Assassin’s Creed: Syndicate – Das Review für PC und PlayStation 4

                                       

                                           Das Review für PC und PlayStation 4
                                           Getestet und verfasst von General M 

Die Assassins’s Creed – Reihe gehört mittlerweile seit Jahren zu den festen Terminen im Kalender eines Gamers. Zwischen Oktober und November kann man zumeist mit einem neuen Ableger für Konsolen und PC rechnen, schwankende Qualität bei der Umsetzung mitinbegriffen. Kritiker bemängeln seit Jahren, was bei Call of Duty mittlerweile akzeptiert zu werden scheint: Eine stetige Umsetzung nach Schema F mit nur wenig Mut zu Neuerungen. Und tatsächlich hat diese Kritik ihre Berechtigung, schien doch spätestens mit „Unity“ von 2014 ein vorläufiger Tiefpunkt der Serie erreicht zu sein. Technisch unsauber umgesetzt, waren mehrere große Patches nötig, damit das Spiel wenigstens halbwegs flüssig auf PC und Konsolen lief. Außerdem wurde die altbackene Story ebenso bemängelt wie Mikrotransaktionen, zahlreiche Bugs und und und…kurzum, es stand nicht sonderlich gut um den Ruf der Reihe, welche mit dem eher unbefriedigenden Abschluss der Ezio – Trilogie in den Augen der meisten Spieler ihren qualitativen Höhepunkt fand. Entsprechend geringe Erwartungen hatte man an den aktuellen Titel mit Namen Syndicate, der den Spieler von Paris ins Viktorianische London verfrachtet. 

Gemeinsam sind wir stark! 

Die Geschichte ist dabei relativ schnell erzählt und unterscheidet sich kaum vom zentralen Element der meisten Vorgänger. Die Zwillinge Jacob und Evie Frye sollen London aus dem Würgegriff der verfeindeten Templer befreien. Moment, Zwillinge? Ja, in der Tat! Erstmals in der Serie übernimmt man nicht nur die Kontrolle über einen Charakter. Dabei sind die Zwillinge nicht nur in ihrem Wesen sehr unterschiedlich, sondern auch in der Wahl ihrer Vorgehensweise. Während Jacob eher auf direkte Konfrontation setzt, geht Evie lieber heimlich vor. Dazu stehen beiden eine unterschiedliche Auswahl an Gadgets zur Verfügung, mit denen sich das entsprechende Vorgehen besser planen lässt. Und obwohl es Missionen gibt, die mit einem festgelegten Charakter gespielt werden müssen, obliegt einem auch regelmäßig die Freiheit, seinen Charakter frei wählen zu können. Der Handlungsverlauf wird dadurch nicht beeinflusst. und die Abwechslung macht durchaus Spaß, nutzt sich aber recht schnell ab, da die spielerischen Unterschiede mehr und mehr im Nichts verlaufen. Wobei man außerhalb der Missionen ohnehin stets alleine unterwegs ist. Hinzu kommt, dass die meisten Figuren innerhalb der Haupthandlung relativ blass bleiben und somit kaum Erinnerungswert oder gar Sympathie hervorrufen. 

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Erhaltene Erfahrung wird stets auf beide Charaktere verteilt und kann für zahlreiche Verbesserungen verwendet werden, die zumeist sinnvoll gestaltet und nie überflüssig sind. Das geht von der Verbesserung der Gesundheit über lautloses Bewegen bis hin zur Verbesserung der hauseigenen Gang „The Rooks“, die einem jederzeit zur Hilfe eilen können, sollte die Situation einmal eng werden. Verdientes Geld wiederum kann für neue Ausrüstung verwendet werden, das Prinzip der individuellen Einkleidung wurde aus dem Vorgänger übernommen. Auch das Kampfsystem ist beinahe gleich geblieben, verlangt aber gerade gegen größere Gruppen mit hoher Kampfstärke mehr Aufmerksamkeit als noch zuvor, trotz der Tatsache, dass die Künstliche Intelligenz nicht gerade durch Schlauheit glänzt, aber dafür in Übermacht angreift. Ohne das entsprechende Level ist es ohnehin nicht ratsam, sich mit stärkeren Banden zu messen, da man selbst mit Verstärkung zumeist den Kürzeren zieht. Geduld ist eine Tugend! Besonders, da die Missionen in ihrer Schwierigkeit mitunter recht unausgeglichen sind und durchaus stellenweise für Frustration sorgen können.

Nieder mit der Tyrannei!

Natürlich wird London von mehr als nur einer Gang beherrscht, von denen die allermeisten den Templern gegenüber loyal eingestellt sind. Zur Befreiung der Stadt ist es also erforderlich, die verschiedenen Bezirke früher oder später von Einfluss dieser Gangs zu befreien. Dafür führt man unter anderem Scotland Yard hochrangige Bandenmitglieder zu oder eliminiert ganz einfach Offiziere. Je mehr Gebiete man unter seiner Kontrolle hat, desto höher ist das automatische Einkommen, welches man sich bequem aus seinem mobilen Versteck, einem alten Zug, unter den Nagel reißen kann. Abseits davon gibt es allerhand zu tun, so begegnet man berühmten historischen Gestalten wie Alexander Graham Bell oder dem Inhaber eines Fight Clubs, die allesamt genügend Einkommensmöglichkeiten anzubieten haben, aber ebenso auch Rufbelohnungen vergeben.

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Und natürlich wird auch die Sammelwut wieder durch zahlreiche Kisten Schätze und dergleichen befriedigt. Obwohl auch dieses Mal wieder Miktrotransaktionen ihren Weg ins Spiel gefunden haben, sind diese völlig optional. Alles dadurch freischaltbare kann auch ohne zusätzliche Kosten und mit etwas Geduld im Spiel freigeschaltet werden. 

Oh, hübsches London…

Das Viktorianische London dagegen kann auf ganzer Linie überzeugen. Die Stadt wirkt wunderbar authentisch umgesetzt, ist dicht bevölkert und überall herrscht Leben. All das war stets eine Stärke der Reihe, die sich noch nie durch einen Mangel an Atmosphäre bemerkbar gemacht hat. Mit dem Erscheinen der aktuellen Konsolengeneration entschied man sich für Unity für eine stark verbesserte Version der hauseigenen „Anvil Next“ – Engine zu nutzen, was zwar hübsch aussah, sich aber durch viele technische Probleme sehr negativ auf das Gameplay auswirkte. Besonders störend waren die Einbrüche der Bildrate. Und wer erinnert sich nicht an das berühmte fehlende Gesicht? Um dem vorzubeugen, hat man dieses Mal die grafische Qualität ein wenig heruntergeschraubt, was sich aber in dem ohnehin eher düsteren London wenig bemerkbar macht. Das Spiel sieht immer noch ausgezeichnet aus und läuft zumeist mit soliden 30 Frames in der Sekunde auf den Konsolen, wobei die XBOX ONE – Fassung niedriger aufgelöst ist und statt nativem 1080p lediglich von 900p hochskaliert. Für das wache Auge macht sich das lediglich durch teilweise etwas matschigere Texturen bemerkbar. Die PC – Version profitiert dagegen von Auflösungen bis 4K, 60 Frames und NVidia Gameworks, die aber allesamt auch sehr potente Hardware voraussetzen. Besonders die Schattenqualität und hochwertiges Anti Aliasing bringen auch aktuelle Hardware schnell an ihre Grenzen, zumal ein SLI – oder Crossfire – Support (momentan) nicht gegeben ist. Wer aber die entsprechende Technik verbaut hat, bekommt auf dem PC definitiv die schönste Erfahrung geboten. 

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Eines lässt sich jedoch mit Gewissheit sagen: Syndicate überrascht positiv, sowohl technisch als auch spielerisch hat man sich der zahlreichen Kritik aus Vorgänger angenommen und das Gameplay an vielen Ecken sinnvoll verbessert. Man darf endlich wieder Pfeifen, die Klettersteuerung wurde überarbeitet und das Kampfsystem wurde etwas vereinfacht. Das macht Syndicate zu einem der besseren Vertreter der Reihe, zumal auch die Vertonung in jeder Hinsicht erneut hervorragend gelungen ist. Die Deutschen Sprecher machen ihren Job ausgezeichnet und der Soundtrack ist absolut atmosphärisch und fängt das Szenario perfekt ein.  Und auch die technische Seite gibt weniger Raum für Kritik als im Vorjahr. 

Kein Assassin’s Creed in 2017?!

Übrigens, momentan macht das Gerücht die Runde, dass erstmals seit Jahren in diesem Jahr kein neuer Titel erscheinen wird. Stattdessen soll der zweite Teil von Watch_Dogs die Lücke füllen, damit man im kommenden Jahr mit einem frischen Szenario durchstarten kann. Das mag für Fans eine Enttäuschung sein, ist aber gleichzeitig eine kluge Idee, um ohne Zeitdruck eine runde und frische Erfahrung für Spieler zu schaffen. Immerhin, dafür entschädigt in diesem Jahr sicher auch der Kinofilm zur Reihe mit Michael Fassbender in der Hauptrolle. Wie gesagt, Syndicate ist kein schlechtes Spiel, es ist im Grunde das bessere Unity. Allerdings geht dem Franchise allmählich die Luft aus, weil die gleiche Geschichte oftmals nur in leicht abgewandelter Form wieder und wieder erzählt wird, was auf Dauer natürlich nur suboptimal ist. Es bleibt also zu hoffen, dass sich das Gerücht bewahrheitet und die Entwickler aus der zusätzlichen Zeit alles nur mögliche herausholen, um die Serie zurück zu alten Stärken zu führen. Bis dahin bleibt Syndicate ein gelungener Ausflug in die Viktorianische Zeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Fazit

ava„Assassin’s Creed: Syndicate ist definitiv einen Blick wert und hat nach dem eher missglückten Unity durchaus für positive Überraschung gesorgt. Die beiden unterschiedlichen Hauptcharaktere mit ihren zahlreichen Fähigkeiten, das hübsche und atmosphärisch wunderbar umgesetzte Viktorianische London, eine saubere Technik und sinnvoll verbessertes Gameplay zeichnen den Titel aus. Dennoch, große inhaltliche Veränderungen im Vergleich zu den Vorgängern sucht man auch in diesem Jahr schmerzlich vergebens.“

PRO:

+ Hübsches und atmosphärisches London
+ Zwei Charaktere mit unterschiedlicher Herangehensweise
+ Sinnvolle Charakterverbesserungen
+ Enormer Umfang
+ Sehr lebendige Stadt mit vielen Nebenmissionen
+ Miktrotransaktionen völlig optional
+ Gelungene Deutsche Vertonung
+ Atmosphärischer Soundtrack
+ Läuft technisch zumeist sauber und stabil
+ Viele überarbeitete Feinheiten im Gameplay

CONTRA:

– Erzählerisch ohne Neuerungen und Überraschungen
– Blasse Charaktere
– Inkonsequente Umsetzung des Geschwister – Systems
– Missionsschwierigkeit schwankt mitunter stark
– Kanonenfutter K.I., die nur auf zahlmäßige Überlegenheit setzt
– Lange Ladezeiten (PlayStation 4)
– Ohne Gamepad kaum spielbar

                                       GESAMTWERTUNG: 79% (PC und PlayStation 4)

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