar deutlich leichter als früher. Wir sind immer noch jede Woche unterwegs, aber wir bestreiten längst nicht mehr so viele Shows wie damals, als Becky und ich noch rund zweihundert Matches pro Jahr hatten. Dieses extreme Pensum hat sehr schnell diejenigen aussortiert, die keine echte Leidenschaft dafür hatten. Sie waren erschöpft, brannten aus und hörten schließlich auf. Aber ja, es gibt auch heute viele Leute im Main Roster, von denen ich sagen würde, dass sie nicht unbedingt eine wirkliche Vorliebe für das Wrestling haben,“ sagte Rollins.

Die polygame Lebensphase von Seth Rollins und wie sie seine Beziehung zu Becky Lynch fast verhindert hätte

Seth Rollins erzählte in derselben Sendung sehr offen von einer persönlichen Krise im Jahr 2018. Er erklärte, dass er damals davon überzeugt war, Polygamie sei das richtige Lebensmodell für ihn. Zu diesem Zeitpunkt war er zwar mit Becky Lynch eng befreundet, doch beide waren Single. Rollins berichtete, dass er irgendwann andeutete, aus der Freundschaft könne vielleicht mehr entstehen, obwohl er selbst nicht bereit gewesen sei, die nötige Verantwortung für eine ernsthafte Bindung zu übernehmen.

Becky Lynch reagierte darauf, indem sie klare Grenzen setzte. Sie sagte ihm offen, dass sie sich nicht auf etwas einlassen könne, das keine Perspektive habe. Für sie sei es eine Frage des Selbstschutzes gewesen und sie machte deutlich, dass sie ihre Gefühle nicht unterdrücken wolle, nur um ein Modell zu bedienen, an das sie selbst nicht glaubte. Rollins erklärte, er habe damals erkannt, dass seine Vorstellung von Polygamie in Wahrheit aus Ängsten entstanden sei. Er hatte das Gefühl, ständige Reisetätigkeit und berufliche Belastungen würden längerfristige Beziehungen erschweren. Daraus leitete er für sich ab, er könne keinem festen Lebenspartner gerecht werden.

Diese Phase führte dazu, dass beide zunächst entschieden, ausschließlich Freunde zu bleiben. Rollins erzählte jedoch, dass ihm zwei Tage später bewusst wurde, dass er Becky nicht verlieren wolle. Er rief sie erneut an und bat darum, ihre Verbindung nicht aufzugeben. Becky Lynch zögerte und sagte zunächst Nein. Erst durch Rollins’ Bekenntnis, dass sie die Person sei, die sein Leben positiv beeinflusse, fand die Beziehung Schritt für Schritt ihren Weg. Diese Episode zeigt, wie wichtig offene Kommunikation und persönliche Entwicklung für ihre Partnerschaft waren.

Wie soziale Medien nahezu die Beziehung und die psychische Gesundheit von Seth Rollins zerstört hätten

Seth Rollins beschrieb außerdem sehr intensiv, wie soziale Medien gegen Ende der 2010er Jahre zu einer Quelle massiven Drucks wurden. Rollins erwähbte, dass Wrestler zwar gewohnt seien, sofortiges Feedback in Arenen zu erhalten, dieses Feedback jedoch nach der Show auf Social Media in eine andere Dimension übergehe. Er erklärte, dass dort jede Aktion über Tage hinweg analysiert werde und negative Meinungen durch Algorithmen verstärkt würden.

Rollins schilderte, dass diese ständige Flut an negativen Kommentaren für ihn ein verzerrtes Bild der Realität erzeugt habe. Er berichtete, dass die Belastung 2019 so groß wurde, dass sie seine Beziehung zu Becky Lynch beeinträchtigte. Er sprach davon, dass diese Dynamik fast zu einem Wendepunkt geführt hätte, an dem er erkannte, dass er sich emotional von Kommentaren fremder Menschen abhängig gemacht hatte.

Er beschrieb, dass die Online-Analyse seines Charakters und seiner Matches dazu führte, dass er seine Entscheidungen in der Beziehung infrage stellte und belastende Verhaltensmuster entwickelte. Dieser Zustand endete in einem persönlichen Zusammenbruch, der für ihn der Anstoß war, sich vollständig aus Twitter zurückzuziehen und Kommentare auf anderen Plattformen zu meiden. Rollins betonte, dass soziale Medien vielen Fans das Gefühl vermittelt hätten, sie könnten die kreative Ausrichtung der Shows beeinflussen. Er erkannte jedoch, dass dieser vermeintliche Einfluss langfristig weder für die Community noch für die Wrestler gesund sei.

2 Kommentare

  1. Ist schon interessant, wenn man so liest, was manch einer oder eine bei WWE so erzählen darf und wenn man dann wiederum andere sieht, die gleich gefeuert werden wegen ihren Aussagen. Ist das schon mal jemanden anderen aufgefallen?

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