BD: „Roman J. Israel, Esq.“

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     Quelle Bildmaterial: „Roman J. Israel, Esq., ©2017 Columbia Pictures, INC., CCP Inner City Film Holdings, LLC,                               Bron Creative Corp., Macro Content Fund I. LLC, In Splitter, L.P. All rights reserved.“ 

                                   Ab sofort erhältlich als Blu-Ray, DVD und Digital Download

811C0b0zX6L. SL1500 Wenn Denzel Washington mal nicht gerade in der Rolle des Equalizers Schurken in bester 96 Hours – Manier zur Hölle jagt, engagiert er sich zuletzt verstärkt als Darsteller, Produzent oder gar Regisseur von Filmen mit starker gesellschaftlicher Relevanz. Das von Nightcrawler – Regisseur Dan Gilroy inszenierte Gerichtsdrama Roman J. Israel, Esq. passt genau in dieses Schema und zeigt Washington abermals in der ihm so wunderbar zu Gesicht stehenden Rolle des komplizierten, aber charismatischen Außenseiters. Zum Heimkinostart nehmen wir uns die Blu-Ray zum Film vor. Kann dieser rechtkräftig wegen hervorragender Unterhaltungsqualität schuldig gesprochen werden, oder droht am Ende womöglich ein Freispruch? 

Der Film

Optisch wirkt er wie aus einer anderen Zeit. Und auch sonst scheint sich Roman J. Israel (Denzel Washinton, The Equalizer 2) nicht so recht in das amerikanische Rechtssystem einfügen zu wollen, dem er als öffentlichkeitsscheuer Anwalt bereits seit vielen Jahren dient. Der mit einem brillanten Wissenschatz in Sachen Rechtsfragen ausgestattete Oldie verbringt seine Zeit lieber für 500$ Wochenlohn zwischen Aktenbergen und überlässt dafür lieber seinem geschätzten Partner die großen Auftritte vor Gericht. Als der allerdings an Folgen eines plötzlichen Herzinfarktes stirbt, steht das Zwei – Mann – Unternehmen vor dem Aus. 

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Nach einigem Widerstand kommt Israel letztendlich in der Kanzlei des ambitionierten Strafverteidigers George Pierce (Colin Farrell, Phantastische Tierwesen) unter, hat aber hehre Mühe damit, sich in den Arbeitsalltag einer großen Kanzlei einzufügen. Stets bemüht, das Strafrecht der Vereinigten Staaten zum Besseren zu reformieren, schließt er Freundschaft mit der Menschrechtlerin Maya (Carmen Ejogo, Alien: Covenant). Aber das ist nur der Anfang einer turbulenten und ereignisreichen Reise für das engagierte Faktengenie….

Die Rezension

Auch gänzlich fiktive Filme können unter den richtigen Gegebenheiten zum kritischen Nachdenken anregen, dafür braucht es nicht zwingend wahre Begebenheiten oder real existierende Personen. Obgleich Roman J. Israel, Esq. sehr darum bemüht ist, trotz seiner durchgehenden Fiktion genau zu diesem Ergebnis zu führen, scheitert er letztendlich doch an seiner eigenen Überambitioniertheit, die sich viel zu oft in ethischen Fragen verstrickt und sich im Rahmen der knapp über zwei Stunden langen Laufzeit so zahlreiche Längen erlaubt, die sich nur sehr schwer überspielen lassen. 

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Im Rahmen dieser nur von wenigen Highlights strotzenden Hintergrundgeschichte wirkt Hauptdarsteller Washington, der hier auch als Produzent beteiligt war, chronisch unterfordert. Zwar rettet dessen gewohnt charismatische, nahezu brillante Darstellung des exzentrischen Strafverteidigers den eher durchwachsenen Streifen nicht in seiner Gänze, bewahrt ihn aber dank seines eindringlichen Spiels vor dem unteren Mittelmaß. Der Clash zwischen den veralteten Ansichten des Charakters mit den modernen Gegebenheiten des Rechtssystems sorgt gelegentlich für eine gewisse Komik, die dem Film durchaus Charme verleiht. Das ist am Ende aber im Rahmen der vielen Unebenheiten des Drehbuchs einfach nicht genug, um Roman J. Israel, Esq. zu einem modernen Klassiker des Genres zählen zu können.

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Für seine tolle Darstellung durfte sich Denzel Washington dafür über wichtige Nominierungen freuen, darunter als bester Hauptdarsteller für jeweils einen Golden Globe, einen Screen Actors Guild Award und letztendlich auch einen Academy Award, ging allerdings in jeder Kategorie leer aus. Damit beweist er eindrucksvoll, noch immer zu den besten Akteuren seines Fachs zu gehören, der besonders in unkonventionellen Rollen glänzen kann. Und alleine für seine schauspielerische Leistung lohnt der Film einen Blick. Das ist aber eben auch schon alles. 

Die Blu-Ray

Zu mehr als einer regulären HD – Veröffentlichung hat es leider nicht gereicht, die Blu-Ray stellt das höchste Maß aller verfügbaren Dinge dar. Schade eigentlich, denn aufgrund der hier wirklich insgesamt hervorragenden Bildqualität wäre es spannend gewesen zu sehen, wie sich eine 4K – Fassung im Vergleich dazu geschlagen hätte. Geboten wird hier ein wunderbarer Transfer, der durch fantastische Detailpracht besticht und in Nahaufnahmen jede Pore in den Gesichtern erkennen lässt. Texturen an Kleidung und Objekten wirken knackscharf, auch die Hintergründe brillieren mit bemerkenswerter Schärfentiefe. Obendrauf gibt es exzellente Kontraste. Leuchtendes Weiß trifft auf starke, toll nuancierte Schwarzwerte im Rahmen einer angenehm natürlichen Farbgebung. Zwar ist selten übermäßig präsentes Filmkorn wahrnehmbar, im Großen und Ganzen bietet Rechteinhaber SONY hier aber in Sachen Bild eine durchaus eindrucksvolle Veröffentlichung, die in vielerlei Hinsicht auf Referenzniveau abliefert. 

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Lediglich beim Ton ist das Label noch nicht ganz oben angekommen, bietet aber dafür sowohl in Deutsch, Englisch und sogar Japanisch eine verlustfreie DTS-HD MA 5.1 – Tonspur an, die zu gefallen wissen. Die Sprachverständlichkeit ist exzellent, die gelungene Effektverteilung sorgt stets für eine angenehme, immersive, aber nie aufdringliche Räumlichkeit. Umgebungsgeräusche kommen von Anfang an herrlich zur Geltung. Hier beweist die Abmischung eindrucksvoll, dass es nicht immer ein lauter Actionkracher sein muss, um die Vorteile einer guten Anlage samt Boxen genießen zu können. Im Zeitalter von Dolby Atmos und Co. hätte man aber sicherlich mit entsprechender Unterstützung der Höhenlautsprecher noch ein bisschen mehr aus dem sonst sehr guten Sound herauskitzeln können. 

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Zusätzlich hat es etwas mehr als eine halbe Stunde Bonusmaterial auf die Disc geschafft. Neben einem ausführlichen Making Of gibt es noch einen detaillierten Einblick zur Erschaffung der Charaktere Roman J. Israel und George Pierce. Acht entfallende Szenen runden die Extras ab. Für einen Katalogtitel ist der Umfang gelungen, inhaltlich jedoch weitestgehend unspannend. 

Fazit

ava4„Keine Frage: In der Rolle des exzentrischen und von Idealismus beseelten Anwalts kann Denzel Washington absolut glänzen und trägt in dieser Eigenschaft den sonst eher mittelprächtigen Film nahezu komplett auf seinen Schultern. Und alleine das macht den Film abseits seiner Schwächen und Längen doch sehenswert. Ein stilsicheres Meisterwerk darf man abseits davon aber wirklich nicht erwarten. Dafür besticht der Film auf Blu-Ray durch eine fast in jeder Hinsicht referenzverdächtige Bidlqualität und auch der Ton bietet abseits der Abwesenheit einer Höhenspur samt entsprechendem Format ein tolles Ambiente für die Ohren. Annehmbare Boni komplettieren eine sonst sehr gute Katalogveröffentlichung.“

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