Becky Lynch positiv überrascht von MJF, Divas-Ära-Kritik und Doppelstandard im Wrestling

Becky Lynch hält ein WWE-Mikrofon in der Hand und lächelt
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Im Gespräch mit Vulture lenkte Becky Lynch den Blick von der aktuellen Storyline auf ein größeres Bild und blickte dabei auf WrestleMania 42 zurück. Sie berichtete von ihrer überraschenden Erfahrung mit MJF am Set von „Happy Gilmore 2”, blickte offen auf die „Divas”-Ära der WWE zurück und sprach deutlich über einen Doppelstandard, den sie bei der Behandlung älterer Wrestler je nach Geschlecht beobachtet hat.

MJF am Set: Erwartung traf auf Realität

Als Lynch gefragt wurde, wie die Zusammenarbeit mit MJF am Set von „Happy Gilmore 2” war, begann sie ihre Antwort mit einem Geständnis, das sie sichtlich amüsierte. MJFs Persönlichkeit in der Öffentlichkeit hatte bei ihr einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass sie erwartet hatte, ihn im echten Leben nicht ausstehen zu können:

„Ich finde ihn einfach toll! Ich liebe ihn. Ehrlich gesagt dachte ich anfangs, er wäre ein A*schl*ch – genau wie seine Figur. Er spielt seine Rolle so gut, dass ich dachte: ‚Oh, den Typen werde ich hassen.‘“ Aber er ist einfach der süßeste Typ. Er ist so nett, und es war ein tolles Gespräch. Wir haben uns sofort verstanden – ich liebe ihn.“

Ausdrückliches Lob für MJFs Talent

Lynch ließ es nicht bei der persönlichen Sympathie bewenden. Sie lobte MJF ausdrücklich als Performer und Schauspieler und gab zu, selbst auf seine Bühnenrolle hereingefallen zu sein. Demzufolge räumte mit einem Schmunzeln ein, dass sie selbst jahrelang auf MJFs Figur hereingefallen sei und seine Rolle für bare Münze genommen habe.

Jetzt, nachdem sie ihn persönlich kennengelernt hatte, könne sie dieses Bild nicht mehr aufrechterhalten. Ihr Urteil über ihn als Mensch und als Performer fiel dabei ausgesprochen positiv aus. Sie bezeichnete ihn als großartig und lobte seine Leistung im Film in den höchsten Tönen.

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Besonders beeindruckte sie seine Fähigkeit als Redner und Schauspieler, zumal er für jemanden seines Alters bereits ein außergewöhnliches Niveau erreicht habe. Lynch machte deutlich, dass sie seine weitere Entwicklung mit großem Interesse verfolgen werde.

Divas-Ära: Tanzen statt Wettkampf

Der ernstere Teil des Vulture-Gesprächs begann, als Lynch auf die Bedingungen zu sprechen kam, unter denen sie und ihre Kolleginnen in der Divas-Ära der WWE arbeiteten. Sie schilderte ohne Umschweife, was von Wrestlerinnen damals bei Live-Events erwartet wurde.

Lynch beschrieb, dass sämtliche Wrestlerinnen bei Live-Veranstaltungen mitten im Programm in den Ring mussten, nicht um zu kämpfen, sondern um eine choreografierte Tanzeinlage zu absolvieren und T-Shirts ins Publikum zu werfen. Dieser Ablauf war kein Einzelfall, sondern gängige Praxis.

Lynch verdeutlichte, wie absurd dieser Umstand aus heutiger Perspektive wirkt, denn es handelte sich dabei nicht um die Anfangszeit des Wrestlings, sondern um die Jahre 2014 und 2015. Sie formulierte ihre Verblüffung darüber offen und ließ keinen Zweifel daran, dass solche Erwartungen mit dem, was Wrestlerinnen eigentlich in den Ring bringt, wenig zu tun hatten.

Ausbrechen erst nach Anpassung

Lynch beschrieb zudem, dass die Erwartungen über reine Showeinlagen hinausgingen. Auch das äußerliche Erscheinungsbild war ein entscheidender Filter, bevor eine Wrestlerin als ernstzunehmende Wettkämpferin wahrgenommen wurde.

Sie schilderte, dass der Weg zur sportlichen Anerkennung in der Divas-Ära einem bestimmten ungeschriebenen Ablauf folgte. Zunächst musste man sich dem herrschenden Bild anpassen und die Erwartungen an Aussehen und Auftreten erfüllen, bevor überhaupt Raum für das entstand, was eigentlich zählte.

Wer sich in dieser Rolle etabliert hatte, bekam schließlich die Möglichkeit, auch die ernsthafte, sportliche Seite zu zeigen. Für Lynch war das kein fairer Ausgangspunkt, sondern eine zusätzliche Hürde, die Männer in vergleichbaren Positionen schlicht nicht nehmen mussten. Die Fähigkeit im Ring allein reichte für Frauen in dieser Zeit nicht aus, um als gleichwertige Wettkämpferinnen ernst genommen zu werden.

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Doppelstandard beim Altern im Wrestling

Im abschließenden Teil des Gesprächs wandte Lynch sich einem Thema zu, das sie sichtlich beschäftigt. Sie beobachtete eine klare Asymmetrie in der Art und Weise, wie männliche und weibliche Wrestler mit zunehmendem Alter bewertet werden.

Lynch stellte fest, dass etablierte männliche Topstars auch dann noch als gesetzt und unantastbar gelten, wenn sie die 40 längst überschritten haben. Niemand fordere CM Punk, Seth Rollins, Roman Reigns oder Cody Rhodes öffentlich dazu auf, Jüngeren den Platz zu räumen. Ihr Alter werde zwar gelegentlich erwähnt, aber nie als Argument dafür verwendet, dass sie nicht mehr an der Spitze stehen sollten.

Bei Frauen hingegen setze diese Debatte deutlich früher ein. Der Ruf nach dem Rückzug oder nach einem Generationswechsel komme bei Wrestlerinnen schon in einem Alter, in dem ihre männlichen Kollegen noch unbestritten die Hauptrollen bekleiden.

Für Lynch ist diese Ungleichheit kein Zufall, sondern ein strukturelles Muster, das im Wrestling seit Jahren existiert und das sie mit ihrer eigenen aktiven Präsenz aktiv infrage stellen will.

Aktiv bleiben als Gegenbeweis

Für Lynch ist die Antwort auf diesen Doppelstandard nicht die Klage, sondern die Präsenz. Sie sieht ihre Fortsetzung der Karriere selbst als Argument gegen ein Narrativ, das Frauen im Wrestling ein früheres Verfallsdatum auferlegt: „Ich finde es wichtig, zu bleiben … denn ich sollte dabei sein … ich sollte beweisen, dass meine Karriere nicht mit 35 oder 30 enden muss … ich habe noch lange nicht genug.“

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